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RKI-Chef widersprochen - Spahn: Inzidenz "verliert an Aussagekraft"

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In der Debatte um die Inzidenz als Hauptrichtwert hat Gesundheitsminister Spahn RKI-Chef Wieler widersprochen. Es bräuchte "zwingend weitere Kennzahlen" zur Bewertung.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei einer Pressekonferenz in Berlin.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).
Quelle: Axel Schmidt/AP (Archiv)

Der Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, sieht die Inzidenz als Hauptrichtwert in der Pandemie. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat dem nun widersprochen. So sagte Spahn der "Bild":

Mit steigender Impfrate verliert die Inzidenz an Aussagekraft.

Daher brauche es "zwingend weitere Kennzahlen, um die Lage zu bewerten", etwa die Zahl der neu aufgenommenen Covid-Patienten im Krankenhaus. Ganz auf die Inzidenz verzichten will Spahn jedoch nicht: Bei weitem seien nicht ausreichend Menschen geimpft, "um ganz auf den Blick auf die Inzidenz verzichten zu können".

Länder wollen neue Indikatoren für Bewertung

RKI-Chef Wieler hatte eine Niedrig-Inzidenz-Strategie gefordert und vor einer vierten Welle gewarnt. Pläne aus dem RKI, auch andere Kriterien für die Corona-Politik zu berücksichtigen, spielten laut "Bild" bei seinem Vortrag keine Rolle.

Stattdessen beharrte Wieler darauf, die Inzidenz bleibe "wichtig, um die Situation zu bewerten und frühzeitig Maßnahmen zur Kontrolle zu initiieren". Auch viele Länder unterstützen die Debatte über neue Indikatoren für die Bewertung des Pandemiegeschehens.

Die Diskussionen um die 7-Tage-Inzidenz als Richtwert halten an. Das RKI spricht sich dafür aus- sie prognostiziere das Ausmaß schwerer Verläufe und sei ein wichtiger Indikator.

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Dreyer für einheitliche Regelung

Berlin und Rheinland-Pfalz sprachen sich in den Zeitungen des RND für ein bundesweites Corona-Ampelsystem aus, das neben der Sieben-Tage-Inzidenz auch die Krankenhausauslastungen berücksichtigt.

"Aktuell gibt es eine bundesweite Debatte über die Verwendung des Inzidenzwertes als entscheidende Maßzahl, die rasch zu einer bundeseinheitlichen Regelung führen sollte", sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) dem RND.

Ampelsystem als Grundlage?

Durch den Impfschutz sage die Inzidenz heute viel weniger über die Gefahr einer Erkrankung und die mögliche Belastung des Gesundheitssystems aus. "Deswegen müssen die Bundesländer mit der Bundesregierung zu einem neuen Warnwert kommen", forderte Dreyer.

Als Grundlage könne hier ein Ampelsystem unter Einbeziehung einer Hospitalisierungsinzidenz dienen, wie es bereits diskutiert werde. Das setzte die Zahl der Infektionen in Relation zur Anzahl der Erkrankten in den Krankenhäusern.

FDP und Linke: Anpassung des Infektionsschutzgesetz

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte dem RND: "In Berlin haben wir seit über einem Jahr mit der Corona-Ampel ein System, das neben der Inzidenz auch andere Indikatoren wie beispielsweise die Intensivbettenauslastung erfasst. Das ist, glaube ich, der richtige Weg".

Abgeordnete von FDP und Linke fordern wiederum eine Anpassung des Infektionsschutzgesetzes. Michael Theurer, FDP-Fraktionsvize im Bundestag, will "möglichst zeitnah" eine Änderung im Infektionsschutzgesetz, wie er der "Welt" sagte.

Theurer: Einführung eines "Dynamischen Faktor"

Mit Blick auf Vorschläge zu neuen Inzidenz-Grenzwerten aus der Union sagte Theurer:

Es bringt nichts, da jetzt irgendwelche konkreten Zahlen in den Raum zu stellen, die nächste Woche schon wieder überholt sein können.
Michael Theurer, FDP-Fraktionsvize

Gesundheitsminister Spahn solle stattdessen darauf hinwirken, dass ein "dynamischer Faktor" eingeführt werde - etwa bestehend aus der Impfquote, verfügbaren Krankenhausbetten und der Kapazität der Gesundheitsämter.

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