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Corona-Inzidenz steigt - Diskussion über weiteren Pandemie-Kurs

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Europaweit steigen die Fallzahlen, auch die in Deutschland niedrige Inzidenz wächst wieder. Befürworter von Lockerungen stellen ihre Aussagekraft infrage.

Die Höhe dieser Werte entscheidet über unseren Pandemie-Alltag: Seit Ende April geht es mit der 7-Tage-Inzidenz steil bergab. Seit Dienstag dieser Woche wieder leicht bergauf. Doch ist die Inzidenz noch der wichtigste Faktor zur Beurteilung der Lage?

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Die Entwicklung bei den Corona-Zahlen zeigt nach langem Sinkflug auch in Deutschland wieder nach oben. Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz stieg am Samstag den vierten Tag in Folge an, bewegt sich aber weiterhin auf niedrigem Niveau. In anderen europäischen Ländern gibt es bereits einen deutlicheren Anstieg wegen der Delta-Variante. [Wie unterscheidet sich Delta von den anderen Mutationen, warum steigt sie viel rasanter als Alfa und ist trotzdem eventuell nicht so gefährlich? Eine Erklärstory]

Sieben-Tage-Inzidenz steigt - Impfungen nehmen ab

In der Politik wird darüber diskutiert, wie groß die Aussagekraft der Ansteckungszahlen angesichts der Impfungen noch ist. Wirtschaftsverbände sprechen sich gegen erneute harte Maßnahmen aus. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der Neuinfektionen pro 100. 000 Einwohner binnen sieben Tagen am Samstag mit 5,8 an. Am Freitag lag die Inzidenz bei 5,5. Vor einer Woche bei 4,9. Binnen eines Tages wurden 952 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Vor einer Woche hatte der Wert bei 671 Ansteckungen gelegen. Deutschlandweit wurden zudem innerhalb eines Tages 35 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 16 Tote gewesen.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht sprach sich dagegen aus, alle Corona-Beschränkungen schnell aufzuheben. "Bevor wir alle Maßnahmen aufheben können, müssen wir noch deutlich weiter in Richtung Herdenimmunität kommen", sagte die SPD-Politikerin der "Augsburger Allgemeinen". "Die Pandemie ist noch nicht überstanden." Gleichwohl müssten alle verbliebenen Maßnahmen laufend darauf überprüft werden, ob sie noch verhältnismäßig sind.

Debatte um Impfkampagne, Inzidenzen und Grundrechte

In einer Stellungnahme teilten die stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Bärbel Bas und Dirk Wiese, am Samstag mit, mit zunehmenden Impfungen trete die Bekämpfung der Pandemie in eine neue Phase. "Die Inzidenz wird nach der erfolgreichen Impfkampagne keine hinreichende Kennziffer zur Bewertung der Lage oder gar als Grundlage für Einschränkungen der Grundrechte mehr sein."

Die 7-Tage-Inzidenz ist zwar wieder leicht angestiegen, liegt aktuell aber bei einem niedrigen Niveau von 5,8. Aber was sagt die Inzidenz angesichts der hohen Impfquote noch aus?

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Auch der Schulbetrieb könne nicht von Inzidenzen abhängig gemacht werden. Bas und Wiese forderten bis Ende August einen Plan von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für die Zeit nach dem Sommer. Der stellvertretende FDP-Fraktionschef Michael Theurer kritisierte die Regierung für ihr Corona-Krisenmanagement. Er forderte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) dazu auf, klarzustellen, "dass die Menschen ihre Freiheitsrechte spätestens wie versprochen bis Ende Sommer zurückbekommen, sobald alle Impfwilligen ein Impfangebot haben".

RKI: Mehr als 40 Prozent vollständig geimpft

In Deutschland sind nach RKI-Angaben inzwischen mehr als 42 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Insgesamt haben bisher 48,4 Millionen Menschen (58,2 Prozent) mindestens eine Impfdosis erhalten, rund 35 Millionen sind vollständig geimpft. Spahn schrieb dazu bei Twitter: "Das ist gut - aber im Wettlauf mit der Delta-Variante reicht das noch nicht. Impfstoff, um jeden zu impfen, ist nun da. Bitte nutzen Sie es!"

Nach Angaben der Bundesregierung lassen sich momentan im Schnitt rund 700 000 Menschen am Tag impfen. Laut einer Umfrage der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" bei den Gesundheitsministerien der Länder gibt es keine massenhaften Absagen von Impfterminen. Flächendeckend ließen nur wenige Deutsche ihre Termine in den Impfzentren platzen, hieß es in dem Bericht. Insgesamt ergebe sich ein entspanntes Bild.

Infektionszahlen steigen europaweit wieder an

Die Corona-Infektionszahlen sind in verschiedenen europäischen Ländern inzwischen schon wieder deutlicher angestiegen als in Deutschland. Spanien mit den beliebten Urlaubsinseln Mallorca und den Kanaren gilt ab diesem Sonntag nach den Maßstäben der Bundesregierung wieder als Risikogebiet. Praktische Auswirkungen für Urlauber gibt es dadurch aber kaum. Nach Einschätzung der EU-Kommission ist die Urlaubssaison nicht in Gefahr. Dank der Impfungen führten höhere Zahlen nicht automatisch zu einer gefährlicheren Lage. [Inzidenz in Urlaubsländern - So steigen die Corona-Zahlen in Europa]

Auf der Illustration ist eine Frau zu sehen, die auf dem Boden sitzt. Ihren Kopf stützt sie auf ihrem linken Arm.

Nachrichten | Panorama - Wenig Impfreaktion, wenig Schutz? 

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