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Impfen von Jugendlichen - Corona-Forscher: Schulen sind kein Risiko

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Kinder und Jugendliche gegen Corona impfen? Für das Infektionsgeschehen an Schulen ist das unerheblich. Münchner Forscher belegen: Es gibt dort keine Ansteckungsgefahr.

Corona-Impfungen bei Kindern ab zwölf Jahren sollen laut Bund und Ländern ab dem 7. Juni möglich sein.

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Seit gut einem Jahr untersucht ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilians-Universität München die Covid-19-Ausbrüche. Woher kommen sie, wie entwickelt sich das Infektionsgeschehen? Auch die bayerischen Schulen haben die Statistiker regelmäßig im Blick: "Wir haben keinen einzigen statistischen Hinweis, dass Schule ein Ausbruchsherd für Covid-19 ist. Eher im Gegenteil", sagt Göran Kauermann, Professor am Institut für Statistik der Universität.

Untersuchung: Schulen spielen untergeordnete Rolle

Genau das war in der Diskussion rund um den Impfgipfel in dieser Woche aber die Annahme: Werden die 12- bis 16-Jährigen bis zu den Sommerferien geimpft, müssen Schulen nicht mehr geschlossen werden, ist Wechselunterricht vielleicht bald vorbei. Denn trotz sinkender Inzidenzen sind die Länder weiter vorsichtig.

Viele Kinder und Jugendliche würden sich auf eine Impfung gegen Corona freuen. Ärzte warnen, die Datenlage bei Studien zur Verträglichkeit des Impfstoffs sei bisher zu schwach. Wissenschaft und Politik sind in einer hitzigen Diskussion.

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Berlin bleibt bis zu den Sommerferien beim Wechselunterricht, obwohl die Inzidenz seit Tagen unter 50 ist. Bayern will nach den Pfingstferien Präsenzunterricht bei Inzidenz unter 50, ab 21. Juni auch da, wo sie noch bei unter 100 liegt.

Fragt man die Münchner Wissenschaftler, wäre das schon jetzt nicht mehr nötig. In ihrem neusten Bericht, der am Freitag erschienen ist, kommen sie wieder zu dem Schluss: Schulen spielen "eine untergeordnete Rolle" im Infektionsgeschehen. Ihre Hoffnung: Ihre Ergebnisse könnten in der aktuellen Diskussion "helfen und zur Versachlichung beitragen". Statistiker wie Kauermann wundern sich:

Warum alle glauben, Schulen seien die Pandemietreiber, ist uns ein Rätsel.
Göran Kauermann

Wenn Ansteckung, dann woanders

Die 14 Wissenschaftler der Covid-19-Data-Analysis-Group haben die Daten des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ausgewertet. Darin sind die Fälle erfasst, wo sich zwei oder mehr Infizierte gegenseitig angesteckt haben könnten. Das Ergebnis:

  • Seit Mitte Februar sind Ausbrüche in den bayerischen Schulen sehr gering. Ein Vergleich mit anderen möglichen Ansteckungsorten wie Altenheime, Krankenhäuser oder Arbeitsplatz zeigt: Die Ausbrüche am Arbeitsplatz sind viel höher als in der Schule.
  • In den bayerischen Schulen gilt seit April eine Testpflicht. Dadurch wurden zwei bis vier mal mehr, meistens symptomlose Infektionen entdeckt. Insgesamt gingen die Infektionszahlen seit der Testpflicht zwar sofort steil nach oben, danach aber wieder schnell stabil nach unten. Infektionsketten, sagen die Forscher, würden also erkannt und unterbrochen, "was langfristig zu einer Reduktion der Inzidenzen führt".
  • Seit Ostern gab es zudem mehr Präsenzunterricht in Bayern. Zwar stiegen in den einzelnen Altersgruppen die Inzidenzen nach den Osterferien. Allerdings hatten sich die Kinder und Jugendlichen nicht an der Schule angesteckt. Sie blieb "unbedeutend gering", so die Forscher. "Im Mittel waren etwa ein Prozent der gemeldeten Fälle bei Kindern auf Infektionen an der Schule zurückzuführen."

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek, Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz: Anders als zuletzt angenommen, fehle für die Impfung von Kindern und Jugendlichen eine zusätzliche Impfstoff-Menge. Man benötige mehr Impfstoff.

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Kinder stecken nicht Ältere an, sondern umgekehrt

Bei dieser jüngsten Untersuchung spielte bereits die höher ansteckenden Virusvarianten, die sogenannte britische und indische, eine Rolle. Damit sehen die Forscher frühere Ergebnisse bestätigt: Das Infektionsgeschehen bei Kindern hat auf andere Altersgruppen kaum eine Auswirkung.

Bereits Anfang März hatten sie festgestellt: Die Annahme, Schulkinder steckten die Erwachsenen mit Corona an, lässt sich statistisch nicht belegen. Wohl aber der umgekehrte Fall:

  • Große Inzidenzen bei den 40- bis 65-Jährigen führen zu großen Inzidenzen bei den Fünf- bis Elfjährigen in der Folgewoche. Ähnlich ist es bei der Altersgruppe der Zwölf- bis 20-Jährigen.
  • Auffällig, so die Forscher: Die Inzidenz der Fünf- bis Elfjährigen hat praktisch keinen Einfluss auf die Infektionszahlen ihrer Eltern- bis Großelterngeneration.
  • Verglichen wurden dabei auch Zeiten von Präsenzunterricht und Homeschooling. Es zeigt sich: Der Einfluss der Inzidenzzahlen bei Kindern und Jugendlichen auf die Inzidenzzahlen der anderen Altersgruppen sei "praktisch gleich".

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hätte das weitere Impfen nach Priorisierung als Lösung angesehen. So hätte sicher sein können, dass Kinder nicht als letztes geimpft werden.

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Expertin: Homeoffice-Pflicht ist wichtiger

Die Ergebnisse der Münchner Statistiker sind in Berlin durchaus bekannt. Helmut Küchenhoff, Sprecher der Gruppe, trug sie noch am Donnerstag bei einer Expertenanhörung des Parlamentarischen Begleitgremiums zur Covid-19-Pandemie im Bundestag vor. Es sei günstiger, sagte Küchenhoff den Abgeordneten, die Schulen offen zu lassen und durch mehr Tests "Infektionen herauszufischen und die Pandemie in den Griff zu bekommen".

Elke Ahlers von der Hans-Böckler-Stiftung untersucht weniger die Schulen als die Bedingungen am Arbeitsplatz. Sie sagt: "Die Pflicht zum Homeoffice hätte viel früher kommen müssen."

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