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Corona zerstört Inklusionserfolg - Krise trifft behinderte Arbeitnehmer hart

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Die Corona-Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sind für Menschen mit Behinderung gravierend und machen jahrelange Bemühungen zunichte. Das zeigt das aktuelle Inklusionsbarometer.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lebenshilfe in Magdeburg, aufgenommen am 15.11.2010
Behinderte am Arbeitsplatz in Magdeburg
Quelle: dpa

Bundesweit sind 13 Prozent mehr Menschen mit Schwerbehinderung ohne Arbeit als im Oktober des vergangenen Jahres noch vor der Corona-Krise. Ein herber Rückschlag für die Bemühungen, Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren. Derzeit sind 173.709 Menschen mit Behinderung ohne Arbeit, der höchste Wert seit 2016.

Corona macht Erfolge von vier Jahren zunichte

Das geht aus dem aktuellen Inklusionsbarometer der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institutes hervor, das seit 2013 jährlich erstellt wird, um Fort- oder Rückschritte bei der Inklusion in der Arbeitswelt zu messen und langfristig zu beobachten.

"Die rasant negative Entwicklung in diesem Jahr macht in kürzester Zeit die Erfolge der letzten vier Jahre zunichte"
Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Institutes

Den höchsten Anstieg an arbeitslosen Menschen mit Behinderung verzeichnen Bayern, Hamburg, Baden-Württemberg und Hessen.

Langzeitarbeitslosigkeit großes Problem

Eine Entwicklung, die auch die Aktion Mensch mit großer Sorge betrachtet. Christina Marx, Sprecherin der Aktion Mensch, befürchtet langfristige Folgen für die Inklusion von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen mit Behinderung:

"Die Langzeitarbeitslosigkeit ist bei Menschen mit Beeinträchtigungen ein besonders gravierendes Problem. Sie finden sehr viel schwerer in den Arbeitsmarkt zurück als Menschen ohne Behinderung - im Schnitt sind sie 100 Tage länger arbeitslos. Daher ist zu erwarten, dass sich die Arbeitsmarktsituation für Menschen mit Behinderung nach der Pandemie langsamer erholen wird."

Die rund 650 gemeinnützigen Inklusionsbetriebe, so Christina Marx weiter, werden besonders hart von den Corona-Maßnahmen getroffen, denn viele Betriebe sind im Hotel, Gastronomie- und Gemeinschaftsverpflegungsgewerbe angesiedelt.

"Zudem dürfen sie aufgrund ihrer Rechtsform keine nennenswerten Rücklagen bilden, was sie verwundbar macht", so Marx. "Ihre Situation ist für die Inklusion auf dem ersten Arbeitsmarkt vor allem deshalb dramatisch, da Menschen mit Behinderung mindestens 40 Prozent ihrer Belegschaft ausmachen."

Die Herausgeber des Inklusionsbarometers Arbeit rechnen damit, dass es auch nach dem Ende der Corona-Pandemie noch eine geraume Zeit dauern wird, bis sich der Arbeitsmarkt von den Folgen der Krise erholt. "Wenn im Laufe des Jahres 2021 ein wirksamer Corona-Impfstoff flächendeckend verfügbar sein sollte, dürfte sich die Wirtschaft erholen und am Ende des Jahres 2022 wieder das 'Vor-Corona-Niveau' erreichen – und mit einer zeitlichen Verzögerung auch auf den Arbeitsmarkt durchwirken", schätzt Rürup die wirtschaftliche Entwicklung ein.

Nicht nur alte Menschen, auch Menschen mit Behinderung gehören zur Risikogruppe. Sie werden in der Debatte jedoch häufig vergessen.

Beitragslänge:
3 min
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Homeoffice: Profitieren von Barrierefreiheit

Langfristig positiv auf die Arbeitsmarktchancen von Menschen mit Behinderungen könnte sich die beschleunigte Digitalisierung in der Arbeitswelt auswirken, die durch die Corona-Pandemie ausgelöst wurde. Neue Beschäftigungsmöglichkeiten wie Homeoffice-Regelungen verbesserten beispielsweise die Beschäftigungsmöglichkeiten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit körperlichen Beeinträchtigungen, die dann von der Barrierefreiheit im eigenen Zuhause profitieren würden.

Die neuen technologischen Innovationen sollten allerdings direkt so entwickelt werden, dass sie die Inklusion von Menschen mit Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt unterstützen, fordert Christina Marx von der Aktion Mensch.

Wir stellen fest, dass Barrierefreiheit am Arbeitsplatz - auch digitale Barrierefreiheit - vielfach noch nicht mitgedacht wird.
Christina Marx, Aktion Mensch

Marx weiter: "Damit aber auch Menschen mit Behinderung von dem Digitalisierungsschub profitieren können, den wir derzeit durch die Corona-Pandemie erleben, muss sich hier zwingend etwas ändern. Sonst resultieren die an sich großen Potenziale, die die Digitalisierung für die Inklusion birgt, in einer noch größeren Ausgrenzung."

Eine Mitarbeiterin näht in einer sozialen Arbeitsstätte. Archiv

Nachrichten | Politik -
Inklusionsbarometer Arbeit 2020
 

Das Inklusionsbaromter Arbeit ist ein Instrument zur Messung von Fortschritten bei der Inklusion von Menschen mit Behinderung auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

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