Die Stiko empfiehlt eine vierte Impfung für Menschen ab 60. Einige Jüngere wollen trotzdem die Auffrischung. Warum sie das tun und welche Regeln das mit sich bringt.
Anna hat sich ein viertes Mal gegen Corona impfen lassen - obwohl sie nicht zu den Gruppen zählt, für die die Ständige Impfkommission (Stiko) die Auffrischung empfiehlt.
Anna ist 29 Jahre alt und hat keine bekannten Vorerkrankungen, sie arbeitet auch nicht im medizinischen Bereich. Mit Corona infiziert hat sie sich bislang noch nicht - zumindest nicht bewusst. ZDFheute sagt sie:
Derzeit empfiehlt die Stiko die vierte Impfung für:
- Menschen ab 60 Jahren
- Personal in medizinischen Einrichtungen
- Menschen mit erhöhtem Risiko für schwere Covid-Verläufe aufgrund einer Vorerkrankung
Auf ZDFheute-Nachfrage verweist Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf die offizielle Stiko-Empfehlung. Im Sommer noch hatte er angedeutet: Wer einen "ruhigeren Sommer" haben wolle, solle eine Viert-Impfung in Betracht ziehen. Das hatte für Diskussionen gesorgt, weil es über die Stiko-Empfehlung hinausging.
Wer haftet bei Impfung ohne Stiko-Empfehlung?
Anna war in einem Impfzentrum und hatte dort keine Probleme, die vierte Impfung mit einem an Omikron angepassten Vakzin zu bekommen. Sie musste lediglich einen Aufklärungsbogen unterschreiben, dass dies entgegen der Stiko-Empfehlung geschieht.
Sollte bei Anna der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass sie einen Impfschaden erleidet, würde auch weiterhin die Staatshaftung greifen, so Minister Lauterbach gegenüber ZDFheute:
Geregelt ist das im Infektionsschutzgesetz. Ausgenommen sind Fälle, bei denen der Schaden auf den Arzt oder die Ärztin bei der Impfung zurückzuführen ist - wenn etwa die Nadel falsch eingestochen wurde.
Nur wenige Jüngere sind vier Mal geimpft
Doch nicht immer ist es so einfach wie bei Anna. Meine Kollegin Kathrin Wolff hat kürzlich im ZDFheute Update ihre Probleme geschildert, die vierte Impfung ohne Stiko-Empfehlung zu bekommen.
Die beiden Frauen sind aber ohnehin eine Minderheit in Deutschland. Laut Daten des Robert-Koch-Instituts haben sich nur 2,3 Prozent der 18- bis 59-Jährigen bislang die vierte Impfung geholt. Allerdings infizieren sich in der Herbstwelle auch wieder viele Menschen. Eine Corona-Impfung wird generell erst sechs Monate nach einer Infektion oder Impfung empfohlen.
- Kann man auch zu oft geimpft werden?
Angesichts hoher Corona-Zahlen fragen sich auch jüngere Menschen, ob sie eine zweite, an Omikron angepasste Boosterimpfung brauchen. Kann es zu einer "Überimmunisierung" kommen?