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Pandemie und Gesellschaft - Jugend und Corona: Warten auf die Impfung

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Junge Menschen haben sich in der Corona-Krise zurückgenommen - auch, um Ältere zu schützen. Beim Impfen müssen sie sich wieder hinten anstellen und stecken ein zweites Mal zurück.

Gruppe junger Menschen mit Mund-Nasen-Masken
Junge Menschen erfahren in der Pandemie einen "doppelten Nachteil", sagt der deutsche Ethikrat.
Quelle: colourbox.de

Niklas hat Fieber, in seinem Kopf wummert ein pochender Schmerz. Sein Körper fühlt sich an wie nach Abenden, als man noch in Bars oder Clubs gehen durfte. "Als hätte ich einen schlimmen Kater gehabt", sagt Niklas. Trotzdem ist er glücklich. Niklas ist 20 und hat sich gegen Corona impfen lassen.

Damit gehört er zu den wenigen jungen Menschen, die schon jetzt das Glück hatten, eine Impfung zu bekommen.

Das ruft kritische Stimmen auf den Plan: Dabei hätten gerade Jugendliche unter der Pandemie gelitten, sagt etwa die Vorsitzende des deutschen Ethikrats, Alena Buyx, im Gespräch mit ZDFheute. Junge Menschen würden in der Pandemie gerade einen "doppelten Nachteil" erfahren.

Die junge Generation hat sich im letzten Jahr sehr zurückgehalten - und jetzt wird es trotzdem noch eine ganze Weile dauern, bis junge Menschen geschützt sind.
Alena Buyx, Vorsitzende des deutschen Ethikrats,

Keine Prio, in der Schlange ganz hinten

Auch Niklas hätte noch sehr lange auf eine Impfung warten müssen.

Ich gehöre zur keiner Priogruppe und würde zu den Letzten gehören, die eine Impfung bekommen.
Niklas, 20, aus Berlin
Niklas, 20, Student aus Berlin
Niklas, 20, Student aus Berlin
Quelle: privat

Hätte er sich nicht für den Impfstoff von Astrazeneca entschieden, den es ohne Priorisierung in Arztpraxen gibt.

Auf seinem rechten Oberarm klebt jetzt ein kleines braunes Pflaster. "Zwei E-Mails und ein paar Anrufe haben da gereicht", sagt Niklas.

Für Niklas überwiegt der Nutzen

Die Nebenwirkungen, die er nach der Impfung hat, sind bei Astrazeneca häufiger der Fall. In den Tagen danach werden sich in seinem Körper erste Antikörper gegen das Coronavirus bilden, der Impfschutz tritt ein. Und dennoch: In der Bevölkerung könnte der Astrazeneca-Impfstoff kaum unbeliebter sein. Grund dafür sind sehr selten auftretende Hirnvenenthrombosen.

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Obwohl trotzdem fast immer der Nutzen das Risiko überwiegt, hat sich die Ständige Impfkommission entschieden, den Impfstoff nur für über 60-Jährige zu empfehlen. Niklas hat sich trotzdem impfen lassen. "Hätte ich gewartet, hätte es ewig gedauert, bis ich eine Impfung bekommen hätte", sagt er.

Astrazeneca ist unbeliebt – vor allem bei Älteren

Das Problem: Der Impfstoff ist zwar für über 60-Jährige empfohlen. Die wollen den Impfstoff aber oft nicht und greifen auf den Impfstoff von Biontech oder Moderna zurück, für den sie durch ihr Alter auch impfberechtigt sind. Astrazeneca bleibt liegen.

So auch Innenminister Horst Seehofer, der in der "Bild" verkündete, er wolle sich nicht mit Astrazeneca impfen lassen. Wenig später bekam auch er den begehrten Impfstoff von Biontech.

"Die Impfrate ist noch zu niedrig, um Entwarnung zu geben", sagt der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt. Man könne den Menschen jedoch Hoffnung machen.

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Für junge Menschen bleiben also im Moment schlicht zwei Optionen: Sich mit Astrazeneca impfen lassen oder auf eine andere Impfung warten. Genau deshalb entscheiden sich viele junge Menschen für Astrazeneca.

Die Jungen stärker in den Blick nehmen

Für Nikas ist die Freigabe von Astrazeneca ein Vorteil. Denn so hatte er die Möglichkeit, an eine Impfung zu kommen. Die Impfreihenfolge findet er gut und richtig, sagt aber auch:

Mich nervt nur, dass Menschen, für die der Impfstoff empfohlen ist, sich weigern, und wir deshalb langsamer impfen.
Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats. Archivbild
Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats. Archivbild
Quelle: Michael Kappeler/dpa

Ähnlich sieht es die Ethikrat-Vorsitzende Alena Buyx. Auch sie findet die Impfpriorisierung gut und richtig - und dennoch müssten Politik und Gesellschaft dafür sorgen, dass die Jungen jetzt stärker in den Blick genommen werden.

Zum Beispiel könnten Testmöglichkeiten, die nun für Geimpfte nicht mehr gebraucht werden, von jungen Menschen genutzt werden, schlägt Buyx vor.

Und sobald genug Impfstoff zur Verfügung steht, müssen junge Menschen ganz gezielt geimpft werden.
Alena Buyx, Vorsitzende des deutschen Ethikrats

Niklas wird dann nicht mehr dazugehören. Seine Impfung ist jetzt rund zwei Wochen her. Bereits zwei Tage nach der Impfung war er wieder fit. Und schon kommende Woche wird er sein erstes Bier in einer Bar trinken. Natürlich noch getestet, aber mit einer ersten Impfung im linken Oberarm. Und 14 Tage nach der zweiten Impfung dann auch wieder ohne Corona-Test.

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