Sie sind hier:

Corona-Jahr in Großbritannien : Von Versprechen und Versagen

Datum:

In Krisensituationen wachsen manche über sich hinaus, andere erweisen sich als überfordert. Das Corona-Jahr in Großbritannien hat sehr genau erkennen lassen, wer da wo steht.

Männer unter Regenschirmen mit dem Aufdruck der britischen Flagge
Großbritannien wurde von der Corona-Pandemie besonders hart getroffen.
Quelle: AP

Wenn ich an das Corona-Jahr in Großbritannien denke, fallen mir zwei Zitate ein. Eins auf der Bühne der Politik - dazu gleich mehr - und eins mitten aus dem Leben und Sterben mit Corona. Es erzeugt Gänsehaut, immer noch.

"Ich habe heute mehreren Menschen die letzten Worte ihrer engsten Angehörigen überbracht, die mich zuvor angerufen hatten. Ich weiß nicht, ob die Patienten das noch mitbekommen haben, aber ich weiß, sie sind alle danach ganz alleine gestorben", erklärt da eine Krankenschwester in einer Londoner Klinik. Worte, die einfangen, was mehr als 65.000 Tote bedeuten. [Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus weltweit lesen Sie in unserem Blog.]

Erinnern an Freund*innen, Kolleg*innen, die es überstanden haben. An meine Familie, in der meine Frau und ich es hatten. Die beiden älteren Kinder wohl auch und die am 13. Februar geborene Tochter - wer weiß? Doch damit haben so viele Menschen in so vielen Ländern zu kämpfen, was erschreckt. Irgendwie tröstet. Wir stecken da alle drin!

Corona-Test und Neuinfektionskurve in Deutschland
Grafiken

Coronavirus - Wie viele sich infizieren und sterben 

Wie breitet sich das Coronavirus aus? Infografiken, Zahlen und Daten zur Entwicklung von Covid-19 in Deutschland und weltweit - immer aktuell.

von M. Hörz, R. Meyer, M. Zajonz

An der Spitze ein Clown?

Doch was die Situation im Vereinigten Königreich oft schwer erträglich macht, zeigt das andere Zitat. Es ist der 3. März. Und es ist die Zeit, in der die Welt aufwacht. Als irgendwie klar wird: Dieses Virus hat das Potential, alles zu verändern.

Virologen warnen. Und es dringt durch, mühsam. Nur einer gibt sich unbeeindruckt: Boris Johnson, der Premierminister.

Ich schüttle weiter Hände.
Britischer Premier Boris Johnson bei einer Pressekonferenz

Johnson weiter: "Ich war neulich in einem Krankenhaus, wo es auch Corona-Patienten gab und es wird Sie sicher freuen zu hören, dass ich dort allen die Hände geschüttelt habe. Und das werde ich auch weiter tun."

Großbritannien ist schlecht vorbereitet

Sorglos Richtung Katastrophe, immer einen oder mehrere Schritt(e) zu spät. Schlechte Vorbereitung trifft auf ebenso schlechtes Management. An der europäischen Spitze, was die Corona-Toten betrifft. Der Einbruch der Wirtschaft, nie dagewesen in mehr als 300 Jahren. Das spricht für sich.

Es sei eine Ausnahmesituation, hört man auf der Straße immer wieder. Wie habe Boris Johnson das besser hinkriegen können? Und er war ja selbst dem Ende durch Corona nahe. Das war er, aber erklärt das, warum der Johnson das Blaue vom Himmel verspricht, quasi ein Jahr lang?

Mehr als 50.000 Menschen sind in Großbritannien bereits an Corona gestorben. Gleichzeitig ist die Wirtschaft am Boden. Premier Johnsons Krisenmanagement wirkt chaotisch.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Der pathologische Versprecher

In 12 Wochen können wir die Wende im Kampf gegen das Virus schaffen.
Boris Johnson, am 20. März

Wirklich?

"Ende des Monats haben wir das weltbeste Test- und Nachverfolgungssystem am Laufen." (21. Mai) - Darauf wartet das Land bis heute, aber 25 Milliarden Euro hat es gekostet, das dürfte für einen Spitzenplatz reichen.

"An Weihnachten werden wir wieder Normalität genießen." (17. Juli) - Ehrlich?

"Weihnachten zu streichen, wäre unmenschlich." (am 16. Dezember) Am gleichen Tag wird der Vorschlag des Oppositionsführers, die fünftägige Öffnung über Weihnachten zu verkürzen, angesichts der stark steigenden Infektionszahlen, von Johnson höhnisch kommentiert.

Aber drei Tage später Wirklichkeit, obwohl allen Experten das schon länger klar war. Keine Familientreffen für Londoner, in weiten Teilen Südenglands. Der Grund sei eine aggressive Mutation. Sicher, aber davor warnten Virologen intern wohl schon seit Wochen.

Kein frohes, neues Jahr

Zugegeben, die Pandemie stellt die Politik vor eine enorme Herausforderung, überall. Aber wenn der entscheidende Politiker, die überragende politische Figur in einem Kabinett der ausgewählten Ja-Sager sich durch das Jahr hindurch um Kopf und Kragen redet? Als ob er den Ernst der Lage nicht erkennen will oder damit umgehen kann.

Bleibt nur ein Hoffnungsschimmer - die Impfstoffe. Ein Hoch auf Wissenschaft und Forschung. Zur Rettung für die Regierung Johnson, dem britischen Dauertief. Vielleicht, aber wichtiger: für die Menschen des Landes!

Andreas Stamm ist ZDF-Korrespondent im Auslandsstudio London.

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.