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EU-Impfstrategie - Nicht perfekt, aber Alternativen schlechter

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Warum läuft das Impfen in Deutschland und EU so langsam an? Hat die EU bei der Impfstoff-Bestellung versagt? Neun Fragen und Antworten zur Corona-Impfung.

Impfspritzen zum Impfstart in Hessen
Hätte es andere Ansätze in Sachen Impfstrategie gegeben? Ja. Aber sie hätten wohl nicht zu besseren Ergebnissen geführt.
Quelle: dpa

Beim Corona-Impfstart in der Europäischen Union ist nicht alles optimal gelaufen. Aber die Alternativen waren schlechter. Die neun drängendsten Fragen:

Was war das Prinzip hinter der Impfstoffbestellung?

Die EU verabredete zu Beginn der Verhandlungen mit möglichen Herstellern zwei Grundprinzipien. Erstens: Die 27 EU-Länder bestellen gemeinsam und nicht jeder für sich, um einen impfnationalistischen Wettlauf zu vermeiden. Das hat zum Erstaunen vieler funktioniert.

Zweitens: Die EU setzt auf mehrere Hersteller, um das Risiko zu streuen, ähnlich einem Aktienportfolio. Auch das gelang. So vermied man, auf einen einzigen Hersteller zu setzen, dessen Impfstoffentwicklung ohne Erfolg bleibt. 

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Hat die EU zu wenig Impfdosen bestellt?

Nein, eher zu viele. Von den über 40 Herstellern, die zu Beginn der Pandemie Impfkampagnen entwickelten, entschied sich die EU für die sechs aussichtsreichsten und sicherte sich zwei Milliarden Dosen für 450 Millionen EU-Bürger. Da bei den Verhandlungen und Zusagen für die Vorfinanzierung im Sommer 2020 offen war, welche Impfstoffe als erstes marktreif sind, hat die EU überbestellt.

Hätte die EU mehr bei Biontech bestellen können?

Ja. Da zum Vertragszeitpunkt offen war, ob Biontech/Pfizer schnell und erfolgreich ist, hat die EU 200 Millionen Impfdosen bestellt. Weniger als bei anderen Herstellern, da Biontech teuer (12 EUR/Dosis) und kompliziert (Kühlung bei minus 70 Grad notwendig) ist.

Hätte die EU nicht schnell bei Biontech nachbestellen können?

Hat sie. Als sich eine schnelle und erfolgreiche Zulassung abzeichnete, hat die EU 100 Millionen Dosen nachbestellt, auf die es bereits eine Option gab. Zurzeit verhandelt sie über eine weitere Nachbestellung mit Biontech/Pfizer.

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Hätte eine größere Bestellung zu schnelleren Impfungen geführt?

Nein. Der Flaschenhals ist nicht die niedrige Bestellmenge, sondern die niedrige Produktionskapazität der Hersteller. Biontech hat im Juni ein EU-Darlehen über 100 Millionen Euro zum Ausbau seiner Produktion erhalten. Dennoch konnte Biontech/Pfizer von den 25 Millionen Impfdosen, die für das vierte Quartal 2020 vereinbart waren, nur die Hälfte liefern, die andere Hälfte wird erst im zweiten Quartal 2021 verfügbar sein. Gründe sind Probleme im Produktionsprozess der beiden Pharma-Unternehmen.

Warum sind andere Länder weiter mit dem Impfen?

Zum einen, weil sie wegen beschleunigter Zulassungsverfahren früher angefangen haben. Die EU hat sich wegen Risiken für die Sicherheit des Impfstoffs und aufgrund von Haftungsfragen gegen die Notfallzulassungen entschieden. Dadurch hat es ein paar Wochen länger gedauert als in anderen Ländern, die die risikofreudigeren Wege gingen.

Zum anderen, weil Hersteller wie Pfizer/Biontech andere Länder schneller belieferten als die EU. Und drittens ist die Organisation von Impfungen ganzer Bevölkerungen in kleinen Ländern wie Israel (9 Millionen Einwohner) leichter als in der EU (450 Millionen Einwohner).

Was wären die Alternativen gewesen?

Dass sich jedes EU-Land sich selbst um Impfstoff kümmert. Die Folgen wären gewesen: ein Impfnationalismus à la "Deutschland first, Croatia second"; ein unwürdiger Kampf um Impfstoff, der den Zusammenhalt der EU infrage gestellt hätte; ein EU-Impf-Flickenteppich, der das Chaos an Grenzen, bei Reisen und Maßnahmen erhöht hätte; und vor allem: höhere Preise. 

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Was hätte besser laufen können?

Die EU hätte bei den Verträgen beherzter und risikofreudiger sein können. Das scheiterte an osteuropäischen Ländern, denen der Biontech-Impfstoff zu teuer war und auch an Frankreich, das vor allem auf das französische Unternehmen Sanofi setzte. Hier erwies sich die EU als schwerfällig und anderen Ländern gegenüber im Nachteil. 

Zum anderen hätten die EU-Kommission und die EU-Hauptstädte ihre Impfstrategie transparenter machen müssen. 

Wie geht's weiter?

Am 6. Januar wird mit Moderna voraussichtlich der zweite Impfstoff in der EU zugelassen, im Frühjahr folgen weitere. Das wird die Knappheit voraussichtlich beenden. Für den Kampf gegen die Pandemie wird entscheidend sein, wie viele EU-Bürger am Ende des Frühjahrs geimpft sind - weniger, wie viele es zu Beginn der Kampagne Anfang Januar sind.

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