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Bildungsministerin im Interview - Schulöffnung: Keine "isolierte Entscheidung"

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Bildungsministerin Karliczek steht wegen des Leitfadens zu Corona-Konzepten an Schulen in der Kritik. Die weist sie zurück, bekommt aber Gegenwind - von vielen Seiten.

„Wir haben Konzepte mit wissenschaftlich fundierter Basis entwickelt“, so Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, CDU. Maßnahmen für Schulen seien situationsabhängig, so sei der Schulbetrieb in der Stadt anders zu bewerten als der auf dem Land.

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Die neue S3-Leitlinie soll sie regeln - die Wiedereröffnung der Schulen in Deutschland in der Zeit der Corona-Pandemie. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte diese Empfehlung am gestrigen Montag vorgestellt.

Kritik aus Bildungskreisen

Doch sie erntet Kritik: "Das sind Dinge, die in der Praxis seit mindestens Oktober jede Schule versucht, umzusetzen", sagt etwas Ralf Treptow von der Vereinigung der Berliner Oberstudiendirektoren. Es fehle die Grundsatzentscheidung, wie es im deutschen Bildungswesen nach der Pandemie weitergehen solle.

Karliczek dagegen ist von dem Konzept überzeugt: "Wissenschaftlich fundiert" und "begleitet von Praktikern" lobt sie das Ergebnis. [Lesen Sie das ganze Interview hier folgend.]

ZDFheute: Frau Karliczek, es sind Handlungsempfehlungen, die nur im Paket wirken. Wo sehen Sie Schwachstellen?

Anja Karliczek: Wir haben mit den S3-Leitlinie eine Möglichkeit gegeben, sehr konsequent auch jetzt in einer doch sehr fragilen und sehr schwierigen Lage handeln und sich ein wenig auf die nächsten Wochen vorbereiten zu können. Das Ganze ist wissenschaftlich fundiert.

Da haben Virologen und Kinderärzte zusammengesessen, die Praktiker haben das begleitet. Das ist wirklich etwas, was auch wirklich zu beachten ist, um sich auch danach zu orientieren.

ZDFheute: Dann spreche ich mal eine Schwachstelle an. Bei welchem Inzidenzwert greift denn jetzt welche Maßnahme?

Karliczek: Das ist gestern von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sehr klar vorgestellt worden - dass sie sich orientieren an den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI).

Man muss ja schauen: Bin ich in einer Region, wo ich ein sehr niedriges Inzidenzgeschehen habe?

Da kann ich vielleicht auch mit einem anderen Maßnahmenpaket besser klarkommen als dort, wo ich höheres Inzidenzgeschehen habe. Alles in allem ist klar, das ist eine Empfehlung, bei der man sich vor Ort dann mit den Details noch auseinandersetzen muss.

eine undatierte elektronenmikroskopische aufnahme des «u.s. national institute of health» zeigt das neuartige coronavirus

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ZDFheute: Aber was ist niedrig? Was ist hoch? Wir bekommen Zuschriften: "Das ist schwammig, wir können damit nichts anfangen."

Karliczek: Das Kernproblem in dieser Situation ist, dass sich Schulen und Kitas in das Infektionsgeschehen in der Region einreihen, so dass man niemals nur eine isolierte Entscheidung treffen kann bei der man sagt: Ich schau mir nur die Schule, ich schau mir nur die Kita an.

All das, was getan wird in der nächsten Zeit, muss sich immer in das Gesamtgeschehen in der Region einordnen. Und deswegen kann man auch an dieser Stelle, glaube ich, nicht präzisier werden.

Wichtig ist es, dass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich immer auf die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts bezogen haben.

"Einen Plan, der durchhaltbar ist, der transparent ist, der die Menschen mitnimmt", fordert der Epidemiologe Prof. Klaus Stöhr. Wichtig sei auch „ein unabhängiges Expertenkomitee, das verschiedene Faktoren evaluiert“.

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ZDFheute: Kontakte reduzieren klappt dann vielleicht in den Klassen, was ist das Konzept für die Schulbusse?

Karliczek: Das ist ja gestern bei den S3-Leitlinien eben vorgestellt worden. Dass man ein Konzept entwickeln muss, von der Haustür morgens bis wieder zurück zur Haustür. Dass man eben nicht nur die Schule betrachtet, sondern dass man sich auch die Wege angucken muss. Also dass man jetzt ein Komplettpaket hat, mit dem man arbeiten kann.

ZDFheute: Wir sind jetzt im elften oder zwölften Monat der Pandemie: Versuchen Sie es doch konkret zu machen: Wie viele Kinder pro Schulbus?

Karliczek: So einfach kann man das eben nicht sagen. Das ist ja dann auch eine Frage, wie viel werden Masken getragen? Wie viele Schüler müssen transportiert werden? Muss ich zusätzliche Busse einsetzen? Das ist ja genau das, was wir eben den Praktikern auch nicht abnehmen können.

Wir haben jetzt mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit gegeben, sich auf eine wissenschaftlich fundierte Basis zu beziehen, ein Komplettpaket in die Hand zu nehmen. Die Umsetzung muss jetzt im Grunde vor Ort organisiert werden.

ZDFheute: Für Akzeptanz braucht man eine gewisse Einheitlichkeit, mit regionalen Anpassungen. Wenn wir jetzt aber schon hören, es gibt diverse Stufenmodelle in verschiedenen Bundesländern - wird es doch wieder darauf hinauslaufen, dass jeder macht was er will?

Karliczek: Wir müssen die Akzeptanz vor Ort haben. Und deswegen ist es auch wichtig, vor Ort jetzt sehr transparent dafür zu sorgen, dass jeder Schritt, den man geht, auch abgesichert ist mit dem, was die Menschen vor Ort auch brauchen.

Die Situation ist sehr sehr unterschiedlich. Nicht nur was das Infektionsgeschehen angeht, sondern was auch die Rahmenbedingungen angeht.

Wir brauchen nur mal den Unterschied Stadt und Land anzuschauen. Da sieht man schon, dass man ganz unterschiedliche Maßnahmen auch durchführen muss und kann.

ZDFheute: Es gibt ja diverse Überlegungen. Zum Beispiel Impfstoff von Astrazeneca, der für Personen unter 65 angewandt werden soll, Lehrkräften zu geben. Oder die Anwendung von Schnelltests wie in Österreich. Warum gibt es die nicht?

Karliczek: Wir haben eine andere Arbeitsgruppe im Netzwerk Universitätsmedizin, die sich eben mit Testungen und auch Überwachungsstrategien beschäftigt. Am Ende ist es genau das, was man hinterher zusammenführen muss. Das eine ist jetzt dieses Komplettpaket, wo man eben genau die Schnelltestungen ausgelassen hat. Aber Schnelltestungen kann man natürlich dann auch noch hinzufügen, wird man auch müssen.

„Vorsicht und Umsicht ist weiterhin wichtig, damit wir nicht verspielen, was wir erreicht haben“, warnt Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek, CSU. Gesundheit stehe „im Vordergrund“.

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ZDFheute: Und wir werden morgen sehen, was dann mit den Schulen und Kitas passiert. Ob sie geöffnet werden Anfang März. Ja? Nein?

Karliczek: Ich glaube, wenn die Situation so bleibt und sie sich weiter entspannt, dass Schritt für Schritt wieder mehr möglich ist. Wir müssen vorsichtig bleiben.

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