Sie sind hier:

Kommentar zum Corona-Gipfel - Im Ernst? Shutdown aus dem Bauch

Datum:

Niemand hat gesagt, dass eine Pandemie einfach zu bewältigen ist. Fehler werden gemacht. Geschenkt. Doch diese dünne Argumentation für die neuen Beschränkungen ist empörend.

Archiv, Nordrhein-Westfalen, Greven: Zwei Mitarbeiter vom Technischen Hilfswerk (THW) stehen an der Anmeldung des Impfzentrums des Kreises Steinfurt im Terminal am Flughafen Münster-Osnabrück.
Stillstand in Deutschland: Der landesweite Shutdown wurde jetzt bis Ende Januar verlängert.
Quelle: dpa

Vor einem Corona-Gipfel, nach einem Corona-Gipfel: Egal, wer sich äußert, begründet die Verschärfung der Shutdown-Maßnahmen bis Ende Januar mit den Zahlen. "Die Zahlen müssen massiv nach unten", sagt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). "Es reicht noch nicht", sagt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). "Wir erahnen und wissen, dass die Inzidenz deutlich über 50 ist", sagt Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Die Wahrheit ist: Niemand kennt momentan die Zahlen genau. Was auch jeder weiß. Mitten in der Pandemie haben wir keine Ahnung, wo wir stehen.

Bis Mitte Januar kein realistisches Bild

Weil über den Jahreswechsel weniger getestet wurde, ist die Zahl der Neuinfektionen unbekannt. Weil Behörden nicht oder dünner besetzt sind, tauchen Infizierte in keiner Liste auf. Weil Statistik nicht das erste Problem in Krankenhäusern und Impfzentren ist, stimmen Todes- und Impfzahlen nur so ungefähr bis gar nicht. Frühestens ab 17. Januar, sagt das Robert-Koch-Institut, zeigen die Zahlen wieder ein realistisches Bild.

Die einzige messbare Größe ist derzeit die Lage in den Krankenhäusern, wo im Bundesschnitt weniger als 20 Prozent der Intensivbetten noch frei sind. In manchen Orten noch nicht einmal das. Und wenn es einen Weihnachts-Silvester-Effekt geben sollte, ist der da noch nicht einmal eingerechnet.

Echte oder gefühlte 200er Inzidenz?

Irgendwie sind die Zahlen also zu niedrig. Wir wissen nicht, was in Krankenhäusern auf uns zukommt. Wir wissen nicht, ob sich das mutierte Virus auswirkt, auf das Großbritannien mit einem Lockdown bis Ende Februar reagiert. Wir wissen nicht, ob Kinder nun besonders gefährdet sind oder eher nicht - die Studienlage ist widersprüchlich. Kanzlerin Merkel soll in einer Vorbesprechung mit den Ländern dazu gesagt haben:

Wir tappen im Dunkeln.
Kanzlerin Merkel

Vielleicht war das der ehrlichste Satz in der ganzen Corona-Krise.

Statt das aber zuzugeben oder das Statistik-Loch zu stopfen, sind die jetzt beschlossenen Maßnahmen wieder an Zahlen gebunden. Wenn die Inzidenz bei mehr als 200 pro 100.000 Einwohnern liegt, darf man sich nicht mehr als 15 Kilometer im Umkreis des Wohnortes, nicht der Wohnstraße, bewegen. Stadt-Land? Egal! Echte 200 oder gefühlte 200? Egal! Manche dürften dann jetzt noch munter durch die Gegend fahren, obwohl ihre Städte und Landkreise schon längst über 200 liegen. Viel Spaß in den Skigebieten!

Und auch das ist seltsam: Das Ziel bleibe, unter 50 Infektionen pro 100.000 zu kommen. Wann denn? Wie realistisch ist das?

Diese Zahlengrenzen sind so unnütz wie die Maske unter der Nase.

Besser, viel, viel besser

Die Bundesregierung und die Länder haben gerade die bislang heftigsten Bewegungs- und Kontaktbeschränkungen in dieser Pandemie beschlossen. Die heftigsten bundesweit. Wer so stark die Freiheits- und Grundrechte einschränkt, muss das gut begründen.

Und zwar sehr viel besser, als es die Bundesregierung heute getan hat. Sie darf das Statistik-Durcheinander nicht weiter hinnehmen, braucht auf Schule, Restaurant, Friseur zugeschnittene statt pauschale Schutzkonzepte. Und einen besseren Schutz für Kranke und Ältere. Ein Bauchgefühl reicht wirklich nicht aus.

Sonst verhalten sich die Bürgerinnen und Bürger zu den Corona-Regeln auch aus dem Bauch heraus. Mal so, mal so. Kontrolliert wird es ja sowieso nicht.

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Polizisten tragen während einer nicht genehmigten Demonstration eine Teilnehmerin weg.

Von Reichsbürgern befeuert - Corona-Demos: Polizei als Feindbild 

Gegner der Corona-Politik richten ihren Hass immer mehr gegen die Polizei. Befeuert von Reichsbürgern werden im Netz Fotos von Beamten geteilt und diese als "Söldner" diffamiert.

von Julia Klaus
Corona-Impfzentrum in Jerusalem. Symbolbild

Nachrichten | heute 19:00 Uhr - Corona-Lage in Israel  

Israel legt ein schnelles Impftempo vor: Seit Januar bekomme Risikogruppen, Menschen ab 60 und medizinisches Personal bereits die vierte Dosis. Doch Omikron breitet sich schnell aus.

16.01.2022
von Michael Bewerunge
Videolänge
1 min
Der serbische Tennisspieler Novak Djokovic (C) verlässt die staatliche Haftanstalt des Park Hotels, bevor er am 16. Januar 2022 an einer Gerichtsverhandlung in seiner Anwaltskanzlei in Melbourne, Australien, teilnimmt. Novak Djokovic steht immer noch vor der Ungewissheit, ob er bei den Australian Open antreten kann, trotz Ankündigung in der Turnierauslosung.

Bundesgericht ordnet Ausreise an - Djokovic hat Australien verlassen 

Tennis-Star Novak Djokovic darf nicht in Australien bleiben. Ein Bundesgericht hatte die Annulierung seines Visums für rechtmäßg erklärt. Djokovic hat Australien nun verlassen.

Videolänge
2 min
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.