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Corona-Krisenmanagement : Der verlorene Kompass

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Lässt sich eine Pandemie von der Politik einfach so wegwischen? Sicherlich nicht. Aber sie hat die Aufgabe, uns so gut wie möglich durch die Krise zu steuern. Eine Bestandsaufnahme

Abgesperrte Tische und Stühle eines Lokals am Alten Platz in Klagenfurt
Abgesperrte Tische und Stühle eines Lokals am Alten Platz in Klagenfurt
Quelle: dpa

Man glaubt es kaum, aber wir haben in Deutschland tatsächlich eine DIN-Norm für Krisenmanagement. Die Technische Spezifikation trägt die Bezeichnung DIN CEN/TS 17091. Ein Allheilmittel scheint sie nicht zu sein. Wie auch in einem Prozess, dessen Verlauf niemand genau vorhersagen kann. Aber eigentlich soll Krisenmanagement das auch gar nicht - sondern vor allem hilfreich dabei sein, die Krise zu meistern.

Pandemiemanagment mit vielen Faktoren

Wenn es beim Deutschen Ärztetag heute also unter anderem um Pandemiemanagement geht, könnte man aktuell kaum ein breiter gefächertes Thema auswählen. Natürlich geht es um Zahlen bei der Schutzausrüstung, die in Krankenhäusern vorgehalten werden soll. Oder Auswirkungen auf die Krankenhausplanung der Zukunft. Aber eben auch um viel mehr.

Das medizinische Krisenmanagement ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Jede Klinik weiß eigentlich genau, wie sie im Fall einer Pandemie vorzugehen hat und ist darauf auch gut trainiert.
Frank Roselieb, Direktor des Instituts für Krisenforschung in Kiel

So regeln beispielsweise individuelle "Krankenhaus-Alarm- und -Einsatzpläne" - die sogenannten "KAEP" - die medizinische Bewältigung von Katastrophenfällen oder größeren Notfällen. Anders beim nicht medizinischen Bereich, der die gesamte restliche Bandbreite von Staat und Gesellschaft umfasst.

Beim nicht medizinischen Krisenmanagement haben es die Akteure in der Regel mit vier Phasen zu tun, so Roselieb:

  • Krisenprävention
  • Früherkennung
  • Krisenbewältigung
  • Krisennachbereitung

Je länger die Pandemie, desto mehr Erkenntnisse

"Beim letzten Punkt, der Nachbereitung, sind wir längst noch nicht angekommen. Aber über die ersten drei Phasen haben wir schon eine Menge Erkenntnisse", so der Krisenexperte. So sei Deutschland beim Thema Prävention gut vorbereitet gewesen.

Corona war kein schwarzer Schwan, also dieses völlig überraschende Ereignis aus heiterem Himmel.
Frank Roselieb

Innerhalb der vergangenen 20 Jahre sei dies bereits die vierte, fünfte Pandemie bzw. Epidemie, Deutschland sei gut auf solche Ereignisse vorbereitet gewesen. Mit Anweisungen vom RKI, mit Übungen aus der Vergangenheit.

Zu zögerlich in der Frühphase

Anders bei der Früherkennung: "Man sah, da braute sich irgendwie etwas zusammen, aber das war am 31. Dezember 2019 eine Meldung von 150 Hinweis- und Gefahrenmeldungen der WHO, die die Experten jedes Jahr erhalten", erinnert sich Roselieb.

Im Nachhinein haben alle das tatsächliche Gewicht anfangs unterschätzt oder ignoriert.
Frank Roselieb

Das änderte sich allerdings, als klar wurde, dass in der Millionenmetropole Wuhan plötzlich die Krankenhausbetten nicht mehr ausreichten.

Ab da begann auch der Teil der Krisenbewältigung in Deutschland - mit immer wieder widersprüchlichen Signalen aus der Politik. Beispielsweise über Sinn und Unsinn von Masken. Problematisch waren auch die Besuche von Fitnessstudios nach dem Homeoffice oder Spielstunden auf dem Spielplatz bei bereits geschlossenen Schulen.

Eine Zeitlang fehlte in der Bevölkerung das Bewusstsein für die Krise, bis Angela Merkel das dann mit ihrer Rede gerade gerückt hat.
Frank Roselieb, Direktor des Instituts für Krisenforschung in Kiel

Im Sommer ging die Orientierung verloren

Mit der Sommerfrische nach dem harten Lockdown sei der Politik in Deutschland dann allerdings der Kompass verlorengegangen. "Viele politische Entscheider dachten wirklich, das sei es nun gewesen." Was folgte, waren Fehleinschätzungen und Versäumnisse, zu zaghafte Impfdosen-Bestellungen beispielsweise.

Da hat man um jeden Euro verhandelt, um Geld zu sparen, ohne den Blick darauf, was jeder Tag Lockdown kostet.
Frank Roselieb

Oder der Switch von Alltags- auf FFP2-Masken oder eine Optimierung der Corona-App, die kaum jemand mehr nutzte. Und über allem dann auch noch der offen ausgelebte Konflikt um das Thema Föderalismus.

Deutschland also ein Versager beim Pandemiemanagement?

Es gab Fehler und Versäumnisse, aber versagt hat Deutschland nicht.
Frank Roselieb

Im Frühsommer 2020, da seien wir noch der Klassenprimus gewesen. Statt der 1 stehe nun eine 3 minus auf dem Zeugnis. "Aber auch mit einer 3 besteht man immer noch das Abi."

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