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Kommentar zu Corona-Maßnahmen - Echtes Fest der Stille!

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Politik und Wissenschaft streiten über die richtigen Corona-Maßnahmen. Ohne Frontalangriff lässt sich das Virus nicht bekämpfen, meint Peter Kunz.

Kommentar: Peter Kunz: Ohne Frontalangriff lässt sich das Virus nicht bekämpfen
Peter Kunz, Leiter des ZDF-Landesstudios Niedersachsen in Hannover, fordert in seinem Kommentar beherzte Entscheidungen der Politik gegen das Coronavirus.
Quelle: ZDF/dpa

Corona führt uns seit Monaten ins Unbekannte, ins Dunkle. Wir lernen täglich dazu über das Virus, und doch überrascht es uns immer neu. Oder wir lassen uns überraschen. Indem wir zum Beispiel glauben, ein kurzer lockerer Sommer macht den "Bioterroristen" SARS-CoV-2  weniger aggressiv. Die Wissenschaft versucht, die aus Proteinen gebauten Zerstörungsmaschinen mit ihren Mitteln in den Griff zu bekommen; die Politik greift angesichts immer höherer Todeszahlen in Deutschland derzeit ins Leere.

Oder sagen wir, sie hat ihren Griff auf die Krise verloren. Bisher hatten Wissenschaft und Politik eine Art Arbeitsvertrag: Wissenschaftler lernen und beraten, Politiker fällen auf der Grundlage der Forschungserkenntnisse ihre Entscheidungen. Expertenbasierte Demokratie, so konnte man das nennen. Aber der Pakt zwischen Virologen und Volksvertretern droht jetzt zu reißen.

Was ist schlimm an Stille und Besinnung an Weihnachten?

Der Schattenkanzler der Wissenschaftsrepublik, Christian Drosten, sagt, die Politik entscheide sich gegen die Wissenschaft, wenn sie nicht ab nächste Woche Richtung harter Lockdown steuere. Und seine Berufskollegin Melanie Brinkmann wird zitiert, sie verliere den Glauben an die deutsche Politik, wenn jetzt nicht klare Kante gegen Corona gezeigt würde.

Die Bundeskanzlerin hat im Bundestag heute deutlich markiert, dass wir uns alle am Riemen reißen müssen, wenn wir einen Durchmarsch von Corona noch aufhalten wollen. Und recht hat sie: Was ist schlimm daran, wenn Weihnachten in diesem Jahr mal eine längere Zeit der Stille und Besinnung würde?

Schulen bitte ab 14. Dezember schließen!

Schlimmer wären weitere neue Rekorde bei täglichen Todeszahlen. Die Wirtschaft blutet noch mehr aus, wenn wir dem Virus Monate hinterherlaufen, statt es beherzt mit den vorhandenen Mitteln und Möglichkeiten zu überholen.

Dazu gehört auch, ab 14. Dezember die Schulen zu schließen, mit verlängerten Ferien im Januar. Es wird unsere Kinder nicht langfristig dümmer machen, aber die Gesellschaft gesünder. Der Streit um die Wirkung von Corona an Schulen ist zu sehr zum Politikum geworden. Weil sie auf Corona-Teufel komm raus offen bleiben sollen. Aber was hilft da das Gesundbeten?

Liebe Politik: Vergesst die Angst vor dem Superwahljahr

Wo Corona in Schulen hineingetragen wird, kommt es vervielfältigt auch wieder hinaus. Weil die Gesundheitsämter, aber auch die Schulen selbst, mit schneller Reaktion überfordert sind. Weil Kinder, deren Corona-Apps nach Begegnungen mit infizierten Lehrern rot zeigen, zuhause bleiben. Während die andere Hälfte der Klasse, die keine App hat, in den Unterricht geht. Wo alle sich durchwurschteln, findet SARS-CoV-2 seinen Weg.

Liebe Wissenschaft: Gebt nicht auf, die Politik zu beraten, bis und gerade wo es wehtut. Liebe Politik: Vergesst die Angst vor dem Superwahljahr 2021, die euch ganz offensichtlich zaudern und zögern lässt. Ohne einen Frontalangriff gegen das Virus wird Corona im Jahr 2021 der einzige wahre Sieger sein, und davon haben wir alle nichts. Höchstens eine noch längere dunkle Zeit.

Peter Kunz ist Leiter des ZDF-Landesstudios Niedersachsen in Hannover.

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