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Experten in England warnen - Minister kündigt Ende der Maskenpflicht an

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Mitte Juli will die britische Regierung die Corona-Maßnahmen in England aufheben. Ärzte warnen davor - sie fordern verpflichtend Masken in Innenräumen und bessere Lüftungstechnik.

London: Menschen warten vor dem Impfzentrum am Arsenals Emirates Stadion.
Die Impfungen in Großbritannien gehen voran - fallen nun alle Corona-Einschränkungen?
Quelle: ap

Wegen der rapiden Ausbreitung der Delta-Variante haben Mediziner vor einer baldigen Aufhebung aller Corona-Maßnahmen in England gewarnt. In der BBC sagte der Arzt und Vorsitzende des Rates der British Medical Association:

Da die Fallzahlen wegen der hohen Ansteckungsrate der Delta-Variante weiterhin alarmierend ansteigen und mehr Menschen sich treffen, macht es keinen Sinn, die Beschränkungen in etwas mehr als zwei Wochen vollständig aufzuheben.
Chaand Nagpaul von der British Medical Association

Die britische Regierung will nach derzeitigem Stand am 19. Juli die meisten verbleibenden Corona-Maßnahmen in England aufheben. So könnten dann Nachtclubs wieder öffnen und Menschen sich in unbegrenzt großen Gruppen treffen und feiern. Sogar die Aufhebung der Maskenpflicht steht zur Debatte.

Schutzmasken, die derzeit noch in Geschäften sowie Bussen und Bahnen verpflichtend sind, würden bald zur "persönlichen Entscheidung", erklärte Wohnungsbauminister Robert Jenrick am Sonntag im Sender Sky News. "Unterschiedliche Menschen werden bei Dingen wie Masken zu unterschiedlichen Entscheidungen kommen", so der Minister.

Jenrick äußerte sich zuversichtlich, dass der Lockdown in England dann endgültig aufgehoben werden könne. Die Aussicht dafür sei "sehr positiv".

Corona-Neuinfektionen in Großbritannien um fast 75 Prozent gestiegen

Der Medizinerverband fordert dagegen, Masken in Innenräumen wie Geschäften oder Bahnen und Bussen weiterhin verpflichtend zu machen. Außerdem solle bessere Lüftungstechnik eingesetzt werden.

In der vergangenen Woche ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Großbritannien um rund 67 Prozent gestiegen, wie aus offiziellen Zahlen hervorgeht. Die Inzidenz lag zuletzt bei 198.

Besonders Maske in Innenräumen sei wichtig

Dem Arzt und Experten für öffentliche Gesundheit, Azeem Majeed, wäre es lieber, man würde in dieser Situation nicht weiter lockern. "Ich würde noch ein paar Wochen warten", sagte Majeed der Deutschen Presse-Agentur. Dann sei die Impfkampagne noch weiter voran geschritten und man könne noch klarer absehen, wie viele schwere Verläufe wirklich verhindert werden können.

Gerade bei Maßnahmen wie Abstand oder Masken sei es eigentlich sinnvoll, sie in Innenräumen beizubehalten.

Eine Maske tragen tut niemandem weh. Das sollte man bis zum Herbst weitermachen.
Azeem Majeed, Arzt und Experte für öffentliche Gesundheit

Johnsons Rhetorik der "Einbahnstraße Richtung Freiheit"

Dass Boris Johnson nach einer kleinen Verschiebung seines "Tags der Freiheit", der zunächst schon für den 21. Juni geplant war, nun unbedingt an dem Juli-Datum festhalten will, hat viel mit Erwartungsmanagement zu tun.

Zwar betont er seit Monaten, die Lockerungen von "Daten, nicht von Terminen" abhängig zu machen. Gleichzeitig schürt er durch die Nennung von möglichen Terminen aber doch so viel Hoffnung in seinem Volk, dass Zurückrudern schwerfällt.

Die Zahl der Krankenhauseinlieferungen und Todesfälle steigt dank der weit fortgeschrittenen Impfkampagne nicht im gleichen Maße an wie in vorherigen Corona-Wellen. In der vergangenen Woche war trotzdem in England ein deutlicher Anstieg bei den Corona-Fällen in Krankenhäusern zu sehen.

Mathematikerin nennt fünf Gründe gegen Ende der Maßnahmen

Die Mathematikerin Christina Pagel vom University College in London nannte es auf Twitter einen "schrecklichen Plan" der britischen Regierung, "die wenigen Maßnahmen, die wir haben, zu beenden". Sie nannte fünf Gründe, warum man Infektionen weiter gering halten solle:

  1. Die Hospitalisierungen und Corona-Toten sind derzeit zwar vergleichsweise niedrig, würden mit weiteren Infektionen aber zunehmen.
  2. Die Langzeitfolgen der Corona-Pandemie, auch Long Covid genannt, betreffen auch Jüngere.
  3. Die Fälle sind in sozial schwachen Gegenden am höchsten, die Impfquoten dort am niedrigsten - Corona trifft die sozial Schwachen.
  4. Mehr Neuinfektionen erhöhen das Risiko für weitere Mutationen.
  5. Mit Hilfe des Impfprogramms kann man Fälle verhindern - man solle abwarten, bis die Impfungen weiter fortgeschritten sind.

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In Großbritannien hat sich die Delta-Variante durchgesetzt. Sie gilt als ansteckender als andere Mutationen. Auch in Deutschland seien schon fünfzig Prozent aller Neuinfektionen auf Delta zurückzuführen, schätzt das Robert-Koch-Institut - Delta werde sich auch hierzulande durchsetzen.

 Bayern, München: Zahlreiche Menschen spazieren durch die Fußgängerzone in der Innenstadt.

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