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Intensivmediziner Janssens - "Vielleicht nicht so ganz gut durchdacht"

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Reagiert die Politik zu zögerlich in der Corona-Lage? Der Intensivmediziner Uwe Janssens wünscht sich ein klareres Handeln. Mit Blick auf die Inzidenz fordert er mehr Daten.

„Wir sind erstaunt, dass die Politik alles freigibt und man sich dann wundert, dass die Impfquoten zurückgehen“, so Intensivmediziner Prof. Uwe Janssens zu Corona.

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In der aktuellen Corona-Lage läuft die Diskussion über eine Testpflicht für Reiserückkehrer, die Rolle des Inzidenzwertes und das sinkende Impftempo. Der Intensivmediziner Prof. Dr. Uwe Janssens vom St. Antonius Hospital Eschweiler hat sich im ZDF-Morgenmagazin zu den Themen geäußert.

Sehen Sie oben das ganze Interview im Video und lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Uwe Janssens zu der Frage:

... ob er, mit Blick auf eine Testpflicht für Reiserückkehrer, Verständnis habe für das zögerliche Handeln der Politik

"Eigentlich würden wir uns wünschen, dass da klarer gehandelt werden würde. Wir haben im letzten Jahr gesehen was das für Folgen hat, wenn man zögert, zuwartet und gar nichts macht." Das scheine sich zu wiederholen und die Lehren aus dieser Misere seien nicht so richtig gezogen worden.

Ihn habe erstaunt, dass man alles freigebe, auch in NRW und sage, "wir sind bei der Nullinzidenz-Bewertung und gleichzeitig sich dann wundert, dass die Impfquoten zurückgehen", die ganz wichtig seien. Jetzt diskutiere man über Inzidenzen und über Testverfahren. "Da gebe ich Ihnen vollkommen Recht: Alles Hauruck und vielleicht nicht so ganz gut durchdacht."

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... ob die Inzidenz von 100 noch Sinn ergibt, bei einer aktuell geringen Auslastung der Intensivbetten

"Wir sind der festen Überzeugung, dass wir hier einen Dreiklang herbeiführen müssen. Die Inzidenz jetzt ganz weg zu tun, die 7-Tages-Inzidenz, wäre ein Fehler", sagt Janssens.

Wir müssen das gemeinsam mit der Hospitalisierungsrate beachten und gleichzeitig natürlich die Intensivbetten im Auge behalten.
Prof. Uwe Janssens, Intensivmediziner

Man sehe auch in Großbritannien, wie wichtig es sei, diese Faktoren zu beobachten. Dort sei genau in diesem Gebiet, nämlich Krankenhausaufnahmen und auch beatmete Intensivpatienten, ein Anstieg zu verzeichnen.

Außerdem brauche man in Deutschland mehr differenzierte Daten, "vor allen Dingen auch zu den Altersgruppierungen, welche Menschen sind es, mit welchen Begleiterkrankungen."

... wie er den aktuellen Stand bei den Impfungen bewerte

Die zurückgehenden Impfquoten seien extrem bedauerlich, sagt Janssens. "Wir können ja nur appellieren, es gibt ja keine Impfverpflichtung, aber wir werden uns Maßnahmen überlegen müssen, wie wir die Leute dann doch dazu motivieren können neben der Aufklärung, dass sie sich impfen lassen." Die 17- bis 59-Jährigen müssten dringend jetzt in das Impfprogramm reingenommen werden.

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... ob er sich für eine Impfpflicht im Bildungs- und Gesundheitswesen aussprechen würde

"Ich bin persönlich immer noch der Meinung, dass eine Impfpflicht gerade im Gesundheitswesen viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich bis jetzt noch nicht dazu entschlossen haben, verschrecken würde."

In seinem Krankenhaus habe es auch große Bedenken bei vielen Mitarbeitern gegeben. Da habe man durch viel Aufklärung die Impfquote weit über 95 Prozent steigern können.

Und ich glaube da haben wir keinen Druck ausgeübt, da haben wir aufgeklärt.
Prof. Uwe Janssens, Intensivmediziner

Wenn man das verordne und eine Impfpflicht herbeiführe, gerade in den genannten Gruppen – Lehrer, Kita und im Gesundheitswesen, werde das unter Umständen negative Folgen haben.

... wie die Lage in seinem Krankenhaus sei, das von der Flut getroffen wurde

Das Krankenhaus sei leer, sagt Janssens. "Wir können derzeit keine Patienten betreuen." Seit zwei Wochen werde mit Hochdruck daran gearbeitet, dass die massiv geschädigten Bereiche gereinigt und aufgeräumt würden für den Wiederaufbau.

"Wir haben viel wichtige Infrastruktur verloren, Stromzufuhr, Abwasser, Zuwasser." Das werde wieder aufgebaut und er hoffe, "dass wir September, Oktober wieder an den Start gehen können und die Patienten hier in der Region wieder kompetent versorgen können."

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