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Bitte etwas weniger Endzeitstimmung

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Kritik an Krisenkommunikation - Bitte etwas weniger Endzeitstimmung

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In der Corona-Krise wählen Regierende oft drastische Worte. Beobachter finden, sie arbeiten auch mit Angst - dabei würde etwas weniger Endzeitstimmung der Kommunikation gut tun.

Der zweite Lockdown naht. Die Zügel werden angezogen. Die Lage ist ernst. Mit diesen drastischen Worten mahnt die Politik die Bürger. Ist das die richtige Krisenkommunikation?

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Es droht "Unheil", sagt Kanzlerin Angela Merkel im Anschluss an den sogenannten Corona-Gipfel. "Wir sind einem zweiten Lockdown näher, als wir wahrhaben wollen", orakelt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagt im ZDFheute-Interview, 10.000 Infizierte wären "eine mittlere Katastrophe".

Was für Worte.

"In den letzten Tagen häufen sich immer mehr die allerschlechtesten Szenarien in der Öffentlichkeit - meist von der Politik gestreut, aber auch von Virologen", sagt Wolfgang Merkel, Politikwissenschaftler am Wissenschaftszentrum Berlin. Natürlich sei die Angst wissenschaftlich gerechtfertigt. Dennoch dürften auch Politiker "etwas zurückhaltender mit diesen Endzeitszenarien" sein, sagt er der ZDF-Sendung "Berlin direkt".

Warum Angst kein guter Ratgeber ist

Vor allem eine Frage rückt zunehmend in den Mittelpunkt der Diskussion: Erreicht man mit Alarmismus nicht eher das Gegenteil dessen, was man erreichen will? Schalten Menschen bei zu viel Warnung irgendwann ab? "Wir sollten wissen, dass über Angst keine Regierung dauerhaft regieren kann", sagt Wolfgang Merkel. Ist also die Krisenkommunikation der Regierenden kontraproduktiv?

In der Corona-Krise wird viel durch Angst regiert, kritisiert Professor Wolfgang Merkel, Politikwissenschaftler am Wissenschaftszentrum Berlin.

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Die Regierenden hätten bisher viel kommuniziert. Aber ob sie auch gut kommuniziert hätten, da ist sich Peter Dabrock, ehemaliger Vorsitzender des Ethikrates, nicht sicher. "Ich habe den Eindruck, dass viel von oben nach unten kommuniziert worden ist", sagt er. "Ich glaube man hätte stärker auf Augenhöhe kommunizieren müssen." Die Politik hätte mehr auf die Bürger hören und ihnen vermitteln müssen, dass sie selber Experten ihres eigenen Lebens sind.

Mehr Empathie von Merkel verlangt

Der ehemalige Regierungssprecher von Gerhard Schröder, Béla Anda, sieht dabei auch Schwachpunkte in der Krisenkommunikation Angela Merkels. Er wünsche sich zum Beispiel mehr Erklärungen und Empathie von Merkel. Anda sagt:

Man muss sich auch mal treffen mit Rettungssanitätern, Krankenschwestern und Künstlern.
Béla Anda, ehem. Regierungssprecher

Dadurch könne die Politik deutlich machen, dass sie näher bei den Menschen wäre. "Ich glaube, das erwarten alle", so Anda.

Ex-Regierungssprecher Béla Anda kritisiert im ZDF die Krisenkommunikation der Kanzlerin. Merkel fehle Empathie in der Krise. Sie müsse sich auch mal mit Betroffenen treffen.

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Bundesregierung: Keine Panikmache

Die Bundesregierung weist den Begriff "Panikmache" zurück. Regierungssprecher Steffen Seibert etwa sagt, er sei ganz gegen diesen Begriff. Er kenne auch niemanden in der Bundesregierung, der Panik mache.

Wir beschreiben eine Situation, die wir für ernst halten, von der wir auch überzeugt sind, dass es Gegenmittel gibt.
Steffen Seibert, Regierungssprecher

Kanzlerin Merkel hatte am Samstag an die Menschen appelliert, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben. Zuvor hatte das Robert Koch-Institut fast 8.000 Neuinfektionen gemeldet. Am heutigen Sonntag sind es - wie üblich - etwas weniger. Allerdings zählt das RKI mit über 5.000 neuen Fällen einen sehr hohen Wert für einen Sonntag.

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