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Strenge Corona-Maßnahmen - Wette auf Zukunft: Israel hebt Lockdown auf

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Dieser Sonntag soll zum historischen Wendepunkt in Israels Kampf gegen Corona werden: Der wohl längste Lockdown weltweit wird weitgehend aufgehoben. Eine Wette auf die Zukunft.

Fitnessstudio, Hotel, Theater und Sportereignisse – in Israel gibt es für Corona-Geimpfte mit dem „Grünen Pass“ mehr Lockerungen. Bereits ein Drittel der Einwohner ist geimpft.

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Der Lockdown dauerte mit diversen Erleichterungen - und darauf folgenden Verschärfungen - im Prinzip seit September letzten Jahres an. Nun werden in Israel alle Geschäfte und Einkaufszentren für jedermann wieder geöffnet, ebenso Museen und Büchereien. Sport- und Kultureinrichtungen sowie Hotels öffnen für doppelt Geimpfte und Covid19-Genesene mit so genanntem Grünen Pass. Die große Hoffnung auf das Ende der Pandemie ist aber so etwas wie eine Wette auf die Zukunft.

Zwar sind die Impferfolge beeindruckend, und die Wirkung erwiesenermaßen zu wahr, um nicht schön zu sein: Fast 90 Prozent der mehr als Sechzigjährigen sind doppelt geimpft. Die Infektionen oder besser gesagt die Nachweisbarkeit des Virus in dieser Gruppe liegt im Promille-Bereich, die Zahl der schweren Fälle bei gerade mal gut einem Dutzend. Der Rest hat so gut wie keine Symptome.

Israel gehört mit seiner Corona-Impfkampagne zu den weltweiten Vorreitern. Mehr als die Hälfte aller Menschen in Israel über 30 Jahren ist mindestens ein Mal gegen das Coronavirus geimpft worden. Nun werden Rufe nach Lockerungen lauter.

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Impfmüdigkeit macht sich breit

Die Zahl der schweren Fälle mit Einweisung ins Krankenhaus ist dramatisch eingebrochen. Die Alten sterben nicht mehr an dem Virus, die Zahl der belegten Intensivbetten nimmt ab. Beides war und ist das Hauptziel jeder Pandemiebekämpfung.

Dafür erkranken und sterben immer mehr die Jungen, jedenfalls die Ungeimpften. Und das ohne Not. Denn inzwischen hat sich so etwas wie Impfmüdigkeit breit gemacht - nicht nur bei den Minderheiten, die mit ihrem Verhalten die Corona-Gefahr auch bisher in weiten Teilen ignorierten, also Ultra-Orthodoxe und arabische Israelis.

Sorglosigkeit unter Jüngeren gefährdet Pandemiebekämpfung

Es sind die Jüngeren, deren Sorglosigkeit sich rächt. Die Zahl der Neuinfektionen hat sich in den letzten zwei Wochen zwar halbiert, verharrt wegen der britischen Mutante aber auf einem relativ hohen Niveau. Dabei wirkt der Biontech-Pfizer-Wirkstoff offenbar genauso gut dagegen - mit Einschränkung wahrscheinlich sogar gegen die südafrikanische Variante.

Die Regierung hält mit einer Aufklärungskampagne gegen die grassierenden Fake-Wahrheiten und hofft auf die motivierende Wirkung des grünen Passes und seiner Privilegien. Der Ton wird schärfer, Israels Gesundheitsminister Yuli Edelsteins Ansage:

Wer sich nicht impfen lässt, wird zurückgelassen.
Yuli Edelstein, Gesundheitsminister Israel

Impfunterstützung für Palästinenser gefordert

Zurückgelassen müssen sich auch die Palästinenser fühlen. Zwar ist die Autonomiebehörde für das Gesundheitswesen verantwortlich und war lange offenbar zu stolz, um offiziell die Hilfe der verhassten Besatzungsmacht anzufordern. Auch gibt es keine Verpflichtung für Israel, den Nachbarn die Hand zu reichen, außer vielleicht einer moralischen.

Hunderte israelische Intellektuelle und Rabbiner haben jedenfalls eingefordert, nicht nur ein paar Tausend Dosen zu schicken, sondern die Palästinenser umfassend in die erfolgreiche Impfkampagne einzubeziehen. Das läge im Übrigen auch im israelischen Eigeninteresse, denn Zehntausende Palästinenser pendeln als Arbeiter jeden Tag nach Israel. Immerhin: Ein erstes Treffen der Offiziellen beider Seiten fand am Freitag in Ramallah statt.

Wenige Krankheitsfälle, viele davon asymptomatisch: Die israelische Professorin Gili Regev-Yochay zieht ein positives Resümee aus den Biontech-Impfungen.

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Gefahr dauerhaft gebannt?

Noch ist also unklar, ob das Risiko der Neuinfektionen dauerhaft gebannt ist. Und das neuer Mutanten. Wie ernst die Regierung diese Gefahr nimmt, kann man daran sehen, dass inmitten der euphorischen Öffnungswelle die Schließung des einzigen internationalen Flughafens Ben Gurion und der Landesgrenzen um zwei Wochen verlängert wurde.

So schwebt bei aller Freude über die wiedergewonnene Freiheit ein dunkles Fragezeichen über dem Experiment des Impfmodells Israel. Man kann dem Land nur wünschen, dass es seine Wette gewinnt.

Michael Bewerunge ist Leiter des ZDF-Studios in Tel Aviv

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