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Druck auf Jugendliche : Bitte impfen! Herzliche Grüße, Eure Senatorin

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Der Impfdruck wächst, auch auf Zwölf- bis 17-Jährige. Einige Bundesländer schreiben gezielt die Jugendlichen an. Obwohl die Stiko keine generelle Impfung empfiehlt.

Junge Menschen stehen in einer Schlange im Impfzentrum in Hamburg am 10.08.2021
Junge Menschen im Impfzentrum in Hamburg
Quelle: dpa

Herr H. und Herr H. haben Post. Absender: Die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung. Auf zwei Seiten wird ihnen nahegelegt, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. "Wir wollen die Rückkehr zu einem weitgehend normalen Leben. Dazu gehört auch ein Schulbetrieb mit möglichst wenigen Infektionen und Beschränkungen", heißt es da. Anbei sämtliche Informationen, wo man sich impfen lassen kann. "Mit herzlichen Grüßen, Dilek Kalayci, Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung."

Das Problem: Herr H. und Herr H. sind 12 und 14 Jahre alt. Die Eltern wollen erst einmal keine Impfung ihrer Kinder. "Übergriffig" sei der Brief aus dem Hause Kalayci.

Berlin weiß mehr über Nebenwirkungen als Stiko

Derzeit ist es so: Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Corona-Impfung für Zwölf- bis 17-Jährige nur dann, wenn "aufgrund von Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung" besteht. Bei Jugendlichen dieser Altersgruppen ohne Vorerkrankungen wird eine Impfung "derzeit nicht allgemein empfohlen, ist aber nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz möglich".

"Dieser Impfstoff wurde wie fast kein Anderer untersucht und ist damit sehr wirksam und sicher", so Prof. Leif Erik Sander, Leiter Impfstoffforschung, Charité Berlin.

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Grund für die vorsichtige Freigabe: die wissenschaftliche Basis sei noch nicht ausreichend für eine uneingeschränkte Empfehlung. Erst Mitte August will sich die Stiko dazu äußern. "Wir sind im Prozess der Abwägung", hatte Stiko-Chef Thomas Mertens am vorigen Dienstag, am 3. August, gesagt. So seien Zahlen aus den USA zu möglichen Herzmuskelentzündungen fragwürdig. An der zögerlichen Haltung gab es auch Kritik.

Anfang August hatten die Länder beschlossen, trotzdem die Impfkampagne auf Jugendliche auszuweiten. Kritik kam von Ärzteverbänden, Bundeselternrat. Tenor: Die Politik baue Druck auf die Eltern und Kindern auf.

Im Brief der Berliner Gesundheitssenatorin, der 180.000 mal verschickt wurde, klingt das so: Die Halb-Empfehlung der Stiko wird erwähnt. Aber: "Zu den Nach- und Nebenwirkungen der Impfung wusste man zum Zeitpunkt der Empfehlung nicht so viel. Daher war die Stiko vorsichtig und hat noch keine allgemeine Empfehlung zur Impfung in Eurem Alter ausgesprochen." Der Brief trägt das Datum 28. Juli, also etwa eine Woche vor der Mertens-Äußerung zu den Nebenwirkungen. Ein Woche vorher ging auch ein Brief an die 18- bis 30-Jährigen in Berlin.

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Drei weitere Länder mit Extra-Kampagne

Allerdings steht Berlin mit seiner Impfkampagne für Kinder und Jugendlichen nicht allein da. Nach einer Umfrage von ZDFheute sprechen auch Bayern, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen gezielt die Zwölf- bis 17-Jährigen an.

In Bayern aber nicht direkt, sondern über die Schulen: Dort werden derzeit "strukturierte Schülerimpfungen ab Mitte August" vorbereitet. Nach Auskunft des Gesundheitsministeriums sollten alle weiterführenden und beruflichen Schulen, Förderschulen und Kollegs die Schülerinnen und Schüler "möglichst noch vor den Sommerferien" darüber informieren.

Bremen schickte bereits im Juni an die 16- und 17-Jährigen ein Impfangebot raus. 20.000 Briefe gingen an die Zwölf- bis 15-Jährigen raus, teilt der Sprecher der Gesundheitssenatorin mit. Allerdings: "Wir haben in den Briefen nicht zur Impfung aufgefordert, sondern auf die Möglichkeit der Impfung aufmerksam gemacht und über den Ablauf informiert." Und: In Bremen bekomme jeder potentiell Impfberechtigte einen Brief, die Einladung an die Jugendlichen seien also "keine Ausnahme".

Bremen hat bundesweit derzeit die höchste Impfquote. Bei den Erstimpfungen in der Altersgruppe zwölf bis 17 Jahre liegt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts aber Niedersachsen mit 29,8 Prozent ganz vorn. Dort hat man auch nicht auf Briefe gesetzt, sondern auf eine Sonderimpfaktion für Kinder und Jugendliche sonntags in den Impfzentren. Außerdem gab das Land 3,6 Millionen Euro für eine Werbekampagne aus.

Mehrheit hält sich an Stiko-Empfehlung

Briefe an Jugendliche oder Eltern lehnt die Mehrheit der Bundesländer ab. Saarland, Hessen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Hamburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein etwa. Alle berufen sich auf die Empfehlungen der Stiko.

Das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen weist zudem darauf hin, dass es deswegen "einen erhöhten Aufklärungsbedarf" gebe. Daher müssten Impfungen Jugendlicher vor allem in den ambulanten Arztpraxen erfolgen. Der Zugang zur Impfberatung und Impfung für Kinder ab zwölf sei aber "nicht in allen Regionen von NRW gleichermaßen gesichert".

Bund und Länder versuchen, mit den jüngsten Maßnahmen, den Druck auf Ungeimpfte zu erhöhen. Doch das stößt auf Kritik aus verschiedenen Richtungen.

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Diese Bundesländer setzen eher auf Familienimpftage und eine für Jugendliche konzipierte Werbekampagne, wie etwa in Thüringen, extra Termine an Wochenenden wie in Baden-Württemberg. Sachsen schickt zudem 30 mobile Impfteams durchs Land, "um die Menschen dort abzuholen, wo sie sind", so das Sozialministerium. In Einkaufszentren, Baumärkten, Fußballstadien, Stadtfesten oder beim Christopfer Street Day in Leipzig zum Beispiel.

Derzeit sind 13,7 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen, Stand Mittwoch, zweifach geimpft. Fünf Bundesländer liegen über dem Durchschnitt. Berlin und Niedersachsen sind nicht dabei.

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