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Nur ein Stempel im Impfausweis : Wie Genesene benachteiligt werden

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Genesene gelten nach nur einer Impfdosis als vollständig geimpft. Doch das verkompliziert erhoffte Freiheiten - und ausgerechnet der Gesundheitsminister ist selbst betroffen.

Eine Spritze liegt neben einem Impfpass. Symbolbild
Genesene müssen nur einmal gegen Corona geimpft werden - was nachteilig sein kann.
Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-tmn/Archivbild

Mehr als 1,8 Millionen Deutsche haben eine Corona-Infektion durchgemacht, die inzwischen mehr als sechs Monate zurückliegt. Und es werden immer mehr, weil die Zahl der Infizierten gerade im vergangenen Winter in die Höhe schnellte. Sie alle haben ein potenzielles Problem: Wenn sie sich gemäß den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) ein halbes Jahr nach der Infektion impfen lassen möchten, bekommen sie in der Regel statt zwei nur eine Dosis - und gelten damit bereits als vollständig geimpft.

Doch wer nur eine Corona-Schutzimpfung nachweisen kann, kommt immer wieder in Erklärungsnot: Im Restaurant, an der Hotel-Rezeption, im Fitness-Studio beäugen Mitarbeiter skeptisch den Impfpass mit nur einem einzigen Aufkleber. Dort, wo vollständig Geimpfte gewisse Freiheiten genießen, weil sie keinen negativen Test mehr für den Einlass brauchen, müssen Genesene mit nur einer Impfdosis immer wieder nervige Diskussionen führen.

Manche Ärzte empfehlen Genesenen zweite Impfung

Eine Betroffene berichtet ZDFheute: Sie hatte eine Covid-Erkrankung im März 2020 und wurde nur einmal geimpft. "Ich hab' versucht, im Hotel einzuchecken. Nach längerem Hin und Her und verzweifeltem Nachdenken war die Dame an der Rezeption erschöpft und meinte: 'Ach, ich schreibe einfach, dass Sie geimpft sind, das ist ja viel zu kompliziert.' - Da hab ich noch mal Glück gehabt."

Manche Ärzte empfehlen nach ZDF-Informationen in solchen Fällen sogar schon eine zweite Impfung - nur, damit der zweite Aufkleber im Impfpass prangt und so unnötige Diskussionen vermieden werden. Das ist nicht nur medizinisch fragwürdig, sondern auch eine Vergeudung des zurzeit sowieso schon knappen Impfstoffs.

Gesundheitsminister Spahn selbst betroffen

Tatsächlich gibt es keine einheitliche Regelung, wie Genesene nach nur einer Impfung nachweisen können, dass sie vollständig geimpft sind. Das Bundesgesundheitsministerium rät, den Nachweis über einen positiven PCR-Test zur Hand zu haben, zusätzlich zum Impfpass.

Ausgerechnet Gesundheitsminister Jens Spahn ist selbst betroffen von dieser Zettelwirtschaft: Als Covid-Genesener hat er nur einen Aufkleber im Impfpass. Er habe deshalb bei Bedarf immer beides dabei: den gelben Impfausweis und den PCR-Testnachweis, sagte er bei einer Pressekonferenz Mitte Mai in Berlin.

Tipp: Infektion im Impfpass vermerken lassen

Zudem gebe es auch die Möglichkeit für Ärzte, durchgemachte Infektionen im Impfpass zu bestätigen, so Spahn. Das ist derzeit vermutlich der beste Tipp für Genesene, die sich impfen lassen - den Arzt zu bitten, die Infektion direkt bei der Impfung zu vermerken, wie in diesem Fall:

Impfausweis mit Covid-19 Positiv Vermerk
So ist es am einfachsten: die durchgemachte Corona-Infektion direkt im Impfausweis vermerken lassen.
Quelle: ZDF

Doch was, wenn man keine Bestätigung über die durchgemachte Corona-Infektion hat? Auf Nachfrage von ZDFheute heißt es vom Gesundheitsministerium: "Wer das PCR-Testergebnis nicht mehr hat, kann es erneut bei der durchführenden Stelle anfordern."

Antikörper-Test gilt nicht als Nachweis für Genesene

Und was, wenn gar kein PCR-Test durchgeführt wurde? Dann gelten "dieselben Empfehlungen wie bei Personen, die nie an Covid-19 erkrankt waren", so das Ministerium. Auch ein Antikörper-Nachweis werde "nicht als ausreichender Nachweis für eine überstandene Covid-19-Erkrankung erachtet".

Zur Begründung heißt es, die nachgewiesenen Antikörper seien nicht immer wirksam und könnten auch durch andere Coronaviren verursacht worden sein. Zudem lasse der Antikörper-Nachweis keinen Rückschluss auf den Zeitpunkt der Infektion zu.

Digitaler Impfpass dauert länger als geplant

Ein Problem für Genesene mit nur einer dokumentierten Impfung könnten auch Reisen ins außereuropäische Ausland werden, zumindest im Moment noch: "Da gibt's tatsächlich auf der ganzen Welt noch keine einheitliche Regelung", so Spahn. Innerhalb der EU werde zwar eine einzige Impfdosis nach Genesung als vollständige Impfung akzeptiert, heißt es vom Gesundheitsministerium gegenüber ZDFheute. Aber für eine Anerkennung außerhalb der EU liefen derzeit noch Gespräche.

Eigentlich sollte der EU-weit geltende digitale Impfpass Abhilfe schaffen, rechtzeitig zur Urlaubssaison. Doch das kann noch dauern. Denn selbst, wenn der Ausweis weltweit anerkannt wäre: Die digitalen Nachweise in Form von QR-Codes müssen ja erst mal erstellt werden, von Impfzentren, in Arztpraxen und Apotheken - und das auch nachträglich für die bisher über 17 Millionen vollständig Geimpften. Doch gerade die Arztpraxen sind derzeit hoffnungslos überlastet.

Viele Geimpfte werden also noch eine Weile auf ihren digitalen Impfpass warten müssen. Und viele Genesene werden so lange auch noch manche Diskussion an der Hotelrezeption führen.

Dem Autor bei Twitter folgen: @OliverKlein

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