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Verschiedene Optionen - Wie die Impfkampagne beschleunigt werden kann

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Die Impfkampagne sollte die Lockerungen der Corona-Maßnahmen ermöglichen, nun steigen die Infektionszahlen aber wieder rasant in die Höhe. Was kann der Impfgipfel tun?

Bei einem Impfgipfel beraten Bund und Länder am Freitag in einer Schaltkonferenz über konkrete Maßnahmen, wie die Corona-Impfkampagne in Deutschland beschleunigt werden kann.

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Der nächste Gipfel steht an: Nach der Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA, Astrazeneca weiter zu verimpfen, wollen Bund und Länder am Nachmittag beraten, wie es mit der deutschen Impfkampagne weitergehen soll. Dabei spielt auch das Infektionsgeschehen eine Rolle, das Wissenschaftler wie der RKI-Chef Lothar Wieler als "dritte Welle" bezeichnen, in der wir uns bereits befinden.

Doch welche Optionen hat die Politik mit Blick auf die Impfkampagne? Ein Überblick:

Wie schnell müssen wir impfen, um eine Chance gegen das Virus zu haben?

Der Blick in die Zukunft einer Pandemie ist schwierig und hängt von Annahmen und Variablen ab. Trotzdem lassen Szenarien berechnen, wie es wahrscheinlich weitergehen wird mit dem Infektionsgeschehen. Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes, macht genau das. Nach seinem Modell müssen wir mindestens zwei Millionen Impfungen pro Woche schaffen, um das Virus bis zum Sommer effektiv einzudämmen.

Simulation der Infektionszahlen in Abhängigkeit zu Impfungen
Simulation der Infektionszahlen in Abhängigkeit zu Impfungen
Quelle: Dr. Thorsten Lehr, Universität des Saarlandes

In der Berechnung werden folgende Annahmen vorausgesetzt:

  • Die Kombination aus Lockerungen und der rasanten Verbreitung der britischen Virusvariante B.1.1.7 sorgt für einen derart starken Anstieg der Infektionszahlen, sodass als Notbremse ein weiterer Shutdown von sechs Wochen ab Anfang April nötig wird.
  • Die Notbremse wird erst bei einer Inzidenz von 200 und nicht wie von Bund und Ländern beschlossen bei 100 gezogen.
  • Die Infektiösität von bereits Geimpften wird mit 20 Prozent eingerechnet.
  • Die britische Virusvariante wird als 35 Prozent infektiöser als das herkömmliche Coronavirus eingerechnet.

Bei weniger als zwei Millionen Impfungen pro Woche würde nach diesem Modell je nach Variablen sogar ein vierter Shutdown nötig werden oder eine sehr hohe Inzidenz über einen langen Zeitraum bleiben. Diese hätte natürlich erhebliche Auswirkungen auf die Auslastung der Intensivstationen und die Sterbefälle.

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Können wir uns beim aktuellen Impf-Tempo die Lockerungen leisten?

So wie das Modell von Thorsten Lehr einen weiteren Shutdown für unumgänglich sieht, schätzen auch andere Wissenschaftler die Lage ein:

Eigentlich müssten wir wieder auf die Bremse treten.
Martin Stürmer, Virologe

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte schon bei den Lockerungsbeschlüssen vom 3. März zu Protokoll gegeben, dass der Freistaat "unkonditionierten Öffnungen angesichts der aktuellen und absehbaren Infektionslage sowie Impfquote für nicht vertretbar" hält. Bei ZDFheute live legte er gestern nach und nannte die Öffnungsschritte einen Fehler:

Kretschmer bei ZDFheute live

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Ist es eine Option, die Priorisierung aufzuheben?

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder äußerte vor dem Gipfel den Wunsch, bei den Impfungen "flexibler" zu werden. Er forderte eine Aufgabe der Priorisierung für Astrazeneca, das bedeutet, jeder, unabhängig von Alter und Beruf, solle geimpft werden können.

Virologe Martin Stürmer kann diese Forderung nachvollziehen, gibt aber zu bedenken, dass wir uns aktuell noch in einer Phase des Impfstoffmangels befinden: "Solange das so ist, brauchen wir die Priorisierung", so Stürmer. Sonst könnten Menschen, die besonders auf die Impfung angewiesen sind, leer ausgehen. Sobald mehr Impfstoff vorhanden ist, könnte man die Regeln zur Priorisierung lockern.

Welche Rolle spielt Astrazeneca in der Impfkampagne?

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer war der erste, der in Deutschland zugelassen und verimpft wurde. Es folgte das Vakzin von Moderna, das in der deutschen Impfkampagne aber nur eine kleine Rolle spielt. Am 30. Januar gab die EU-Kommission dann auch grünes Licht für den Impfstoff von Astrazeneca. Kurz vor dem Stopp hatte das Mittel bereits einen Anteil von knapp 40 Prozent der Impfungen in Deutschland ausgemacht. Sollte sich die Politik entschließen, den Impfstoff nicht weiter zu nutzen, würde das eine erhebliche Lücke in den Impf-Plan reißen, auch wenn Biontech/Pfizer in den nächsten Wochen und Monaten sehr viel mehr Impfstoff liefern wollen als bisher.

[Wie sehr sich die Impfkampagne durch den Stopp von Astrazeneca verzögert, hat mein Kollege Oliver Klein recherchiert.]

Was muss beachtet werden, wenn Astrazeneca weiter verimpft wird?

In Deutschland soll ab Freitag wieder mit Astrazeneca geimpft werden. Gesundheitsminister Jens Spahn hatte die Einschätzung der EMA abgewartet und dann sofort den Impfstopp beendet. Zwar könne ein Zusammenhang zwischen der Impfung und sehr seltenen Blutgerinnseln im Gehirn, sogenannten Sinusvenentrombosen, nicht definitiv ausgeschlossen werden. Man sei jedoch auch der der Ansicht, dass die Vorteile des Vakzins die Risiken überwögen.

Für den Virologen Martin Stürmer war die Entscheidung zum Stopp richtig, auch wenn es nur sehr wenige Fälle der mutmaßlichen schweren bis tödlichen Nebenwirkungen waren, mussten diese überprüft werden. Es sei jedoch nicht zwingend, dass Astrazeneca damit als Impfstoff disqualifiziert ist:

Der Impfstoff ist nach wie vor ein guter Impfstoff mit einem - teilweise zu unrecht - schlechten Image.
Martin Stürmer, Virologe

Es müsse nun klar kommuniziert werden, wo die Gefahren liegen, dann könne Astrazeneca mit einer "Ergänzung des Beipackzettels" weiter verimpft werden. Etwa müssten junge Frauen, die die Pille nehmen, aufgeklärt werden, dass Sie eventuell ein größeres Risiko haben, am besten würden sie als gefährdete Gruppe aber direkt einen anderen Impfstoff bekommen.

Ein Fläschchen des russischen Vakzins Sputnik V liegt neben einer Impfspritze. Sputnik V schützt laut Studie zu mehr als 90 Prozent vor Covid-19.

Söder über russischen Impfstoff - Sputnik V "effizient und zügig" zulassen 

Bayerns Ministerpräsident Söder und Berlines Regierender Bürgermeister Müller wollen eine schnelle Zulassung des russischen Sputnik V. Zum Teil sei er besser als andere Impfstoffe.

Wie läuft es mit der Kommunikation?

Kommunikation ist allgemein ein großes Thema für die Impfkampagne: Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, fühlte sich und seinen Berufsstand von dem Impfstopp arg überrumpelt. Gegenüber ZDFheute schilderte er, dass es vielen seiner Kollegen sehr unangenehm war, dass Sie am Vormittag der Entscheidung noch Menschen beraten haben, sich impfen zu lassen, um am Mittag zu erfahren, dass es eventuell bisher unbekannte Komplikationen geben kann. Dadurch sei Vertrauen verloren gegangen.

Seiner Ansicht nach wäre es aber auch hier an den Hausärzten, dieses Vertrauen zurück zu gewinnen, da Sie ihre Patienten meist länger und besser kennen als die Mitarbeiter in Impfzentren oder im Call-Center.

Mit dem Stopp für Astrazeneca könnten viele Menschen nun das Vertrauen in die Impfstrategie verlieren. Ulrich Weigeldt, Vorsitzender vom Deutschen Hausärzteverband, fordert, Anreize zu schaffen fürs Impfen.

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Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

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