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Vier Wochen nach Impf-Beginn - Wie der Senegal gegen das Coronavirus kämpft

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Als eines der ersten Länder in Subsahara-Afrika hat der Senegal mit Corona-Impfungen begonnen. Geimpft wird mit dem chinesischen Impfstoff Sinopharm - und auch mit Astrazeneca.

Senegal beginnt mit den Impfungen gegen Corona.
Der Senegal gehörte zu den ersten zehn Ländern Afrikas, die überhaupt einen Impfstoff bekamen.
Quelle: ZDF/Lucia Weiß

Hady Diop ist zufrieden. Der 42-jährige Senegalese hat die erste Corona-Impfung bekommen. Alles ging schnell, so erzählt der Mann im Karohemd. Diop war in einem Imfpzentrum in Fann-Hock, einem zentralen Stadteil der Hauptstadt Dakar, in dem er auch wohnt.

Geimpft wurde er mit Astrazeneca. Dass die Wirksamkeit des britisch-schwedischen Präparats niedriger eingestuft wird als die anderer Impfstoffe ist ihm egal. Auch die Diskussion um Nebenwirkungen von Astrazeneca hat im Senegal keinen großen Widerhall gefunden. "Ich hätte jeden Imfpstoff genommen", erklärt Diop, der in einem kleinen Restaurant arbeitet. Jeden Tag kommen Dutzende Menschen in dem Wellblech-Häuschen vorbei und kaufen lokale Gerichte wie Reis mit Hühnchen und Zwiebelsoße.

20 Millionen Impfdosen hat sich Südafrika gesichert. Das ist viel auf dem Kontinent.

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Sinopharm lieferte zuerst

Seit Ende Februar wird im Senegal geimpft. Das kleine Land an der  Atlantikküste gehörte zu den ersten zehn Ländern Afrikas, die überhaupt einen Impfstoff bekamen.

Los ging die Kampagne mit dem chinesischen Vakzin Sinopharm: 200.000 Dosen hatte der senegalesische Präisdent Macky Sall eingekauft, für umgerechnet rund 3,7 Millionen US-Dollar. Ob mit dem Impfdeal noch weitere wirtschaftliche Absprachen oder Aufträge an China einhergingen, ist nicht bekannt.

Senegal beginnt mit den Impfungen gegen Corona.
Eine Krankenschwester in Dakar hält eine grüne Impfkarte hoch: Seit Ende Februar wird im Senegal geimpft.
Quelle: ZDF/Lucia Weiß

Über 300.000 Dosen Astrazeneca

"Das größte Problem ist, dass wir nicht genug Impfstoff haben. Und der chinesische war eben zuerst verfügbar", sagt der Leiter der Corona-Impfkampagne im Senegal, Ousseynou Badiane in seinem Büro am Universitätsklinikum in Dakar. Er gibt damit die Haltung von Präsident Macky Sall wieder, der in einem Interview mit dem französischen Fernsehen darauf hinwies, man habe eben nicht auf Covax warten können.

Über das internationale Impfverteilungsprogramm Covax hat der Senegal Anfang März eine erste Lieferung von 324.000 Dosen Astrazeneca-Impfstoff bekommen. Insgesamt sollen 1,3 Millionen Dosen in den kommenden Monaten eintreffen. Darüber hinaus soll es Impfstoff über die Afrikanische Union geben und der Senegal über den Kauf etwa von Russland und Indien.

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Vorteil guter Infrastruktur

"Der Senegal hat große Erfahrung, vor allem wegen der Impfung gegen Kinderkrankheiten", erklärt Doktor Badiane. Man könne auf die vorhandene Infrastruktur zurückgreifen - zumindest für die Impfstoffe, die bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden. Der Mediziner zeigt das zentrale Kühllager in der Uniklink. Mehrere jeweils vierzig Quadratmeter große Kühlkammern beherbergen die Impfstoffe, die WHO hat bei der Nachrüstung geholfen.

In Kühlboxen werden die Corona-Impfstoffe in die Depost der rund 200 Impf-Zentren in Dakar geliefert sowie in die Regionen des Senegals. "Dort sind dann auch mobile Impf-Teams unterwegs und kommen direkt zu den Menschen", sagt Badiane. Oft seien Straßen schlecht ausgebaut und es sei schwierig für die Menschen, irgendwo hin zu fahren - und auch rechtzeitig für eine geplante Impfung anzukommen.

1.000 Corona-Tote

Insgesamt sind es in dem 16-Millionen-Einwohner-Land nun rund 39.000 positive Tests. Rund 1.000 Menschen sind gestorben im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Das Durchschnittsalter im Senegal liegt bei 19 Jahren. Nach landesweiten politischen Protesten Anfang März ist der Gesundheits-Notstand inzwischen aufgehoben und das Leben verläuft weitgehend wie vor Corona - abgesehen von Masken- und Desinfektionspflicht etwa im Nahverkehr und in Supermärkten.

Inzwischen können sich online alle über ein Portal für einen Impftermin registrieren - aber auch wer einfach vorbeikommt und nachweisen kann, dass er gefährdet ist, der bekommt eine Spritze.

Etwa 334.000 Senegalesinnen und Senegalesen wurden laut Gesundheitsministerium bis Anfang April geimpft. Sie alle bekommen eine grüne Impfkarte, auf der in Französisch steht: Bitte sorgfältig aufbewahren. Auf der Karte ist auch der Termin für die zweite Impfung vermerkt. Für Hady Diop aus Fann ist es am 1. Juli soweit - 12 Wochen nach der ersten Dosis. 

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