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Corona-Zielmarke erreicht - Kann man von Städten wie Rostock lernen?

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Die Corona-Zahlen sinken allmählich. Auf der Corona-Landkarte erscheinen immer mehr Hoffnungs-Inseln. Meist sind es Landkreise, aber auch einige Städte. Was machen sie anders?

Archiv, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Nur wenige Menschen sind auf dem Boulevard Kröpeliner Straße unterwegs
Rostock gehört zu den wenigen größeren Städten, die einen Sieben-Tage-Inzidenzwert von deutlich unter 50 aufweisen.
Quelle: dpa

Bundesweit gehen die Corona-Neuinfektionen zurück - laut Robert-Koch-Institut liegt die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit bei 111 pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Die Regierung peilt einen Wert von weniger als 50 an, um die Pandemie unter Kontrolle zu bringen.

Dass einige Landkreise bereits unter dieser Zielmarke liegen, mag wenig überraschen, aber auch einige größere Städte sind darunter - aktuell weisen Rostock, Münster und Oldenburg Inzidenzwerte von deutlich weniger als 50 auf. Woran liegt das? Machen diese Kommunen etwas anders oder besser als andere in Deutschland? Ein Blick auf die drei Städte - was aus Sicht der politisch Verantwortlichen zur positiven Entwicklung beigetragen hat.

Rostock: "Sich auf das vorbereiten, was morgen kommt"

Die Hansestadt Rostock (209.000 Einwohner) in Mecklenburg-Vorpommern weist derzeit einen Inzidenzwert von 33 auf und steht damit momentan bundesweit unter den größeren Städten am besten da. "Ich glaube, viel liegt an der Philosophie, nach vorne zu schauen. Also sich darauf vorzubereiten, was morgen, was nächste Woche kommt", sagt Bürgermeister Claus Ruhe Madsen im ZDFheute-Interview.

Laut Madsen zahlt es sich aus, dass die Stadt sehr zügig Empfehlungen zur Eindämmung der Pandemie ergriffen hat. Dadurch habe die Stadt weitgehend die Kontrolle über die Pandemie behalten.

"Wir haben immer die Kontaktverfolgung geschafft. Es gibt bei uns keine Überraschung, wir wissen immer, wo es herkommt."
Claus Ruhe Madsen, Bürgermeister von Rostock

Auch zwischen der ersten und zweiten Welle, als die Werte niedrig waren, habe er Vorsorge getroffen und konsequent das Gesundheitsamt mit Leuten aufgestockt. "Denn es ist wie bei der Feuerwehr", so Madsen. "Da bilden Sie die Feuerwehrleute auch nicht erst aus, wenn das Haus brennt, sondern schon vorher."

In Rostock hat man das Coronavirus momentan unter Kontrolle.

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Einen weiteren Grund für die positive Entwicklung sieht der Bürgermeister in der Teststrategie: "Im März waren wir mit den Testungen sehr weit vorne. Sehr viel weiter als das, was das RKI empfohlen hat", betont Madsen. Bei Rettungshelfern, Feuerwehr, Polizei und in der Verwaltung seien auch Tests durchgeführt worden, ohne dass Betroffene Symptome hatten.

Zudem gab es früh eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum. Auf Appelle an die Rostocker, die Corona-Regeln zu beachten, wollte sich Madsen jedoch nicht allein verlassen, er setzte auch auf Kontrollen. Und er räumt ein: "Man braucht auch ein Stück weit Glück." Und natürlich "Bürgerinnen und Bürger, die sagen, wir machen hier mit, wir haben es verstanden". Die guten Corona-Zahlen seien ein großer Verdienst der Rostocker.

Münster: "Auffallend diszipliniertes Verhalten"

Münster (315.000 Einwohner) in Nordrhein-Westfalen gehört wie Rostock zu den Lichtblicken auf der Corona-Karte - derzeit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 41. Die Stadt äußert sich jedoch zurückhaltend – die "glücklichen Zahlen" könnten sich jederzeit ändern, es sei eine "Momentaufnahme".

Die Stadt profitiere sicherlich vom "auffallend disziplinierten" Verhalten der Menschen in der Pandemie, teilte Andrea Zinke vom Amt für Kommunikation auf Anfrage mit. Münster sei auch eine ersten Kommunen in NRW gewesen, die schon in der ersten Corona-Welle eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum eingeführt hat – sie gilt bereits seit Ende April in weiten Teilen der Innenstadt und wurde später ausgeweitet.

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Zudem gebe es einen sehr breit aufgestellten Krisenstab, der rasch auf neue Entwicklungen reagieren und alle wichtigen Akteure wie Gesundheitsämter oder Krankenhäuser einbeziehen könne.

Bei Corona-Tests hält sich die Stadt ausdrücklich an die Nationale Teststrategie. Testen ohne begründeten Verdacht erhöhe das Risiko falsch-positiver Ergebnisse, führe zu einem falschen Sicherheitsgefühl und belaste die vorhandene Testkapazität, so die Begründung.

Der Epidemiologe Andre Karch von der Universität Münster sieht auch im Sozialgefüge der Stadt einen möglichen Grund für die relativ gute Corona-Lage: "Wir haben sehr viele Single-Haushalte in Münster, sodass in diesem Bereich zum Beispiel nur Arbeitskontakte neben anderen sozialen privaten Kontakten überhaupt zur Übertragung beitragen können", sagte der Wissenschaftler in der ARD.

Oldenburg: "Vor der Lage sein"

Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 42 ist die niedersächsische Stadt Oldenburg (169.000 Einwohner) ein weiterer hellblauer Lichtblick auf der Corona-Karte – noch am 13. Januar lag der Wert bei mehr als 100.

Für Oberbürgermeister Jürgen Krogmann ist die positive Entwicklung zunächst einmal ein klares Zeichen, dass sich die Menschen gut an die Corona-Regeln halten. Doch auch Krogmann folgt – wie Rostocks Bürgermeister – dem Prinzip 'Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser'. Polizei und Ordnungsamt hätten die Einhaltung der Regeln kontrolliert - und konsequent geahndet: Seit Beginn der Pandemie habe die Stadt knapp 1.400 Ordnungswidrigkeiten wegen Verstößen gegen die Corona-Regeln gezählt.

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Außerdem sei es dem Gesundheitsamt gelungen, die Infektionsketten fast immer nachzuverfolgen, so Krogmann. Schon Anfang November hatte die Behörde für diese Aufgabe mehr als 40 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die zeitweise noch von zehn Bundeswehr-Soldaten unterstützt wurden. Zudem seien Menschen im Umfeld von Infizierten konsequent unter Quarantäne gestellt worden.

Für Krogmann lautet eine wichtige Maxime im Kampf gegen die Pandemie: 'Vor der Lage sein'. Um sich auf eine mögliche zweite Corona-Welle vorzubereiten, habe der Krisenstab ein Konzept für ein Warnsystem erstellt – mit Kennzahlen, die auf ein Wiederaufflammen der Pandemie hinweisen, um dann sofort Maßnahmen einzuleiten. Schon im Oktober habe Oldenburg so mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen auf steigende Zahlen reagiert, unter anderem eine Maskenpflicht für die gesamte Innenstadt oder große Einkaufszentren.

Auch eine Auswertung der ersten Welle sei wichtig gewesen. So habe die Feuerwehr im Sommer Schutzkleidung und Masken beschafft und eingelagert. Auch wurden die Gesundheitsämter technisch besser ausgestattet.  

All das, so Krogmann, habe zu dem "erfreulichen Zwischenstand" in Oldenburg geführt. Jetzt gelte es, sich weiter an die Regeln zu halten, um diesen "nicht zu gefährden".

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