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Globale Impfgerechtigkeit - "Nicht die Zeit für Profitmaximierung"

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Ein internationales Bündnis fordert ein höheres Impftempo. Bei der Welthandelsorganisation wird nun über ein zeitweiliges Aussetzen des Patentschutzes für Impfstoffe diskutiert.

Südafrika, Klerksdorp: Medizinisches Personal wartet vor dem Hospital in Klerksdorp auf die Corona Impfung.
Von einer fairen Verteilung von Impfstoffen kann weltweit aktuell nicht die Rede sein.
Quelle: ap

Von den lebensrettenden Corona-Impfstoffen ist bislang kaum etwas in den ärmeren Ländern der Welt angekommen. Dabei sah die so genannte Covax-Impfinitiative der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor, dass arme und reiche Staaten gleichzeitig mit den Impfungen beginnen sollten.

Steinmeier: Impfstoff-Solidarität "in unserem ureigensten Interesse"

Nach deutlicher Kritik von Spitzenvertretern der Vereinten Nationen, die vor gravierenden Folgen eines "Impfstoff-Nationalismus" warnen, hat nun auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) zur Solidarität aufgerufen.

Ein "fairer, weltweiter Zugang zu Impfstoffen" und Medikamenten sei nicht nur eine Frage der Menschlichkeit, sondern liege auch "in unserem ureigensten Interesse", sagte Steinmeier am Montag.

Impfstoff-Egoismus kann sich in der Pandemie rächen

Schließlich warnen Mediziner, dass sich Egoismus in der Pandemie rächen könne: Wenn nicht überall auf der Welt das Impftempo deutlich zunehme, drohten neue, gefährlichere Virusmutationen, gegen die bisher entwickelte Impfstoffe weniger wirksam sein könnten.

Während der Bundespräsident erste Fortschritte beim Verteilen der Impfstoffe lobt und darauf hinweist, dass Covax in dieser Woche damit beginnen wolle, 330 Millionen Impfdosen an 145 Länder zu liefern, kritisieren zahlreiche Staaten dies als Tropfen auf den heißen Stein und drängen auf umfangreichere Maßnahmen.

Bisher wurden 95 Prozent aller Corona-Impfungen in nur zehn Ländern verabreicht. Viele ärmere Länder können sich die Dosen nicht leisten und hoffen auf Unterstützung.

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Debatte um Aussetzen von Impfstoff-Patentschutz

Bei der Welthandelsorganisation (WTO) diskutieren sie am heutigen Dienstag erneut über einen Vorschlag Indiens und Südafrikas im Namen von 100 Staaten, den Patentschutz im Handel mit Impfstoffen und Medikamenten gegen Covid-19 temporär auszusetzen.

In der Folge könnten mehr Pharmaunternehmen Impfstoffe herstellen, der weltweite Mangel würde verringert, die Preise würden sinken, so die Argumentation. Die Europäische Union und andere wohlhabende WTO-Mitglieder lehnen die Idee bislang allerdings ab.

Auch Bundespräsident Steinmeier äußert sich in dem Punkt zurückhaltend und setzt auf "Freiwilligkeit".

Arme Staaten hoffen auf neue WTO-Chefin

Ärmere Staaten und ein Bündnis aus international tätigen Hilfsorganisationen hoffen dagegen auf mehr Druck der internationalen Politik - und auf den Einfluss der neuen WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala, die bis zum vorigen Jahr eine Spitzenposition in der globalen Impfstoffallianz Gavi innehatte. Vor einer Woche sagte die Nigerianerin:

Es muss einen gleichen Zugang zu Medizin geben und die WTO könnte Teil der Lösung sein.
WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala

Mareike Haase, Referentin für internationale Gesundheitspolitik bei der Hilfsorganisation Brot für die Welt, zeigt sich im Gespräch mit ZDFheute "vorsichtig optimistisch", dass "solidarisches Handeln in den Vordergrund rückt".

Allen muss jetzt klar sein: Es ist nicht die Zeit für Profitmaximierung, sondern es geht darum, Menschenleben zu retten. Deshalb müssen die Impfstoff-Patente ausgesetzt werden.
Mareike Haase, "Brot für die Welt"

Die "Verzögerungskräfte" in Politik und Wirtschaft vor allem der Industriestaaten seien allerdings stark, berichtet Haase.

Brot für die Welt: Konzerne sollen "fairen Anteil" erhalten

Dabei gehe es nicht darum, Impfstoff-Hersteller zu enteignen. Die Unternehmen sollten über Lizenzgebühren ihren "fairen Anteil" erhalten. "In einer solchen globalen Ausnahmesituation müssen wir aber neu denken, da müssen alle an einem Strang ziehen", sagt Haase.

Ähnlich sieht es der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Oberstes Ziel sei jetzt, weltweit schneller mehr Impfstoff bereitzustellen. Er regt deshalb Kooperationen von Pharmakonzernen mit Blick auf Produktionsstätten und die Vergabe von Lizenzen an.

Daten aus Israel zeigen, dass der Wirkstoff von Biontech/Pfizer sehr erfolgreich Erkrankungen und vielleicht auch die Übertragung des Virus auf andere verhindert.

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Hinsichtlich künftiger globaler Gesundheitsgefahren fordern inzwischen circa 40 WHO-Mitgliedsstaaten sowie mehr als 200 Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen nachhaltige Initiativen für einen internationalen Wissenstransfer bei Impfstoffen, die als "globales öffentliches Gut" betrachtet werden sollten.

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