Sie sind hier:

Wie bei Ungeimpften : Warum ist die Inzidenz bei Geimpften so hoch?

Datum:

Die Inzidenzen für symptomatische Corona-Infektionen von Geimpften und Ungeimpften sind fast auf einem gleichen Wert. Wie kann das sein? Experten haben eine Vermutung.

Ein medizinischer Mitarbeiter impft mit einer Spritze mit dem Impfstoff von Biontech einen Mann im Kultur- und Kongresszentrum in Gera (Thüringen) am 08.12.2021
Wie gut schützt die Impfung vor Omikron?
Quelle: dpa

Ein aktueller Blick auf die Kurven der Corona-Inzidenzen zeigt eine Entwicklung, die sich seit Mitte Februar angebahnt hat: Die Inzidenzen der Ungeimpften, Doppelt-Geimpften und der Dreifach-Geimpften sind fast gleich.

Alle drei Werte liegen zwischen 149 und 158. Zumindest in der Gruppe der 18- bis 59-Jährigen. Bei Jüngeren und Älteren ab 60 gibt es deutlichere Unterschiede, die Inzidenz der Ungeimpften liegt höher.

ZDFheute Infografik

Wir integrieren Bilder und andere Daten von Drittanbietern, u.a. die Software von Datawrapper für die Darstellung von ZDFheute Infografiken. Mit Ihrer Zustimmung werden diese angezeigt und die genutzte IP-Adresse dabei an externe Server übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre zukünftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Mein ZDF“ jederzeit widerrufen.

Hospitalisierungsrate mit größeren Unterschieden

Bei dem Vergleich der Inzidenzen geht es um symptomatische Verläufe. Die Hospitalisierungsinzidenz (also wer mit oder wegen Corona-Infektion ins Krankenhaus muss) zeigt hingegen weiterhin einen deutlichen Unterschied, Ungeimpfte landen immer noch deutlich häufiger auf der Intensivstation als mehrfach Geimpfte.

Wie lässt sich erklären, dass es bei symptomatischen Infektionen fast keinen Unterschied mehr zu machen scheint, ob eine Person geimpft ist oder nicht? Was sagt das über die Wirksamkeit der Impfung aus?

Virologe Stürmer und Immunologe Watzl mit Antworten

Diese Fragen hat ZDFheute dem Immunologen Carsten Watzl von der TU Dortmund und dem Virologen Martin Stürmer vom IMD Labor Frankfurt am Main gestellt.

Beide Experten sind sich einig: Der Schutz vor einer Infektion durch Impfung ist bei Omikron relativ gering. "Das liegt daran, dass der Impfstoff auf Basis der Wuhan-Variante entwickelt wurde", erklärt Watzl. Dementsprechend bestehe ein guter Schutz vor einer Infektion mit Omikron nur kurz nach einer Impfung. Das bedeute jedoch nicht, dass der Schutz vor einer Infektion mit Omikron einige Monate nach der Boosterung komplett verschwunden sei, sagt der Immunologe.

Viele Ungeimpfte bereits infiziert

Watzl beobachtet einen weiteren Effekt, der dazu führt, dass sich die Kurven in der Grafik annähern. Und zwar in der Gruppe der Ungeimpften. "Viele Ungeimpfte haben bereits eine Infektion mit Delta oder Omikron durchgemacht, haben also einen gewissen Schutz vor dem Virus", so Watzl. Trotzdem werden sie zur Gruppe der Ungeimpften gezählt, obwohl sie nicht vollständig ohne Immunschutz sind.

Das führe dazu, dass der Unterschied bei den symptomatischen Infektionen geringer wird, bei den Hospitalisierungen und schweren Verläufen aber noch Bestand habe, erklärt Watzl.

BA.2-Variante führt zu mehr symptomatischen Verläufen

Dieser Effekt sei besonders stark im Alterssegment der 18- bis 59-Jährigen, da Omikron dort sehr stark verbreitet ist, sagt Watzl. Virologe Martin Stürmer weist darauf hin, dass die Omikron-Variante BA.2 vermehrt zu symptomatischen Verläufen, auch bei Geimpften, führt. Jedoch nicht zu vermehrten Hospitalisierungen. "Bei Delta war das noch nicht der Fall", erklärt Stürmer.

Die Boosterimpfung verliert mit der Zeit den Schutz vor der symptomatischen Infekton, aber nicht vor der Hospitalisierung.
Martin Stürmer, Virologe

Immunologe Watzl stimmt dieser Einschätzung zu: "Jemand, der vor drei Monaten geboostert wurde, hat einen ähnlich schwachen Schutz vor einer symptomatischen Infektion wie ein Ungeimpfter, der sich vor einem Monat mit Omikron infiziert hat."

Stürmer: Nachimpfungen für Risikogruppen

Aufgrund dieser Erkenntnisse sei es besonders wichtig, Risikopatienten "zeitnah nachzuimpfen", erklärt Stürmer. Denn für diese Gruppe sei es deutlich wichtiger, vor einer Infektion geschützt zu sein als für gesunde, geboosterte Menschen.

Die Annäherung der Inzidenzen von Geimpften und Ungeimpften zwischen 18 und 59 Jahren bedeutet nach Einschätzung der Experten also nicht, dass die Impfung nichts bringt. Vielmehr schützt die Boosterung gut vor einem schweren Verlauf, auch wenn der Schutz vor einer symptomatischen Infektion nachlässt.

Corona-Fälle, Hospitalisierungen, Intensivpatienten und Todesfälle als Kurven amit warm angezogenen Spaziergängern im Hintergrund.
Grafiken

Delta- und Omikron-Welle - So schlimm war der Corona-Winter 

Deutlich mehr Infektionen, weniger Tote: Wie die Omikron-Welle im Vergleich zur Delta-Welle verlaufen ist - ein Überblick.

von Robert Meyer

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.