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Zu wenig Impfstoff - Wenn der Impftermin Glückssache ist

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Die USA, Großbritannien und Israel preschen vor - doch in Deutschland laufen Corona-Impfungen nur schleppend an. Und in anderen EU-Ländern sieht es häufig noch düsterer aus.

Impfstart Corona
Seit dem Start der Kampagne gehen die Impfungen in Deutschland nur schleppend voran.

Die 81-jährige Anna Schmidt* aus dem bayerischen Teisnach im Landkreis Regen hatte wohl Glück. Ihr Enkel vereinbarte für sie im Internet einen Impftermin in der Eishalle Regen, die zum Impfzentrum umfunktioniert wurde. Das war am zweiten Weihnachtsfeiertag. Vier Tage später war es so weit. "Das lief einwandfrei, nach einer Viertelstunde war alles vorbei", erzählt die Rentnerin.

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Hätte sie nicht viel Glück und ihren Enkel gehabt - Anna Schmidt wäre wohl kaum so schnell geimpft worden. Sie hat mit 81 Jahren keinen Internetzugang. Und einen Brief oder Anruf mit einer Einladung gab's bislang nicht: "Wir haben bisher nur über die Medien und im Internet informiert, aber noch niemanden schriftlich eingeladen - wir haben einfach noch zu wenig Impfstoff", erklärt Heiko Langer, der Pressesprecher des Landkreises.

Zu wenig Impfstoff, zu langsame Verteilung

Seit Ende 2020 der Startschuss für die Corona-Impfungen fiel, kommt die Kampagne in Deutschland nur schleppend voran. Es gibt zu wenig Impfstoff, die Verteilung läuft langsam, die Terminvergabe ist teilweise chaotisch. Bislang wurden 1,3 Millionen Dosen des Impfstoffes von Biontech und Pfizer an die Bundesländer geliefert.

Die Impfkampagne startet nicht nur in Alten- und Pflegeheimen, sondern auch in den Impfzentren. In fast allen Bundesländern muss man sich selbst um einen Termin dort kümmern.

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Davon sind im Landkreis Regen insgesamt rund 700 Impfdosen angekommen. "Für morgen war eine weitere Lieferung angekündigt, doch die wurde nun auf Samstag verschoben", so Langer. Die meisten Impfungen werden zunächst von mobilen Teams an Senioren in Altenheimen verabreicht. Das dauert länger als Massenimpfungen in einem Impfzentrum. Was im Landkreis Regen nicht von den mobilen Teams verimpft werden kann, geht ins Impfzentrum in der Eishalle - dort, wo Anna Schmidt ihre Impfung bekam.

Telefon-Hotlines brechen zusammen

Damit auch Über-80-Jährige, die nicht in Altenheimen leben, an ihre Impfung kommen, hatte der Landkreis Regen eine Hotline eingerichtet. "Wir hatten 25 Leitungen freigeschaltet, das ist alles zusammengebrochen aufgrund des großen Andrangs", berichtet Langer.

Ein ähnliches Bild auch in anderen Bundesländern: Claus Mertens ist 84 Jahre alt und lebt in Heidesheim in Rheinland-Pfalz. Auch er möchte sich impfen lassen, auch er wollte einen Termin vereinbaren. Montag ab acht Uhr sollten die Leitungen des Gesundheitsamts freigeschaltet sein: "Dann ging das große Warten los." Wenn der Anruf durchgestellt wurde, landete Mertens beim Callcenter. Nachdem er die Option "Terminvergabe" wählte, landete er meistens bei dem Besetzt-Zeichen.

Ich weiß nicht, wie meine Rechnung später bei der Telekom aussieht. Ich habe an die 200 Mal versucht, telefonisch durchzukommen.
Claus Mertens aus Heidesheim

Parallel dazu versuchte er eine Anmeldung über die Website impftermin.rlp, doch auch hier waren Geduld und gute Nerven gefragt.

Auch Webseiten für Impfanmeldung überlastet

Zunächst kam er gar nicht auf die Seite. Als Mertens schließlich den Fragebogen ausfüllen konnte, kamen immer wieder Fehlermeldungen. "Wenn man dann zum zwanzigsten Mal alles durchgeguckt hat und findet keinen Fehler, dann fühlt man sich schon so ein bisschen vergackeiert." Seine Befürchtung: Nicht die Angaben waren das Problem, sondern eine zu langsame oder fehlerhafte Verarbeitung der Daten. Nach vier Stunden war es dann soweit – Anmeldung erfolgreich. Den genauen Termin weiß Claus Mertens noch nicht. Der soll per E-Mail und per Post mitgeteilt werden.

Auch aus Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein, wo man über die Hotline 116 117 telefonisch Termine für die Impfzentren buchen kann, sind die Leitungen Berichten zufolge teilweise schwer erreichbar. In anderen Ländern wie Nordrhein-Westfalen können noch gar keine individuellen Impftermine vereinbart werden. 

Andere EU-Länder noch langsamer als Deutschland

Im internationalen Vergleich steht Deutschland damit nicht sonderlich gut da, aber immer noch besser als die meisten EU-Länder. Nach Zahlen der Oxford-Website ourworldindata.org liegt weltweit Israel bei der Zahl der verabreichten Impfungen mit großem Abstand vorne. Fast 13 Impfdosen pro 100 Einwohner wurden bereits verabreicht.

Auch Großbritannien (1,4 Impfdosen pro 100 Einwohner) und die Vereinigten Staaten (1,3 Impfdosen pro 100 Einwohner) sind deutlich weiter beim Impfen. Innerhalb der EU-Staaten liegt nur Dänemark knapp vor Deutschland. Hierzulande wurden erst rund 0,3 Impfdosen pro 100 Einwohner gespritzt.

Corona-Impfstoff wird noch einige Zeit Mangelware bleiben – bei uns in Deutschland voraussichtlich bis in den Sommer. Einige Länder haben bei den Impfstoff-Herstellern frühzeitig hohe Mengen bestellt – und können nun stärker impfen.

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Die meisten EU-Länder hinken noch mehr hinterher: In Frankreich wurden nach Medienberichten bis Sonntag erst wenige hundert Menschen geimpft, die Niederlande haben noch nicht mal mit den Impfungen angefangen. In Italien wurden zwar bislang rund 120.000 Menschen geimpft, doch gibt es große Unterschiede bei den Impf-Quoten zwischen den Regionen: Ausgerechnet in der reichen Lombardei im Norden des Landes, in der die Corona-Pandemie besonders stark zugeschlagen hat, wurde bisher besonders wenig geimpft. Laut einer Statistik des Gesundheitsministeriums waren dort bis Montagfrüh von über 80.000 verfügbaren Dosen nur gut 3.000 gespritzt worden - nicht einmal vier Prozent.

*Name von der Redaktion geändert

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