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Situation in den Kliniken - "Corona-Lage momentan nicht unter Kontrolle"

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"Die Corona-Lage ist sehr besorgniserregend und momentan nicht unter Kontrolle", sagt Divi-Präsident Gernot Marx. Greifen die Maßnahmen nicht, droht Notfallversorgung - für alle.

Auf der Corona-Intensivstation in Stuttgart. Symbolbild
Die Intensivstationen in den Kliniken sind voll. In manchen Regionen müssen Patienten in andere Kliniken verlegt werden.
Quelle: Marijan Murat/dpa

Dramatischer könnte der Appell kaum sein. Die Ärztinnen und Ärzte aus Stadt und Landkreis Rosenheim in Bayern wenden sich per Zeitungsannonce an die Bürgerinnen und Bürger:

Die lebenssichernde Versorgung, auf die wir uns bisher immer verlassen konnten, existiert nicht mehr! Der Zusammenbruch der medizinischen Versorgung droht Realität zu werden.
Ärzteschaft Rosenheims

Dazu die Bitte, sich dringend impfen zu lassen.

Die Rosenheimer Ärzteschaft zeigt damit das an, was bundesweit passieren könnte: Die Umstellung auf eine reine Notfallversorgung. Steigt die Zahl der Covid-19-Patienten ungebremst weiter, könnten diese und Notfallpatienten noch versorgt werden. Andere Operationen aber müssten völlig ausfallen.

Überlastung als Dauerzustand

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8 min
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Kliniken in "akuter Überlastungssituation"

Gernot Marx ist Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi). Er sagt:

Die Corona-Lage ist sehr besorgniserregend und momentan nicht unter Kontrolle.
Gernot Marx

Derzeit liegen 3.849 Covid-Patienten auf den Intensivstationen, davon muss gut die Hälfte beamtet werden. Fast 1.100 Patienten wurden in der vergangenen Woche aufgenommen. Geht das so weiter, sei bundesweit das zu befürchten, was in Sachsen, Bayern und Thüringen schon heute der Fall ist: "eine akute Überlastungssituation" in den Kliniken, so Marx.

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Die Patienten dort könnten nur noch versorgt werden, weil Patienten in andere Krankenhäuser verlegt werden und planbare Operationen verschoben werden. Allerdings droht die Überlastung nicht überall. Es gibt regionale Unterschiede: In Gegenden, wo die Impfquote höher ist, sind die Betten der Intensivstation weniger belegt.

  • Das ist in Köln zum Beispiel so. In Aachen aber liegt der Anteil freier Intensivbetten bei unter zehn Prozent.
  • Ähnlich Unterschiede gibt es im Norden. Wegen der niedrigeren Inzidenz geht es in vielen Kliniken noch, Engpässe gibt es in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern: Kliniken in Demmin, Boizenburg, Ludwigslust und Grevesmühlen meldeten volle Intensivstationen.
  • In Brandenburg sind die Kliniken an der Grenze zu Sachsen und Thüringen am Rande der Überlastung. Noch können Patienten nach Berlin verlegt werden. "Aber nicht großen Mengen, das geht nicht", sagt Steffen Weber-Carstens, Leiter des Divi-Intensivregisters und Arzt an der Berliner Charité. Auch in Berlin sei die Lage "angespannt". Im Schnitt kommen 25 neue Patienten, Covid und andere Notfälle, auf die Intensivstation. "Es ist sehr, sehr eng", so Weber-Carstens.

"Impfbonus schon ausgeschöpft"

Damit ist wieder die Corona-Situation wie im vorigen Herbst erreicht. Wegen der höheren Inzidenzen durch die Delta-Variante sei aber der "Impfbonus bei einer Inzidenz zwischen 300 und 400 ausgeschöpft", sagt Andreas Schuppert, der die Divi-Prognosen für die zu erwartende Auslastung erstellt.

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Bayern hat den damaligen Höchststand jetzt schon überschritten. Bundesweit ist spätestens nächste Woche zu erwarten, dass wie damals 4.500 Covid-Patienten auf den Intensivstationen liegen. Greifen die Maßnahmen zum Brechen der vierten Welle nicht, könnten es mehr als 6.000 werden.

Hauptproblem der Kliniken: 4.000 Intensivbetten mussten im Lauf des Jahres abgebaut werden, die Notfallreserve sank von 10.300 auf 900 Betten. "Das ist die Konsequenz aus dem Personalmangel", so Christian Karagiannidis, der ebenfalls für das Divi-Intensivregister verantwortlich ist. Aufgrund der Dauerbelastung habe Pflegepersonal gekündigt, habe die Arbeitszeit reduziert.

Sachsen: "Wir müssen triagieren"

Divi-Präsident Marx appellierte an die Bevölkerung, sich impfen und boostern zu lassen. Die Impfzentren müssten wieder aufgebaut werden, um mehr Tempo zu bekommen. Außerdem solle die Politik für den 9. Dezember "zusätzliche Maßnahmen vorbereiten", falls die Situation bis dahin nicht besser ist.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) kann sich angesichts der stark steigenden Corona-Zahlen eine allgemeine Impfpflicht vorstellen. "Wir werden nur durch eine Impfpflicht aus der Endlosschleife der Pandemie herausfinden", so Holetschek.

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Dann wollen Bund und Länder wieder zusammensitzen. Nur wegen dieses Überprüfungstermins hatten die CDU-Länder dem neuen Infektionsschutzgesetz ohne epidemische Lage von nationaler Tragweite zugestimmt.

Sachsen wird so lange nicht warten können. Schon bald, so der Präsident der Landesärztekammer, Erik Bodendieck, werden dort zwei Patienten um ein Bett kämpfen müssen. Dann sei entscheidend, wer die besseren Aussichten habe. "Wir müssen triagieren", sagte er NDR info.

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