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Ministerium gibt keine Auskunft : Wie kommt Lauterbach auf 500 Corona-Tote?

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Sollte Deutschland jetzt lockern, drohen laut Gesundheitsminister Lauterbach 400 bis 500 Corona-Tote pro Tag. Wie kommt er auf diese Zahl? Das Ministerium schweigt zur Berechnung.

Karl Lauterbach am 08.02.2022 in Berlin
Karl Lauterbach argumentiert gegen schnelle Lockerungen - will seine Zahlen aber nicht rausrücken.
Quelle: picture alliance / photothek

400 bis 500 Corona-Tote am Tag - damit rechnet Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), sollte Deutschland jetzt ähnlich wie Israel seine Corona-Maßnahmen lockern. So begründete der Minister im ZDF heute journal von Dienstag seine Ablehnung schneller Lockerungen.

Ich habe mal ausgerechnet, wie viele Menschen derzeit mit der Strategie Israels sterben würden, wenn wir ähnlich vorgehen würden. Dann kommt man auf eine Quote von vielleicht 400, 500 Menschen, die in Deutschland [pro Tag] sterben würden.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD)

Es sei zwar mit Lockerungen vor Ostern zu rechnen, diese sollten aber nicht zu früh kommen, sagt Bundesgesundheitsminister Lauterbach. Die verhältnismäßig niedrige Sterberate zeige zudem, dass die Maßnahmen wirken würden. Dies dürfe man nicht gefährden.

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Israel lockert, obwohl Neuinfektionen weiter hoch sind

Seit Montag muss in Israel nur noch bei Großveranstaltungen eine Impfung oder Genesung per "Grünem Pass" nachgewiesen werden. Ungeimpfte dürfen wieder Restaurants oder Kinos besuchen. Diese Vorgehensweise sei für Deutschland "nicht vorbildlich", so Lauterbach.

Aktuell lägen die täglichen Todeszahlen in Verbindung mit Covid-19 in Deutschland zwischen 100 und 150 Menschen - bei rund 190.000 bestätigten täglichen Neuinfektionen im 7-Tage-Schnitt. Lauterbach weiter: "Ich mag mir einfach gar nicht vorstellen, dass wir in einer Situation wären, so spät in der Pandemie, wo wir gute Impfungen haben, wo wir dann 400, 500 Tote am Tag hätten."

Doch wie kommt diese Zahl des Ministers genau zustande? Rechtfertigt Lauterbach die weiteren Einschränkung von Grundrechten womöglich nicht mit überprüfbaren Studien, sondern mit privaten Berechnungen?

Ministerium will sich zu Zahlen-Grundlage nicht äußern

Auf ZDFheute-Nachfrage wollen weder Bundesgesundheitsministerium (BMG) noch Robert-Koch-Institut (RKI) Details zu den Daten-Grundlagen des Ministers nennen. Man habe in der Pandemie immer wieder mit RKI-Modellierungen gearbeitet, teilt ein BMG-Sprecher allgemein mit. Durch Eingabe verschiedener Kernzahlen könnten dabei Größen wie Todeszahlen modelliert werden.

Zu den konkreten Zahlen hinter Lauterbachs Berechnung schweigt das Ministerium. Keine Angabe, etwa wie viele Neuinfektionen 500 Corona-Tote pro Tag bei Omikron entsprechen, welche Letalität oder Klinik-Auslastung der Minister annimmt. Sind die Zahlen eine Einzelmeinung Lauterbachs, oder gemeinsam mit dem RKI entstanden? Ebenfalls keine Auskunft.

Der Bundesgesundheitsminister hat gewarnt, dass es bei einem schnellen Ende der Corona-Maßnahmen zu 400-500 Toten pro Tag kommen könnte. Was ist an diesen Zahlen dran?

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Berechnungen sind weder transparent noch überprüfbar

Für Bürger wie auch für Journalisten ist die Zahl von bis zu 500 Corona-Toten pro Tag so nicht nachvollziehbar. Die Argumente, mit denen der Minister weiter andauernde Einschränkungen von Grundrechten rechtfertigt, sind kaum überprüfbar.

Stephan Rixen, Professor für Öffentliches Recht an der Universität Bayreuth und Mitglied im Deutschen Ethikrat, mahnt gegenüber ZDFheute an, dass sich "Grundrechtseingriffe auf nachvollziehbare Prognosen zur weiteren Entwicklung der Pandemie stützen müssen".

Wenn nicht klar ist, wie die Zahl der Menschen, die wahrscheinlich wegen Lockerungen versterben, zustande gekommen ist, dann ist auch nicht klar, wieso Freiheitsbeschränkungen weiterhin geboten sein sollen.
Stephan Rixen, Universität Bayreuth und Deutscher Ethikrat

Bedrohungsszenarien ins Blaue hinein könnten Grundrechtsbeschränkungen nicht rechtfertigen, so Rixen.

Sind 500 Corona-Tote pro Tag denn realistisch?

Prof. Thorsten Lehr leitet den Covid-19-Simulator an der Universität des Saarlands und modelliert in dieser Funktion regelmäßig die Entwicklung von Infektions- und Todeszahlen in der Pandemie. Unter bestimmten Bedingungen hält er die von Lauterbach genannte tägliche Opferzahl durchaus für möglich:

Nach unseren Simulationen sind 400 bis 500 Tote pro Tag im 7-Tage-Schnitt möglich, falls die Inzidenzen im Peak über 3.500 bis 4.000 liegen.
Thorsten Lehr, Covid-19-Simulator, Universität des Saarlands

Wie viele der Infizierten sterben, hänge aber auch sehr von deren Altersstruktur ab, betont Lehr gegenüber ZDFheute. In seinen Berechnungen nicht enthalten seien jedoch verschiedene Therapien bei schweren Verläufen, die inzwischen zur Verfügung stünden. Falls richtig angewendet, könnten sie die Zahlen deutlich absenken, so Lehr. Ob die für Deutschland in Frage kommenden Lockerungen die Inzidenz tatsächlich bis auf 4.000 treiben könnten, hängt von ähnlich komplexen Faktoren ab.

Lauterbach rechtfertigt sich am Donnerstag: "Omikron-Wunschdenken hilft nicht"

Am Donnerstag reagierte Lauterbach über Twitter auf die Kritik. "Wie stark heute protestiert wird, wenn man das nicht gerne Gehörte, aber Offensichtliche, sagt", schreibt Lauterbach.

Würde unsere Inzidenz deutlich steigen, hätten wir deutlich mehr Tote. Gibt man Werte in RKI-Modell ein, zeigt sich das sofort. Omikron-Wunschdenken hilft nicht.
Karl Lauterbach am Donnerstag

Von welchen Werten er in seiner Simulation konkret ausging, darauf ging der Minister nicht weiter ein.

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Ergänzung 10. Februar 2022, 13 Uhr: Artikel um eine Reaktion von Gesundheitsminister Lauterbach erweitert.

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