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Gesundheitsexperte Lauterbach - "Schwerer Imageschaden" durch Impfstopp

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Gesundheitsexperte Karl Lauterbach weist im ZDF-Interview Kritik an Jens Spahn zurück, bedauert jedoch die Aussetzung der Astrazeneca-Impfungen.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erklärt: „Der Schaden, der durch die Nicht-Impfung entsteht“, wegen Aussetzung der AstraZeneca-Impfungen, „der ist größer, als der Schaden, der entstehen würde, wenn die seltene Komplikation hier vorkommt“.

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Viele europäische Länder haben die Impfungen mit Astrazeneca im Kampf gegen das Coronavirus ausgesetzt, die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) prüft nun, ob Impfungen mit Astrazeneca weiterhin empfohlen werden sollten. Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) hatte geraten, Astrazeneca auch während der Prüfung weiter zu verimpfen.

Imageschaden am Beginn einer dritten schweren Welle

"Ich hätte anders entschieden," sagt Lauterbach im ZDF heute journal. Aber man könne unterschiedlicher Meinung sein, das sei keine Kritik an Jens Spahn. "Wir sind am Beginn einer dritten schweren Welle, die insbesondere die über 50-Jährigen treffen wird," sagte Lauterbach.

Nach dem vorläufigen Stopp der Astrazeneca-Impfungen gibt es an der Entscheidung des Bundesgesundheitsministers viel Kritik. Weitere Entscheidungen sind vom verschobenen Impfgipfel zu erwarten.

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Die Komplikation der Sinusvenenthrombose sei zwar schwerwiegend. Aber sie trete auch sehr selten auf: bei einer von 250.000 bis 300.000 Impfungen müsse man diese Komplikation befürchten. Der Imageschaden durch die Aussetzung der Impfung, der jetzt entstehe, sei schwer. Lauterbach sagte, dass er wahrscheinlich in der Gesamtabwägung, den Rat der Wissenschaft offen kommuniziert hätte. Er hätte sich aber für die eine Prüfungs-Woche, die hier maximal zu erwarten sei - vermutlich gehe es sogar schneller - darüber hinweggesetzt.

Schaden durch das Aussetzen der Impfung ist riesig

Weitere Fälle wären in der kurzen Zeit der Überprüfung vermutlich nicht aufgetreten. Statistisch gesehen traten zwar sieben Fälle bei 1,6 Millionen Impfungen auf, drei Menschen seien gestorben.

Trotzdem hätte man auch in dieser kurzen Zeit der Überprüfung mit einer Impfung etliche, viel schwerere Covid-Fälle in den nächsten Wochen verhindert. "Der Schaden, der durch die Nichtimpfung entsteht - selbst in der kurzen Zeit - der ist größer als der Schaden, der entstehen würde, wenn die seltene Komplikation hier vorkommt."

Das Schwierige sei, dass der Schaden, der durch die Impfung entstehen könne, sehr konkret sei, "das sind dann Leute, die man kennt".

Den Nutzen, wo man jemandem das Leben rettet durch die Impfung, der ist anonym, diese Menschen werden nie bekannt sein.
Karl Lauterbach im ZDF heute journal

"Ich hoffe, dass der Schaden repariert werden kann", sagte Lauterbach. Er hoffe, dass der Impfstoff nach der Prüfung durch die Europäische Zulassungsbehörde weiter verimpft werden könne. Da es sich bei der Komplikation um eine sehr schwere Erkrankungen handle, müsse man das überprüfen. Er gehe aber von einer Wiederzulassung aus "auf der Grundlage der Seltenheit der Komplikation".

Danach müsse man aber für den Impfstoff werben. "Wir sollten ihn insbesondere für die älteren Menschen einsetzen, denn da hat er den mit großem Abstand größten Nutzen."

Der Schutz vor Tod ist bei einem 80-Jährigen sechshundertmal so hoch wie bei einem 30-Jährigen durch Covid.
Karl Lauterbach, Arzt

"Eine Vorbeugung ist hier so gut wie nicht möglich, das muss man offen einräumen," erklärte Lauterbach im ZDF. Man wisse noch nicht einmal, ob diese Komplikation durch den Impfstoff verursacht würde, die Statistik spräche dafür, das sei aber nicht sicher.

Wir haben aber keine Möglichkeit vorzubeugen. Man könnte allenfalls hingehen und den Impfstoff dort einsetzen, wo der Nutzen jetzt in der dritten Welle am Größten ist, nämlich bei den Älteren, weil da überwiegt der Nutzen auf jeden Fall mit großem Abstand diese Gefahr.
Karl Lauterbach

Komplikation tritt bei jüngeren Frauen auf

Ein Grund dafür, dass solche Komplikationen erst jetzt bekannt würden, nachdem der Impfstoff über 10 Millionen mal in Großbritannien verimpft wurde, könnte sein, dass diese spezifische Thrombose im Gehirn, in den Sinusvenen, ohnedies etwas häufiger bei jüngeren Frauen, also in der Altersgruppe 30 bis 50, auftrete.

Diese Gruppe sei in England am Anfang nicht geimpft worden. Dort seien zunächst die Alten geimpft worden. In Deutschland hatte ja die Stiko aber empfohlen, den Impfstoff bei den unter 65-Jährigen einzusetzen, das seien dann oft Pflegekräfte oder Erzieherinnen gewesen.

Astrazeneca-Impfstopp - So reagieren die Bundesländer 

Deutschland hat die Impfungen mit Astrazeneca am Montag vorerst ausgesetzt. Vorausgegangen waren Meldungen von Blutgerinnseln. So reagieren die Bundesländer auf die Anweisung.

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Parteipolitik das Schlimmste, was jetzt passieren kann

Auf jeden Fall müssen man jetzt zusammenhalten, appellierte der SPD-Gesundheitsexperte. "Diese Pandemie ist keine Gelegenheit für Parteipolitik. Wir müssen hier zusammenstehen."

Daher möchte ich nochmal darauf hinweisen, meine Kritik an der Vorgehensweise ist keine Kritk an Jens Spahn.
Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte

Man hätte das sehr unterschiedlich entscheiden können: "Parteipolitik ist das Schlimmste, was jetzt passieren kann," schloss Karl Lauterbach.

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