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Corona-Impfstrategie - Astrazeneca für alle?

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Die Corona-Impfungen in Deutschland laufen schleppend - besonders Astrazeneca stößt bei vielen auf Skepsis. Schon wird über die nächste Änderung der Impfstrategie diskutiert.

Corona-Impfstoff von Astrazeneca. Archivbild
Der Impfstoff von Astrazeneca stößt in Deutschland auf Skepsis - und die Stimmen werden lauter, die Impfstrategie weiter zu ändern.
Quelle: Andreas Arnold/dpa

Gerade erst wurde die Impfverordnung in Deutschland geändert. Lehrer sind beispielsweise hochgerückt und können nun mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft werden. Nun wird schon über die nächsten Anpassungen diskutiert. Die Zweifel am Astrazeneca-Vakzin seien gleichwohl unbegründet, betonte zuletzt auch der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler.

Schuld an dem schlechten Image seien unter anderem Kommunikationsspannen - und die Tatsache, dass er nur für unter 65-Jährige zugelassen ist. Diese Zulassung zu weiten, wird aktuell unter anderem diskutiert.

Option 1: Astrazeneca-Impfstoff auch für Über-65-Jährige nutzen

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat angekündigt, ihre Empfehlung zum Impfstoff zu überdenken. Es werde "sehr bald zu einer neuen, aktualisierten Empfehlung kommen", sagte der Chef der Kommission, Thomas Mertens, im heute journal.

Die Stiko hatte - anders als die EU-Arzneimittelbehörde EMA - den Impfstoff vorerst nur für Menschen zwischen 18 und 64 Jahren empfohlen, weil Daten zur Wirkung bei Älteren fehlten.

Der Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko) kündigt eine neue Empfehlung zum Astrazeneca-Impfstoff an - er sei für Ältere "gut geeignet".

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"Das Ganze ist irgendwie schlecht gelaufen", so Mertens. "Wir hatten die Daten, die wir hatten, und haben auf der Basis dieser Daten die Empfehlung gegeben. Aber wir haben nie den Impfstoff kritisiert."

Wir haben nur kritisiert, dass die Datenlage für die Altersgruppe über 65 nicht gut oder nicht ausreichend war.
Thomas Mertens, Stiko

Ansonsten sei der Impfstoff "sehr gut" und er werde durch hinzukommende neue Daten noch besser in der Einschätzung, so Mertens.

Option 2: Zweite Corona-Impfdosis später verabreichen

Eine weitere Option, um die Impfkampagne zu beschleunigen: Zunächst mehr Menschen nur einfach impfen und die zweite Dosis deutlich später injizieren. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte bereits, den Astrazeneca-Impfstoff für Impfberechtigte unter 65 Jahren aus den ersten drei vorrangig zu impfenden Gruppen freizugeben.

Das Vorziehen der ersten Dosis könne in der dritten Welle 8.000 bis 14.000 Menschenleben retten, so Lauterbach. "Für uns peinlich: UK hat beim Einkauf und Impfen bessere Strategie", schreibt Lauterbach auf Twitter.

Teil der britischen Impfstrategie ist nämlich auch das Verzögern der zweiten Dosis. Es sollen so viele Menschen wie möglich eine erste Impfung erhalten. Eine Studie zeigte zuletzt, dass die Schutzwirkung von Astrazeneca nach der ersten Dosis sogar höher sei als beim Vakzin von Biontech/Pfizer.

Viele Menschen in Deutschland und der EU lehnen den Impfstoff des britischen Herstellers Astrazeneca ab. Nach einer schottischen Studie soll die Wirksamkeit jedoch besser sein.

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Auch die Ansteckungsgefahr reduziere sich bereits nach der ersten Dosis. Zugleich schützen beide Impfstoffe demnach bereits nach einer Dosis sehr effektiv gegen schwere Krankheitsverläufe. "Diese Ergebnisse sind sehr ermutigend und geben uns guten Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken", erklärte der Studienleiter Aziz Sheikh.

Option 3: Astrazeneca an weitere Personengruppen verimpfen

Kann sich bald sogar jeder, der möchte mit dem Astrazeneca-Vakzin impfen lassen? Womöglich sogar beim Hausarzt? Auch dahingehend werden Überlegungen lauter.

"Sollte sich der Trend bei Astrazeneca fortsetzen, hat es keinen Sinn, dafür ständige neue Priorisierungen vorzunehmen. Sinnvoll wäre es dann, Astrazeneca gleich über die Ärzteschaft zu verimpfen. Denn wir sollten so rasch wie möglich alles verimpfen, was geht", sagte beispielsweise Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Für den Virologen Christian Drosten ist klar: "Prioritätsgruppen brauchen Priorität". Drosten hält auf Twitter allerdings auch fest: "Wir brauchen aber auch eine schnelle Versorgung der sofort Impfbereiten."

Diese schnelle Versorgung macht die Logistik allerdings noch herausfordernder. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, sagte voraus, in zwei Monaten werde Deutschland eine "Schwemme an Impfstoffen" haben, mit der die Impfzentren überfordert seien.

Darauf sei man nicht ausreichend vorbereitet. Man müsse sich schon jetzt Gedanken über Transportwege zu den Hausarztpraxen und die Impf-Infrastruktur machen, erklärte Montgomery im RTL/ntv-Interview. "Das alles muss jetzt geplant werden und ich sehe schon jetzt mit Grausen, wie wir dann wieder von einer Ad-Hoc-Lösung in die nächste Ad-Hoc stolpern, weil es keinen präzisen Plan gibt", warnte der Ärztefunktionär.

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