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Versprechen der Bundesregierung - Impfangebot für alle bis Ende Sommer?

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Bis zum 22. September soll laut Bundesregierung jede Person in Deutschland ein Impfangebot gegen das Coronavirus erhalten. Ist das möglich? Das Impftempo müsste deutlich zunehmen.

Ein Arzt hält eine Spritze mit einem Covid-19-Impfstoff der Firma Moderna am 22.01.2021 in Aalen in der Hand
Ein Impfangebot für alle bis Ende des Sommers?
Quelle: picture alliance / Ostalb Network

Ein Impfangebot gegen das Coronavirus bis zum 22. September - das sagten Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Gesundheitsminister Jens Spahn, beide CDU, allen Menschen in Deutschland zu. Doch das Versprechen ist an die Bedingung geknüpft, dass auch genügend Impfstoff verfügbar ist.

Nach jetzigem Kenntnisstand und wenn noch weitere Impfstoffe zugelassen werden, gehen wir davon aus, dass im Sommer jedem in Deutschland ein Impfangebot gemacht werden kann.
Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums

Ist das zu schaffen und welche Fragen sind noch offen?

Wie viele Menschen müssen dafür geimpft werden?

Da keine Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe für Minderjährige vorliegen, werden zunächst nur Personen ab 18 Jahren geimpft. Damit fallen rund 13,7 Millionen von etwa 83 Millionen Menschen weg.

Der größte Unsicherheitsfaktor bei der Impfpopulation ist die Quote der Impfverweigerer. Von welcher Quote geht die Bundesregierung aus und sind sie in die Überlegungen bereits fest eingeplant? Das Bundesgesundheitsministerium nannte ZDFheute dazu keine konkreten Zahlen.

Prof. Fred Zepp, Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin an der Universität Mainz und Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko), geht aktuell von einer Impfbereitschaft von etwa 65 Prozent der Bevölkerung aus. "Etwa 30 Prozent sind noch unentschieden oder impfskeptisch", sagte er ZDFheute. Den Anteil "ideologisch fixierter Impfgegner" schätze er auf drei bis fünf Prozent.

Ob das Versprechen umgesetzt werden kann, liegt also auch am Verhalten der mehr als 20 Millionen Unentschiedenen.

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Wie sieht der Zeitplan aus?

Bislang haben etwa 1,7 Millionen Menschen mindestens eine Dosis Covid-Impfstoff erhalten. Bis zum 22. September sind es aktuell 236 Tage.

Bei 65 Prozent Impfbeteiligung müssten gegenwärtig rund 186.000 Erstimpfungen pro Tag durchgeführt werden, um das Versprechen zu halten. Bei 95 Prozent Beteiligung rund 272.000 pro Tag.

Mit jedem Tag, an dem diese Werte nicht erreicht werden, steigen sie für die verbleibende Zeitspanne. In den vergangenen zwei Wochen fanden laut Robert-Koch-Institut im Schnitt täglich rund 60.700 Erstimpfungen statt.

Wann wird es ausreichend Impfstoff geben?

Diese Gretchenfrage ist aktuell angesichts von Liefer- und Zulassungsproblemen verschiedener Hersteller kaum zu beantworten. Vor allem hängt es von der möglichen EU-Zulassung des AstraZeneca-Vakzins in den kommenden Tagen ab und für welche Altersgruppen dieser Impfstoff zugelassen wird. Für Deutschland sieht ein Stiko-Entwurf lediglich eine Impfung von Personen unter 65 Jahren vor.

Mit welchen Liefermengen es im Verlauf des Jahres rechnet, möchte oder kann das Bundesgesundheitsministerium (BMG) gegenwärtig nicht mitteilen. Eine Sprecherin sagte zu ZDFheute, man habe "keine Glaskugel" und die pro Quartal zugesagten Liefermengen würden "für gewöhnlich nicht rausgegeben".

Das sind deutlich andere Worte als die von Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) in der ZDF-Sendung "maybritt illner" vor einer Woche:

Diese Phase der Knappheit dauert jetzt vielleicht noch sechs, acht Wochen und danach werden wir sehr, sehr viel Impfstoff haben.
Kanzleramtsminister Helge Braun

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Der "Spiegel" zitierte aus einem auf den 4. Januar datierten BMG-Papier. Demzufolge sollten im ersten Quartal circa 20 Millionen Impfdosen, im zweiten circa 70 Millionen und im dritten circa 127 Millionen geliefert werden. Darin seien alle Chargen aus EU-Bestellungen plus 30 Millionen zusätzliche Dosen aus nationalen Bestellungen enthalten.

Auf Basis dieser Zahlen hätte das Impfversprechen Hand und Fuß, es stünden bis zum dritten Quartal ausreichend Mengen bereit, um alle zu impfen.

Damit hatte man ursprünglich in der Bundesregierung gerechnet und wahrscheinlich auch auf dieser Grundlage das Impfversprechen abgegeben. Offiziell besteht es bis heute, obwohl die garantierten Liefermengen reduziert oder nach hinten verschoben wurden. Für das erste Quartal nennt die Webseite der Bundesregierung aktuell lediglich eine Summe von 11 bis 13 Millionen Impfdosen.

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Bundesländer und Experten bleiben vorsichtig

Es ist bezeichnend, dass sich gegenwärtig keines der von ZDFheute angefragten Landesgesundheitsministerien offensiv hinter das Impfversprechen der Bundesregierung stellt und es für seine Bevölkerung mit dem gleichen Stichtag wiederholt. Es überwiegen Skepsis und Vorsicht.

"Mit den Lieferverzögerungen wird dieses Ziel noch ambitionierter", sagte eine Sprecherin des niedersächsischen Gesundheitsministeriums. Auch der Stiko-Vorsitzende Prof. Thomas Mertens bezeichnete das Vorhaben gegenüber ZDFheute als "eher optimistisch".

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