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Kritik an Kita-Konzept - Corona-Tests: "Ihr habt die Kinder vergessen"

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Corona-Tests in Kindertagesstätten sollen als Baustein zum sicheren Kita-Betrieb beitragen - nur wurde im Vorfeld zu wenig über die Umsetzung nachgedacht. Ein Chaos mit Ansage.

Kindertagesstätte - Kinder auf einer Bank
Auch bei Kindern steigen die Corona-Zahlen stark. Der Einsatz von Tests gestaltet sich aber schwierig.
Quelle: dpa

Die Zahl der Corona-Neuinfizierten ist in den letzten Wochen in allen Altersgruppen gestiegen, auch bei Kleinkindern. Die größte Angst der Eltern ist nun eine erneute Kita-Schließung. Doch mindestens genauso frustrierend für viele ist es, nicht einmal die Chance zu bekommen, proaktiv etwas dagegen tun zu können.

Der Corona-Kita-Rat des Bundesfamilienministerium empfiehlt, Testungen von Kita-Kindern "stärker in den Blick" zu nehmen. Das würden Eltern gerne - ihre Kinder selbst testen, in die Verantwortung genommen werden, ihren Beitrag leisten, um das Infektionsgeschehen einzudämmen. Doch sie sind ratlos, wie und wo ihre Kleinkinder getestet werden sollen.

Kitas in Berlin wieder geschlossen

Auf Anfrage von ZDFheute, wie es um eine verlässliche Kita-Betreuung derzeit steht, antwortet der Corona-Kita-Rat, es "ist eine behutsame Abwägung zwischen den Bedürfnissen von Kindern und Familien und dem Gesundheitsschutz des Personals und der betreuten Kinder vor dem Hintergrund des regionalen Infektionsgeschehens zu treffen".

Die Stadt Osnabrück erprobt in zwei Einrichtungen Selbsttests für Kita-Kinder. Sie erhofft sich davon mehr Sicherheit für Familien und Personal.

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Für Eltern in Berlin bedeutet dies: Die Kitas sind wieder zu. Ab dem 8. April gilt nur noch Notbetreuung. "Niemand hat uns im Vorfeld in diese Entscheidung mit einbezogen", berichtet Nancy Schulze, Vorsitzende des Landeselternausschusses Kita.

Giffey-Forderung für viele Eltern nicht umsetzbar

Die Forderung von Familienministerin Franziska Giffey (SPD) vom März, auch Kita-Kinder auf Corona zu testen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten, war für viele Eltern schlicht nicht umsetzbar. Viele Teststationen testeten nur Kinder älter als sechs Jahre, weiß Nancy Schulze.

Das Ziel sei, dass Eltern die Selbsttests zuhause mit den Kindern durchführen, verkündete Berlins Regierender Bürgermeister Müller. Doch wann diese Tests tatsächlich zur Verfügung stehen sollten, teilte er nicht mit. Für viele Eltern, die nun wieder ohne Betreuung dastehen, reicht es aber nicht, ein Ziel zu formulieren. Sie fordern Taten.

Corona-Tests: Eltern werden selbst aktiv

Die zweifachen Mütter Natalie Glück und Gabrielle Himmelreich aus Rheinland-Pfalz wollen nicht zuschauen, bis ihre Kita vielleicht wieder schließen muss. Sie haben die Stadt Mainz als ihren Kita-Träger angesprochen, wie es um die Test-Strategie steht. Erst nach mehrfacher Anfrage und zweiwöchiger Wartezeit will sich die Stadt nun am Freitag äußern.

Ein Kindergartenkind spielt mit einem Auto. Archivbild

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Der Großteil der Eltern in ihrer Kita würde sich nach einer eigenen Umfrage regelmäßige Testungen wünschen. Sie sehen Testen als Chance, um den Regelbetrieb aufrechterhalten zu können. Vom Landeselternausschuss hatten sie gehört, dass es eigentlich nicht vorgesehen sei, Gelder vom Land für Kita-Testungen freizugeben. Die Verpflichtung liege bei der Kommune.

Ich habe das Gefühl, es wird nicht versucht, eine sichere Kita hinzukriegen.
Natalie Glück

Zarah Abendschön-Sawall aus Baden-Württemberg hat sich bereits im letzten Frühling gemeinsam mit anderen Eltern zur #initiativefamilien zusammengeschlossen. "Für mich ist es ein systematisches Problem, dass Kinder nicht mitgedacht werden", sagt sie. Viele Kleinkinder fürchten sich vor den Corona-Tests - eine Testung durch Erziehende hält Zarah Abendschön-Sawall daher für sehr schwierig.

Die Mutter von fünf Kindern im Alter von zwei und 14 Jahren testet ihre Kinder bei Bedarf zuhause selbst, denn für lange Wartezeiten beim Kinderarzt fehlt häufig die Zeit. Doch das Selbsttesten unkompliziert in den eigenen vier Wänden werden sie sich auf Dauer nicht leisten können. Rund fünf Euro bei fünf Personen, mindestens einmal pro Woche, geht ins Geld.

Die Lösung für sie: Bereitgestellte Tests für zuhause - damit Eltern ihre Kleinkinder selbst in vertrauter Umgebung testen können.

Fehlende Zukunftsperspektiven an Kitas

Auch Sabrina Heinke, Dreifach-Mama aus Thüringen, wurde bislang enttäuscht. "Ihr habt die Kinder vergessen", schreibt sie auf Instagram. Seitdem quillt ihr Postfach über.

Wie viele Eltern macht sie sich große Sorgen um die psychische Gesundheit ihrer Kinder - und ob sie nach Corona in Schule und Kita wieder Anschluss finden. Ihr fehlt es vor allem an konkreten Plänen und Perspektiven. Ein Lichtblick für sie: In Thüringen soll es ab Mitte April sogenannte Lolli-Tests geben, zumindest für Schulkinder. Für ihren Sohn in der ersten Klasse, der sich vor Nasen- und Rachentests fürchtet, eine Erleichterung.

Die vierjährige Schwester wird wohl noch öfter die Frage stellen: "Kann ich morgen in den Kindergarten oder ist da Corona?"

Der Autorin auf Twitter folgen @Alica_Jung

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