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Flüchtlinge: Corona-Krise auf engstem Raum

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Sorge in Ankerzentren - Flüchtlinge: Corona-Krise auf engstem Raum

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Die Sorge vor der Ausbreitung des Coronavirus in Flüchtlingszentren ist groß. Es wird großflächig getestet, soziale und Freizeit-Angebote werden stark zurück gefahren.

Wegen der Corona-Krise können Flüchtlinge kaum mehr ausreichend unterstützt werden. Dazu äußert sich die Flüchtlingsberaterin der Caritas Gabriele Pulm-Muhr.

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"Abstand halten" – heißt es auf den Infoblättern, die in verschiedenen Sprachen in den Ankerzentren und Flüchtlingsunterkünften landesweit verteilt werden. Doch das ist schon in normalen Zeiten schwierig.

In solchen Sammelunterkünften leben Asylsuchende auf engstem Raum - meist in Mehrbettzimmern mit Gemeinschaftsduschen und Toiletten auf dem Gang. Bisher gab es unter den Asylbewerbern 32 bestätigte Corona-Infektionen an zwölf Standorten in neun Bundesländern – das ist vergleichsweise wenig, dennoch ist die Sorge der Bewohner groß.

Wie angespannt die Lage ist, zeigt sich am Beispiel von Suhl in Thüringen: Dort kam es in einer Unterkunft mit 533 Geflüchteten zu Unruhen, nachdem die gesamte Einrichtung unter Quarantäne gestellt und abgeriegelt wurde. Polizei und Wasserwerfer wurden eingesetzt, um die Lage zu beruhigen. Anscheinend waren die Anwohner nicht ausreichend informiert und glaubten, eine Massenabschiebung stehe bevor.

Neue Asylsuchende werden sofort getestet

Um das Infektionsrisiko in Sammelunterkünften zu reduzieren, werden Neuankömmlinge verdachtsunabhängig auf COVID-19 getestet. Bei Symptomen werden sie umgehend zu den ansässigen Ärzten geschickt. Allein in Bayern wurden bislang rund 2.000 verdachtsunabhängige Tests durchgeführt. Bislang gab es 19 bestätigte Corona-Fälle bei Geflüchteten.

Um die Bewohner zu schützen, wurde auch das Freizeit- und Beratungsangebot in den Flüchtlingsunterkünften stark eingeschränkt: es gibt keine Sprachkurse, keine Schule, keine Kita und kein Sportprogramm. In Bayern dürfen Haupt- und Ehrenamtliche der Wohlfahrtsverbände und Flüchtlingsorganisationen die Unterkünfte nur in Ausnahmefällen betreten.

Labore in der ganzen Welt forschen nach schnellen Tests für das Coronavirus. Bis zu 500.000 Tests pro Woche werden allein in Deutschland benötigt.

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Sozialarbeiter beraten per Telefon

Die Sozialarbeiter bieten telefonische oder Online-Beratung an – für viele wegen der Sprachschwierigkeiten ein Hemmnis. "Besonders Familien leiden unter der Krise und Menschen, deren Angehörige noch in Flüchtlingslagern, wie beispielsweise in Moria, Griechenland, ausharren, wo das Infektionsrisiko besonders groß sei", so Gabriele Pulm-Muhr. Die Flüchtlingsberaterin der Caritas kommt nach wie vor in Notfällen zu persönlichen Gesprächen ins Ankerzentrum Ingolstadt.

Auch die Rechtsantrags-Stellen in den Anker-Zentren sind nicht mehr besetzt. Das heißt Asylsuchende, die gegen einen negativen Bescheid fristgerecht Einspruch erheben wollen, bekommen keine rechtliche Beratung.

Vorerst keine Asyl-Ablehnungen

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat nun in Absprache mit dem Bund und den Ländern entschieden: Bis Ostern sollen erst einmal keine weiteren negativen Bescheide an Asylbewerber verschickt werden.

Das Bundesinnenministerium wiederum hatte diese Woche entschieden, sämtliche Abschiebungen in andere EU-Staaten vorübergehend auszusetzen. Flüchtlingsräte fordern auch, Rückführungen in Drittstaaten, wie Pakistan, Afghanistan oder Nigeria während der Corona-Krise auszusetzen.

Bayern hat zwar weiterhin vor, Straf- und Gewalttäter abzuschieben – doch nur, wenn es kein Risiko für die Rückzuführenden und die begleitenden Polizeibeamten gäbe, so Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Momentan scheint dieses Risiko wohl zu groß. Sowohl Bayern als auch die meisten anderen Bundesländer haben ihre geplanten Abschiebungen erst einmal aufgeschoben.

Jutta Sonnewald ist Reporterin im Landesstudio Bayern

Illustration des Corona-Virus

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