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Kubickis "Wissenschaftsverachtung"

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Kritik an RKI-Zahlen - Kubickis "Wissenschaftsverachtung"

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FDP-Vize Wolfgang Kubicki nennt die Corona-Zahlen des Robert-Koch-Instituts politisch motiviert. Kritiker und Experten werfen ihm Wissenschaftsverachtung und Populismus vor.

FDP-Vize Wolfgang Kubicki.
FDP-Vize Wolfgang Kubicki.
Quelle: Philipp von Ditfurth/dpa/Archivbild

Der Vorwurf wiegt schwer. Sehr schwer. Frisiert das Robert-Koch-Institut (RKI) Corona-Zahlen, um die Bedrohung durch die Pandemie aufzubauschen? Und steckt dahinter Politik? FDP-Vize Wolfgang Kubicki nährt diese Interpretation - denn er kritisiert, die sogenannte Reproduktionszahl sei ausgerechnet kurz vor den heutigen Beratungen von Bund und Ländern wieder gestiegen. ZDFheute sagt er:

Der Zeitpunkt der Steigerung des politisch relevanten R-Wertes ist interessant.
Wolfgang Kubicki, FDP-Vize

Kubicki rechnet vor, er selber habe Anfang der Woche einen R-Wert von 0,875 errechnet - anders als RKI-Präsident Wieler, der Anfang der Woche einen R-Wert von 1,0 berechnet hatte. Die zuvor als bedrohlich erklärte Marke von 1,0 entfalte eine besondere Wirkung, sagt Kubicki. Und weiter:

Ob die Tatsache, dass es sich beim RKI um eine nachgeordnete Behörde des Gesundheitsministeriums handelt, eine Rolle gespielt hat, darüber darf und muss diskutiert werden.
Wolfgang Kubicki, FDP-Vize

Wie Kubickis Worte im Netz wirken

Wie bitte? Soll das heißen, das Gesundheitsministerium bestellt bei seiner Behörde einen höheren R-Wert, damit Kanzlerin Merkel ein weiteres Argument hat gegen Lockerungen? Kubicki ist gerissen genug, diesen Vorwurf selber nicht zu formulieren.

Doch im Netz ist er genau so zu hören. Merkel sei der Absender der Gehaltschecks für RKI-Mitarbeiter, schreibt ein Nutzer bei Twitter. Merkel manipuliere das RKI, um Warnungen aussprechen zu können, twittert ein anderer. Eine Stimmung, wie in einer Klimaleugner-Diskussion.

Kanzlerin Merkel erklärt die Infektionsketten von Corona: "Wenn jeder nur 1,3 Menschen ansteckt, sind wir im Juni an der Belastungsgrenze unseres Gesundheitssystems."

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Die SPD-Politikerin Christina Kampmann wirft Kubicki die Verächtlichmachung von Wissenschaft vor. Und auch Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann (SPD) kritisiert Kubicki in der FAZ. Zwar stimme es, dass die Bundesregierung ihre Corona-Strategie klar benennen müsse.

Doch Kubicki erwecke den Eindruck, er unterstelle dem RKI und am Ende sogar der eng mit ihm zusammenarbeitenden Bundeskanzlerin "böse Absicht". Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar wird noch deutlicher. ZDFheute sagt er:

Kubickis Worte sind populistisch.
Ranga Yogeshwar

Yogeshwar wirft Kubicki Populismus vor

Yogeshwar erkennt ein Muster. Kubicki habe keinesfalls nur das RKI krititisiert, sondern Emotion über die dringend gebotene Rationalität gestellt. Politikern wie Kubicki wirft er vor, "sich allzu oft an Umfragewerten und Beliebtheitsskalen zu orientieren, statt den Menschen Orientierungshilfen zu geben".

Yogeshwar beklagt einen Stimmungsumschwung gegenüber Virologen und fordert eine "aufgeklärte politische Klasse, die in der Lage wäre, den unbequemen Lockdown in seiner Notwendigkeit zu vermitteln und trotz verständlichem Widerstand dafür einzustehen".

Auch in der FDP "Irritationen"

Auch in der eigenen Partei gibt es "Irritationen" über Kubicki, etwa über sein Vorgehen. Die Frage, ob Kubicki die FDP strategisch Richtung AfD bewegen wolle, will so niemand beantworten. Wohl aber sei die Not groß, derzeit wahrgenommen zu werden.

FDP-Parteichef Christian Lindner hatte zuletzt die Strategie ausgegeben, sich über das Thema Lockerungen zu profilieren. Er selber hatte in der ARD - ähnlich wie Armin Laschet - Wissenschaftler diskreditiert, kritisierte einen "Widerspruch der virologischen und epidemiologischen Positionen."

Streit zwischen Yogeshwar und Lindner

Das ist eine Nummer kleiner als Kubickis RKI-Kritik. Die will Lindner auf ZDF-Nachfrage nicht teilen. Das könnte auch daran liegen, dass Lindner Anfang der Woche einen kleinen Streit hatte mit Ranga Yogeshwar. Yogeshwar hatte Lindner auf dessen Wissenschaftskritik angesprochen. Und ihn gebeten, solche Äußerungen künftig zu unterlassen.

Yogeshwar klingt diplomatisch, wenn er die Szene beschreibt. Das dürfte darauf hindeuten, dass er Lindner ordentlich den Kopf gewaschen hat.

Maybrit Illner fragt FDP-Chef Lindner nach Kubickis RKI-Kritik. Sehen Sie "maybrit illner" vom 30. April in voller Länge. Das Thema: "Die Politik macht auf – die Unsicherheit bleibt?"

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