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Corona-Debatte bei Illner - "Reißen Sie sich am Riemen, Herr Kretschmer"

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Über die neuen Corona-Maßnahmen, Impfpflicht und Kontrollen gerieten bei "maybrit illner" Michael Kretschmer und Marco Buschmann aneinander. Karl Lauterbach beruhigte sie.

Wie kann man noch die vierte Welle brechen - und wie erreicht man schnell eine höhere Impfquote? Maybrit Illner diskutiert diese und andere Fragen mit ihren Gästen.

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Die Impfpflicht muss kommen, ihre Einführung aber soll gründlich im Bundestag diskutiert werden. Darin sind sich der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) einig. Der designierte Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) schließt eine Zustimmung nicht aus. Doch zuvor ging es hoch her in der ZDF-Sendung "maybrit illner".

Bei Illner geht's zur Sache

Im kurzen aber heftigen Schlagabtausch gerieten Sachsens Ministerpräsident und der künftige Bundesjustizminister aneinander. Auslöser des Streits war die Diskussion um die Lage in Sachsen, niedrige Impfquoten, höchste Zahl der Infizierten. Kontrollen seien notwendig, aber man müsse auch etwas gegen Impfgegner in sozialen Netzwerken tun, so Kretschmer.

Jeder Vierte würde die Pandemie in Sachsen für eine Verschwörung halten. Kretschmer erläuterte, dass es ein Umdenken in der Bevölkerung gebe, da die Überlastung der Kliniken deutlich sichtbar sei und die Menschen das erkennen würden. Dann forderte Kretschmer aber Buschmann auf, sich als künftiger Justizminister den sozialen Medien zu widmen. "Mich treiben diese Telegram-Gruppen um", mahnte Kretschmer.

Diese rechtsextremen Gruppen von bis zu 80.000 Menschen, die sich zusammengetan haben und bösartigste Propaganda, Hetze und zersetzende Dinge proklamieren. Wir müssen da etwas tun.
Michael Kretschmer (CDU)

Streit um Geld und Kompetenzen eskaliert

Buschmann ignorierte das und schaltete auf Angriff: "Andere Dinge sind jetzt dringender. Der Bund hat Geld auch in Sachsen zur Verfügung gestellt, um Impfkapazitäten auszubauen. Ich würde Sie dringend auffordern, das zu tun." Es folgte ein Schlagabtausch zwischen Kretschmer und Buschmann. Den Vorwurf der Untätigkeit verbat sich Kretschmer: "So können Sie mit mir nicht reden". Buschmann wollte sich seinerseits nicht belehren lassen:

Reißen Sie sich am Riemen, Herr Kretschmer.
Marco Buschmann (FDP)

"Sie hatten als Ministerpräsident alle Möglichkeiten, Sie haben sie nicht genutzt. Die Lage ist außer Kontrolle geraten und jetzt versuchen Sie es mir und dem Bund in die Schuhe zu schieben," wehrte er sich empört.

Karl Lauterbach von der SPD beruhigt die Lage: Die jüngsten Kontaktauswertungen zu Sachsen zeigten eine sehr positive Tendenz. "Die Maßnahmen wirken", sagt er, und: "Wir müssen zusammenhalten, sonst kommen wir nicht weiter."

Prof. Christine Falk bei "maybrit illner"

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Lauterbach fordert striktes 2G-Regiment

Kretschmer forderte "viel mehr Konsequenz" bei den Kontrollen. Auch für die Möglichkeit lokaler Shutdowns sprach sich der Landeschef aus.

Wenn wir in der kommenden Woche nicht eine deutliche Beruhigung sehen, müssen wir nacharbeiten.
Michael Kretschmer, Ministerpräsident Sachsen

Immunologin Christine Falk hob die entscheidende Bedeutung einer Auffrischungsimpfung hervor. Sie schaffe langfristigen Schutz. Eine Impfquote "deutlich über 85 Prozent" müsse das Ziel sein. Lauterbach warb für ein "striktes 2G-Regiment". Seine These: "Mit alleiniger Überzeugung erreichen wir gar nichts mehr."

Alle drei Politiker setzen Hoffnung in eine offen geführte Debatte zur Einführung der Impfpflicht, mit fraktionsübergreifenden Gruppenanträgen als Basis. Dabei geht es, so Kretschmer, ausdrücklich nicht um einen Impfzwang. Verstöße könnten, so Buschmann, durch Bußgelder geahndet werden. Lauterbach sprach sich dagegen aus, die Impfpflicht nur für höhere Altersgruppen einzuführen, denn so könne man die Herdenimmunität nicht erreichen.

Klar ist: Das Instrument kann nur langfristig wirken. Kurzfristig braucht es andere Mittel, insbesondere Kontaktbeschränkungen. "Wenn wir die Zahlen nicht in den Griff bekommen, werden die Intensiv-Kapazitäten schon vor Weihnachten nicht mehr ausreichen", warnte Falk. Auf das Handeln jedes einzelnen komme es an.

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Quadbeck: Starke Boomerang-Wirkung

Während Kretschmer sich einen befriedenden Effekt der Debatte erhofft, geht die Journalistin Eva Quadbeck (RND) von einer "starken Boomerang-Wirkung" aus der Ecke der Querdenker und Corona-Leugner aus. Quadbeck sprach von Personengruppen, die argumentativ nicht mehr zu erreichen seien. Der abrupte Kursschwenk in Sachen Impfpflicht bewirke einen enormen Vertrauensverlust.

Die jüngsten Bund-Länder-Beschlüsse stehen in Lauterbachs Augen für eine Wende zum Besseren. Die evidenzbasierte Politik auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse sei eine Zeit lang verlassen worden, nun habe Olaf Scholz sie wieder eingeführt. Kretschmer monierte, ab Frühjahr 2021 habe man versucht, politisch zu entscheiden. "Das ist kolossal schief gegangen. Jetzt sind wir wieder auf dem richtigen Weg."

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Boostern wie in Israel?

Hätte man auch in Wahlkampfzeiten auf die Fachleute gehört, die vierte Welle hätte sich Lauterbachs Schilderungen zufolge bei Weitem nicht so hoch aufgetürmt wie aktuell. Denn bereits im Juli hätten die Zahlen aus Israel belegt, dass jeder geboostert werden müsse. Für diesen Hinweis habe er seinerzeit Hohngelächter geerntet.

Illner stellte Lauterbach als "Gesundheitsminister der Herzen" vor. Und als der SPD-Politiker erzählte, wie er im Einklang mit den Experten einen "Instrumentenkasten" gepackt habe, um Scholz für die Bund-Länder-Gespräche zu rüsten, konnte man auf die Idee kommen, dass sich da jemand als Kabinettsmitglied in spe inszeniert. Der Frage, ob er das Amt übernehmen werde, aber wich Lauterbach aus. Nur so viel: Die SPD werde es sehr kompetent besetzen.

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