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"Echte Aufklärung" gefordert - Wie sich die Impfbereitschaft steigern ließe

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Während immer mehr Menschen geimpft werden können, denken Experten bereits einen Schritt weiter. Sie fordern Konzepte, um auch die zu überzeugen, die die Impfung skeptisch sehen.

Illustration: Ein Arzt bereitet Spritze mit COVID-19-Impfung für eine Patientin vor, aufgenommen am 16.02.2021
Expert*innen wissen: Je höher das Vertrauen, desto eher lassen sich Menschen impfen.
Quelle: imago

Der Großteil der Deutschen will sich impfen lassen. Das belegen aktuelle Zahlen der Online-Befragung Covid-19 Snapshot Monitoring (COSMO). So sind rund zwei Drittel der Befragten bereit, sich impfen zu lassen, 16 Prozent antworteten "auf keinen Fall".

Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede bei den verschiedenen Impfstoff-Typen: Mit dem Impfstoff Vaxzevria von Astrazeneca wollen sich demnach weniger Menschen bereitwillig impfen lassen als mit mRNA-Impfstoffen, das ergab sich aus dem "Covid-19 Impfquoten-Monitoring" des Robert-Koch-Instituts.

Impfen muss einfach sein

In beiden Erhebungen ist das Vertrauen in die Sicherheit der Impfung der Faktor, der die Impfbereitschaft am stärksten positiv beeinflusst: Je höher das Vertrauen, desto eher lassen sich Menschen impfen.

Um das Impftempo noch weiter zu steigern, fordern Expert*innen nun Anpassungen in der Impfstoffstrategie. "Sehr relevant wird vermutlich das Impfen am Arbeitsplatz und in den Universitäten - und perspektivisch möglicherweise auch Schulen", meint Prof. Cornelia Betsch, Initiatorin von COSMO. So könnten ihrer Meinung nach große Gruppen mit vielen Kontakten erreicht werden und der Aufwand, an eine Impfung zu kommen, werde reduziert.

Es sollte alles darangesetzt werden, dass Impfen so einfach wie möglich ist.
Prof. Dr. Cornelia Betsch

Die COSMO-Studie hat sich zudem damit beschäftigt, wie die Impfbereitschaft erhöht werden könnte. Eine höhere Bereitschaft zeigten demnach Menschen, die davon ausgehen, dass durch die Impfung auch die Übertragung des Virus verhindert wird. Positiv könnte sich auch die Wahlfreiheit bei Impfstoffen auswirken. Zudem spiele für jüngere Personen die Aussicht auf mehr Freiheiten und Kontakte eine Rolle.

Hausärzt*innen brauchen Unterstützung

Und auch die Einstellung der Hausärzt*innen zur Impfung spiele eine große Rolle. Wenn dort Unsicherheit oder Ablehnung wahrgenommen werde, sinke die Impfbereitschaft deutlich. Finanzielle Anreize würden dagegen erst bei sehr hohen Zahlungen einen Unterschied machen. Grundlegend seien hinreichende Informationen über die Impfung und mögliche Nebenwirkungen.

Ohne Aufklärung fehlt die Grundlage, warum eine Impfung vertrauenswürdig ist.
Dr. Felix Rebitschek, Universität Potsdam

Besonders müssten hierbei Hausärzt*innen unterstützt werden, da sie den Großteil der zukünftigen Aufklärung leisten. Die Werbung der Impfkampagnen müsse zudem angepasst werden, fordert Rebitschek, weg von Zielgruppen, die sich bereits impfen lassen wollen, hin zu einer "echten Aufklärung" für jene, die noch nicht entschieden sind, weil ihnen verständliche Informationen fehlen.

Die sogenannte Herdenimmunität zu erreichen, ist nach Meinung der Expert*innen eher unwahrscheinlich. "Herdenimmunität im Sinne vom kompletten lokalen Ausrotten des Virus ist bei Covid-19 in Europa derzeit schwer erreichbar. Herdenimmunität im Sinne einer niedrigen Inzidenz und einer gezielten, lokalen Eindämmung wird mit dem Impffortschritt immer einfacher erreichbar", meint Dr. Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut in Göttingen.

Grund dafür sei unter anderem, dass aktuell nur für Erwachsene eine Impfempfehlung besteht.

Impfpflicht nicht förderlich

Der Blick ins Ausland zeigt, in anderen Ländern, die mit der Corona-Impfung schon weiter vorangeschritten sind, wird mangelnde Impfbereitschaft zunehmend diskutiert. "Das Vorreiterland Israel stagniert auf einem Impfniveau von etwa 62 Prozent", sagt Dr. Katrin Schmelz, Wissenschaftlerin der Universität Konstanz.

Manche Regionen wie beispielsweise Galicien in Spanien haben nun die Corona-Impfpflicht für Erwachsene eingeführt. Daten der Universität Konstanz zeigen, dass sich etwa zwei Drittel der Befragten in Deutschland freiwillig bereit erklärten, sich impfen zu lassen. Dagegen liege das Einverständnis sich impfen zu lassen im Falle einer Impfpflicht deutlich darunter.

"Etwa ein Drittel der Befragten zeigt einen Widerstand gegenüber einer möglichen Impfplicht - für diese Menschen würde eine Verpflichtung die Eigenmotivation, sich impfen zu lassen, untergraben", sagt Schmelz.

Der Autorin auf Twitter folgen @Alica_Jung

Ein Baumdiagramm stellt dar, wie Herdenimmunität funktioniert: Eine mit dem Coronavirus infizierte Person hat Kontakt mit drei Personen, steckt aber nur eine an, weil die anderen beiden durch eine Impfung geschützt sind. Alle weiteren Kontakte der geimpften Personen sind nun vor einer Ansteckung geschützt - egal ob sie selbst geimpft sind oder nicht.

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