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Corona in Gesundheitsämtern - "Der Einzelne hat hohe Eigenverantwortung"

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Hohe Infektionszahlen heißt: viel Arbeit in den Gesundheitsämtern. Die epidemische Notlage soll bleiben, sagt Anne Bunte für die Ämter in NRW. Es brauche klare Regeln.

In immer mehr Bundesländern gilt 2G, in Salzburger Kliniken entscheidet eine Kommission über Triage und 5 Jahre Gefängnis soll es für Impfpass-Fälscher geben: Aktuelles zur Pandemie-Lage.

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ZDFheute: Wie ist die Corona-Lage in den Gesundheitsämtern?

Anne Bunte: Die Lage ist maximal angespannt. Wir haben exponentiell steigende Fallzahlen, unsere Mitarbeiter versuchen trotzdem, jeden Kontakt von Infizierten nachzuverfolgen.

ZDFheute: Kommen Sie denn noch hinterher?

Bunte: Nein. Wir stellen uns in den Ämtern bundesweit die Frage, ob das noch sinnvoll ist. Als wir noch keinen Impfstoff hatten, mussten wir eine strenge Kontaktnachverfolgung machen. Ab der zweiten Welle war in fast allen Gesundheitsämtern die Bundeswehr zur Unterstützung im Einsatz, um die Infektionsketten zu durchbrechen. Das war die einzige Möglichkeit, um die Pandemie zu verlangsamen.

ZDFheute: Was hat sich ein Jahr später geändert?

Bunte: Ein aktuelles Beispiel aus unserer Hotline von heute: Eine infizierte Mutter ruft an, hat aber ihr Kind in die Schule geschickt. Durch die Öffnungen und die ganze Diskussion um die epidemische Notlage haben viele das Gefühl: Ansteckung gibt es nicht mehr. Uns wird zurzeit am häufigsten die Frage gestellt, vor allem von infizierten Geimpften, warum man die Quarantäne nicht verkürzen kann. Es geht weniger um den Schutz der anderen.

Seit in Bayern die Corona-Maßnahmen verschärft wurden, bleibt dem ungeimpften Frank Bauer nicht mehr vieles, was er unternehmen darf. Warum ist er trotzdem gegen die Impfung?

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ZDFheute: Braucht man die Kontaktnachverfolgung noch?

Bunte: Ja, aber wir müssen Schwerpunkte setzen und uns auf die vulnerablen Gruppen konzentrieren. Wir rufen als erstes da an, wo wir bei den Kontakten schützenswerte Menschen erwarten, also in Altenpflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Einrichtungen von Menschen mit Behinderungen, Schulen.

Wir müssen Prioritäten setzen. Wer infiziert ist, kann seine Kontakte selbst informieren.
Anne Bunte

Dazu haben wir eine Hotline und sind sieben Tage erreichbar. Aber wir können in Hochinzidenzzeiten nicht alle erreichen und müssen uns fragen, wie hoch ist der Effekt der Einzelnachverfolgung noch.

ZDFheute: Offensichtlich sind aber nicht alle gut über die Pandemie informiert.

Bunte: Alle denken, dass sie sich viel informieren. Über die Medien, über die sozialen Medien, das Internet, persönliche Gespräche. Aber wie kommen die Botschaften an? Die Aufhebung der epidemischen Notlage mag juristisch sinnvoll sein, aber wir brauchen klare Botschaften.

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Zu verstehen, dass die Impfung keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Ansteckung und einer Weitergabe der Infektion bietet, ist offensichtlich schwierig. Die Situation ist ja auch komplex, es gibt ständig neue Erkenntnisse und Änderungen, zum Beispiel bei der Quarantäneregelung. Sowohl für die Bürger als auch für diejenigen, die sich beruflich damit beschäftigen, ist das eine Herausforderung.

ZDFheute: Warum ist die epidemische Notlage noch wichtig?

Bunte: Wenn wir keine klaren, einheitlichen, gut verständlichen Regeln haben, wird es schwierig. Wir leben hier im Kreis Gütersloh an der Grenze zu Niedersachsen, haben rundum verschiedene Städte und Kreise.

Wenn wir überall unterschiedliche Regeln haben, wie soll man das den Bürgerinnen und Bürgern kommunizieren?
Anne Bunte

Die Menschen sind nicht an einem Ort. Wer in Berlin arbeitet, lebt oft im Umland in Brandenburg. Es ist interessant zu hören, dass die Infektionslage, die in Ostfriesland anders ist als im Erzgebirge, als Rechtfertigung für unterschiedliche Maßnahmen dient, aber: Die Menschen bewegen sich nicht nur an einem Ort.

Die Bundesregierung habe die Länder gezwungen, "die Impfzentren zu schließen", das sei falsch gewesen, denn "im Kern geht es um die Impfquote", sagt Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, SPD, und kritisiert ignorierte Appelle.

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ZDFheute: Ist das Durcheinander erst durch den Streit um die epidemische Notlage entstanden? Oder sehen Sie seit langem ein Kommunikationsproblem?

Bunte: Die Bundesnotbremse hat uns in der dritten Welle Sicherheit gegeben. Es gab einheitliche Rahmenbedingungen, das hat uns in den Ämtern entlastet. Wir hatten eine große Ruhe, als die Maskenpflicht in den Schulen galt. Mit der Aufhebung kam die Verunsicherung.

ZDFheute: Die Länder führen aber doch jetzt nach und nach das gleiche ein: 2G in der Freizeit, 3G am Arbeitsplatz. Beruhigt Sie das nicht?

Bunte: Solange es nicht alle gleichzeitig machen, beruhigt es mich nicht.

Eine Pandemie föderal lösen zu wollen, kann nicht gut gehen.
Anne Bunte

Maßnahmen greifen, wenn wir einheitliche Regeln und klare Strukturen haben. Das ist messbar, zum Beispiel in Großbritannien oder Dänemark.

Tests seien zwar "ganz nett", aber es käme auf die Impfungen an, sagt Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe, CDU, und fordert: "Der Bund muss die Impfkapazitäten zur Verfügung stellen und das so schnell wie möglich."

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ZDFheute: Also auch ein Kommunikationsproblem?

Bunte: Wir müssen besser vermitteln, dass der Geimpfte sich infizieren und das Virus übertragen kann. Das Risiko ist geringer, aber nicht bei null. Indem nur der Infizierte mit Symptomen in die Quarantäne muss, hat der Einzelne eine hohe Eigenverantwortung, das Virus nicht weiterzugeben. Wir kennen viele, die Symptome hatten und trotzdem zur Arbeit gegangen sind. Wir müssen die Menschen noch einmal ganz anders informieren.

ZDFheute: Nicht nur Menschen, die nicht Deutsch sprechen …

Bunte: Kein Gesundheitsamt kann ohne Mitarbeit der Bürger Infektionsketten unterbrechen. Wir haben überproportional viele Infizierte, wo zum Beispiel Menschen beengt wohnen, im Niedriglohnsektor beschäftigt sind, es Sprachprobleme gibt.

Und: In Nordrhein-Westfalen aktuell in Regionen, in denen viele Freikirchen sind. Dort gibt es Druck auf Gemeindemitglieder, keine Kontaktpersonen zu benennen. Die Informationen über die Pandemie an die Menschen weiterzugeben, ist eine immer größere Herausforderung.

Das Interview führte Kristina Hofmann.

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

Sachsen, Dresden: Michael Kretschmer (CDU, M), Ministerpräsident von Sachsen, spricht im Plenum zu den Abgeordneten. Anlässlich der Landtagssitzung zur Feststellung der epidemischen Lage im Freistaat rechnet die Polizei mit einem Protest von Gegnern der Corona-Politik.

Nachrichten | heute 19:00 Uhr - Sachsen: Weichenstellung für schärfere Regeln 

Der sächsische Landtag hat die epidemische Notlage verlängert. Immer wieder gibt es Aufmärsche gegen die Maßnahmen – zuletzt sogar vor dem Privathaus der Gesundheitsministerin.

06.12.2021
von S. Moritz-Möller / T. Bärsch
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