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Wie Handy-Tracing funktionieren könnte

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Daten teilen gegen Corona - Wie Handy-Tracing funktionieren könnte

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Um Corona einzudämmen, fordern Politiker die freiwillige Nutzung einer App. Sie schlägt Alarm, wenn man Kontakt zu einem Infizierten hatte. Aber geht das auch datenschutzkonform?

Archiv: Aktive Ortungsdienste auf einem Smartphone.
Ortungsdienste auf dem Handy: Bald im Kampf gegen Corona aktiv?
Quelle: DPA

Es könnte am Ende eine Push-Nachricht sein. "Achtung, Sie hatten vor drei Tagen Kontakt mit einer positiv getesteten Person. Bitte lassen Sie sich untersuchen und bitte bleiben Sie zu Hause." Eine App, die mögliche Kontaktpersonen warnt - könnten so Infektionsketten und damit die weitere Verbreitung des Coronavirus gestoppt werden?

Die Idee findet Anke Domscheit-Berg gut. Schließlich sei die Lage ernst, sagt die netzpolitische Sprecherin der Linken. "Eine Pandemie gibt's alle 100 Jahre, an der letzten ist meine Ur-Großmutter gestorben." Domscheit-Berg fordert, ebenso wie zum Beispiel SPD-Chefin Saskia Esken, dass eine solche App datenschutzkonform sein muss. Zu groß die Sorge, dass staatliche Behörden mehr Nutzerinformationen bekommen als nötig. "Es dürfen keine Namen, Adressen oder Standortdaten an die Behörden übermittelt werden", sagt sie.

Wie sich Handys anonym aneinander "erinnern" können

Im Kern geht es Domscheit-Berg darum, dass Nutzer freiwillig eine App installieren. Sie funktioniert, indem Nutzer die Bluetooth-Funktion ihres Handys aktivieren. Sitzen zwei Nutzer im Bus nebeneinander, erkennen sich die Handys und schicken sich - vereinfacht gesagt - einen anonymen Code zu, den die App generiert. Nur eine Zahlenkombination. Keine Telefonnummer, keine Mailadresse. So führen die Handys eine Art Tagebuch. Sie merken sich, wem sie nahe gekommen sind.

Wird ein Nutzer ein paar Tage später positiv auf Covid19 getestet, kann er zum Beispiel das Gesundheitsamt informieren, das dann einen Alarm per App auslöst. Und so alle Handys, mit denen das Handy in den vergangenen Tagen länger als fünfzehn Minuten nahen Kontakt hatte, per Push-Nachricht alarmieren. "Eigentlich warnen IT-Sicherheitsexperten vor ständig aktiviertem Bluetooth, weil das schon ein Einfallstor für Hacker sein kann", sagt Domscheit-Berg. Aber für diesen konkreten Fall hält sie die Bluetooth-Nutzung für verhältnismäßig.

Deshalb sind "Bluetooth" und "Funkzellen" nicht dasselbe

Vor allem, weil Bluetooth genauer ist als eine andere Technik, die in den vergangenen Wochen etwa von Gesundheitsminister Jens Spahn diskutiert wurde: Die sogenannte Funkzellen-Abfrage. Hier würden alle Handys kontaktiert, die sich in derselben Funkzelle befunden hätten. Vereinfacht gesagt: Die sich den selben Handymast geteilt haben. Nur: Weil die Ortung von Mobiltelefonen ungenau ist, können Personen immer noch einen Abstand von 50 Meter haben. Bluetooth erlaubt eine viel genauere Abstandsmessung.

Das habe Gesundheitsminister Jens Spahn leider nicht direkt verstanden, kritisiert Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz: "Die Bundesregierung hat viel Zeit damit vertan, über die ungeeignete und verfassungswidrige Funkzellenabfrage zu diskutieren", sagt er ZDFheute. Eine präzise App, die sich Nutzer freiwillig runterladen, unterstützt er aber. Seine Mahnung an schnelleres Umsetzen der Pläne kann man durchaus als Kritik an Robert-Koch-Institut und Vizekanzler Olaf Scholz verstehen:

Wir müssen jetzt aber schnell aus der Box kommen mit der App und nicht noch wochenlang rumplanen. Die Pandemie ist jetzt.

Welche Bedenken es noch gibt

Olaf Scholz hatte am Sonntag in der ZDF-Sendung "maybrit illner" gesagt, derzeit werde "intensiv daran gearbeitet, eine technische Plattform zu entwickeln, die das möglich macht, dass Viele freiwillig daran teilnehmen können". Scholz geht nach eigener Aussage davon aus, dass "so ziemlich jeder" eine solche App nutzen würde. Noch aber haben Bundesregierung und Robert-Koch-Institut eine entsprechende App nicht veröffentlicht. In den kommenden Tagen dürfte es aber soweit sein. Wie genau sie funktioneren wird ist noch unklar.

Datenschutzbedenken kommen von der FDP. "Zentrales Tracking" gehe in die falsche Richtung, twittert FDP-Innenexperte Konstantin Kuhle. Und Virologe Alexander Kekulé warnt im MDR vor einem Missbrauch, einer Art "Handy-Polizei". Es dürfe nicht passieren, dass Behörden mittels Handydaten etwa kontrollierten, ob sich Menschen an Kontaktsperren hielten. "Das halte ich für nicht sinnvoll und das muss auch diskutiert werden, ob so etwas in Deutschland mitbeabsichtigt sein sollte."

Damit es nicht zu Missbrauch kommt, fordert Linken-Politikerin Domscheit-Berg, dass die anonymisierten Begegnungsdaten der App spätestens nach 21 Tagen gelöscht werden. Auch müsse der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber die App überprüfen und freigeben. Die Chancen dafür dürften gut stehen. Kelber hatte am Wochenende getwittert, Begegnungsdaten aus einer freiwillig genutzten App dürften verwendet werden. "Ich glaube, der Nutzungsgrad wäre riesig."

Dem Autor auf Twitter folgen: @dominikrzepka

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