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Kommentar zu Corona-Maßnahmen : Wir haben längst verstanden!

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Endlich liegen die neuen Corona-Maßnahmen vor. Was für eine schwere Geburt! Und nun trieft das Papier von Bund und Ländern vor Vorwürfen. Das ist unnötig.

Ein Weihnachtsbaum und die Hütte für die Krippe stehen auf dem Domplatz vor Mariendom und Severikirche am 23.11.2020 in Erfurt
Quelle: dpa

Es dauert bei der Pressekonferenz von Bund und Ländern nur wenige Minuten, dann kommen die Ermahnungen. Damit Weihnachten, Silvester gefeiert werden können, komme es auf jeden Einzelnen an, sagt Kanzlerin Angela Merkel. Es brauche nun "Geduld, Solidarität, Disziplin". Man ermögliche gerade mehr, sagt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, als die Zahlen eigentlich hergeben. Und Bayerns Regierungschef Markus Söder setzt noch einen drauf: "Zu den Appellen kommen jetzt auch die Regeln."

Seid schön brav, dann heissa, Kinder, kann es übermorgen auch etwas geben. So klingt es seit Wochen. Diese ständigen Drohungen "Wenn, dann" sind allerdings nicht nur unnötig. Sie sind auch völlig deplatziert.

Danke, keine Nachhilfe nötig

Die überwiegende Mehrheit dieses Landes hat sehr wohl verstanden, dass Corona eine totbringende Krankheit sein kann. Und dass das Virus nicht nach zwei Wochen Shutdown verschwindet. Auch nicht nach Silvester. Wir haben seit März schon eine Menge Urlaube, Feste, Besuche, Konzerte ausfallen lassen. Wir kämpfen jeden Tag mit neuen Arbeitsbedingungen, mit Zukunftsängsten, drohendem Homeschooling, Kontaktsperren, ausfallenden Lebensfreuden.

Schon längst laufen die Diskussionen, wie Weihnachten trotz allem schön werden kann - in manchen Familien vielleicht sogar zum ersten Mal. Jeder will übernächstes Jahr im Idealfall in gleicher Konstellation wieder zusammenkommen. Die Kirchengemeinden lassen sich viel einfallen, um trotzdem Gottesdienste anzubieten. Buchläden fahren die Ware aus, der Weinladen bietet Verkostung am Stehtisch draußen an, Weihnachtsmarktbuden stehen in der Stadt verteilt. Nachhilfe in Einfallsreichtum und Vernunft ist völlig unnötig. Wir haben schon längst verstanden.

Bund und Länder brauchen etwas länger

Und viele haben mit ziemlicher Geduld ertragen, dass Bund und Länder für manche Einsichten etwas länger brauchten. Dabei muss man gar nicht noch einmal auf dem desaströsen vorigen Treffen und den verlorenen anderthalb Wochen rumhacken. Jetzt hat man sich endlich auf das geeinigt, was längst auf der Hand lag: Mehr Busse im morgendlichen Schülerverkehr zum Beispiel. Der ganze Schulalltag wird vielleicht entzerrt, was bei den Älteren einfacher ist als bei den Kleinen.

Außerdem soll mehr Abstand bei Bahnfahrten möglich werden, indem nebeneinanderliegende Sitze nicht mehr reservierbar sind. Und wenn, wie in Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein zum Beispiel, die Infektionszahlen niedriger sind, dann müssen dort Lockerungen eher möglich sein. Doch auch darin liegt ein Problem, das Bund und Länder schon wieder nicht gelöst haben. Wer darf zuerst öffnen? Die Vorgaben sind schwammig. Soll es erst das Restaurant, dann das Konzert oder das Fitnessstudio sein? Oder umgekehrt? Es fehlt eine echte Exit-Strategie, ohne dass nach zehn Tagen der Lockdown wieder von vorn losgehen muss.

Immense Versprechen - muss man halten

Bund und Länder haben ihren Part heute nur mäßig erfüllt, dafür aber immense Versprechen gemacht. Stichwort Schnelltest. Sie sollen ab 1. Dezember an vielen Stellen eingesetzt werden. Wo sollen die plötzlich alle herkommen? Wo bekommen sie Schulen, wenn eine Klasse in Quarantäne muss? Stichwort FFP2-Masken für Risikogruppen: Ab wann, für wen, wer verteilt? Stichwort Schnelltests in Pflegeheimen: Wann, wer macht das?

Wenn das wieder alles so lange dauert wie bei den Novemberhilfen - das Antragsformular gibt es seit heute! - dann sprießen bis zur Umsetzung die Schneeglöckchen, Schulleitungen sind im Burnout und ein Großteil der Gastronomiebetriebe ist pleite.

Appelle reichen nicht

Übertrieben? Vielleicht. Man könnte bei vielem großzügig sein: Schwamm drüber, es ist für alle die erste Pandemie. Es ist aber diese Grundhaltung, die nervt und die auch wieder aus diesem Papier und aus dieser Pressekonferenz spricht. So zu tun, als bekomme man mit Drohungen und Verboten das Virus in den Griff. Konsequenz bei der Durchsetzung der Maßnahmen wäre besser. Appelle sind zu wenig.

Auf unsere Symptome, auf Oma und Opa passen wir schon selbst auf.

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