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Ursprung des Coronavirus - Uni Hamburg verbreitet fragwürdige Theorie

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Geht die Corona-Pandemie auf einen Laborunfall in Wuhan zurück? Diese Theorie verbreitet die Uni Hamburg. Die Quellen: unter anderem "Focus", Twitter und Youtube.

Ein Sicherheitsmann vor dem Wuhan Institut für Virologie. Archivbild
Ein Sicherheitsmann steht vor dem Wuhan Institut für Virologie.
Quelle: Ng Han Guan/AP/dpa

Kommt das Coronavirus aus einem chinesischen Labor? Für die meisten Forscher und auch die Weltgesundheitsorganisation kann diese Frage bislang nicht abschließend geklärt werden. Die Mehrheit der wissenschaftlichen Studien im vergangenen Jahr sah jedoch Belege für einen natürlichen Ursprung des Virus

In dieses Stimmungsbild drängt die Universität Hamburg am Donnerstag mit einer explosiv klingenden Veröffentlichung. Ihr Physikprofessor Roland Wiesendanger schreibt ein mehr als 100-seitiges Thesenpapier und behauptet gegenüber ZDFheute:

Ich bin mir zu 99,9 Prozent sicher, dass das Coronavirus aus dem Labor kam.
Physikprofessor Roland Wiesendanger
Roland Wiesendanger
Professor Roland Wiesendanger, Physiker an der Universität Hamburg
Quelle: Sebastian Engels

Diverse Medien wie die "Bild"-Zeitung greifen diese Thesen auf, zwischenzeitlich trendete "Uni Hamburg" bei Twitter. Doch die Veröffentlichung weist offensichtliche inhaltliche Mängel auf. 

Quellen für Labor-Theorie: Artikel aus "Focus", Youtube-Videos 

So verwendet Wiesendanger fragwürdige Quellen: unter anderem Artikel des Magazins "Focus", des bei Verschwörungstheoretikern beliebten Portals "Epoch Times”, daneben Wikipedia-Artikel, Twitter-Accounts und Youtube-Videos. Ein als Quelle genanntes Video vom 1. April trägt den Titel "Ich habe den Ursprung des Coronavirus gefunden".

Daneben tauchen auch vertrauenswürdigere Quellen wie wissenschaftliche Primärliteratur auf. Doch die sind nicht neu: "Es handelt sich lediglich um eine Kompilation altbekannter Dokumente und Theorien zu einem möglichen Laborunfall", erklärt Volker Stollorz, Redaktionsleiter des Science Media Centers in Köln im Gespräch mit ZDFheute. 

Eine Studie kann und darf man das nicht nennen.
Volker Stollorz, Redaktionsleiter Science Media Center

Die Hypothesen zum Ursprung des Coronavirus würden international seit Monaten intensiv in der Fachwelt diskutiert, so Stollorz. Weiterhin blieben alle Möglichkeiten auf dem Tisch, belegt sei keine. 

WHO-Experten haben zwei Kliniken in Wuhan besucht, um den Ursprung von Corona zu erforschen. Sie sollen mit Medizinern gesprochen haben, die zu Beginn des Ausbruchs im Dienst waren.

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Uni-Papier gedacht für Öffentlichkeit, nicht für Wissenschaft

Doch eine wissenschaftliche Studie wollte Wiesendanger offenbar auch gar nicht schreiben: Sein Papier sei "nicht für die Wissenschaftscommunity, sondern für die Öffentlichkeit" bestimmt, erklärte er gegenüber ZDFheute.  

Daraus, dass er als Physiker eigentlich fachfremd ist, und er teilweise unwissenschaftliche Quellen verwendet, macht Wiesendanger keinen Hehl. "Ja, die Studien kommen nicht alle aus peer-reviewten Papern. Und das ist auch keine Weltneuheit. Im Prinzip hätte das jeder Journalist so herausfinden können."

Björn Meyer, Virologe am Institut Pasteur in Paris, hat die Thesen Wiesendangers für ZDFheute eingeordnet:

Wiesendanger gilt als renommierter Physikprofessor. Auf dem Gebiet der Pandemien und Viren hat er jedoch bislang nicht publiziert.

Offizieller Briefkopf der Universität Hamburg

Das Papier trägt den offiziellen Briefkopf der Universität. Die verschickt auch eine Pressemitteilung und twittert darüber. Große Aufmerksamkeit ist also sicher. 

Wiesendanger selbst erzählt ZDFheute, dass er die Veröffentlichung gemeinsam mit Uni-Präsident Dieter Lenzen geplant habe. "Ich bin stolz auf den Präsidenten der Universität Hamburg. Wir haben sehr umfangreich über die Szenarien gesprochen, welche Reaktionen es auf die Veröffentlichung geben wird. Reaktionen, die uns in die Ecke von Verschwörungstheorien stellen wollen."

Das scheint nun einzutreten. Die Kritik an der Universität Hamburg bei Twitter ist überaus deutlich.

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