Gesundheitsminister Lauterbach warnt wieder: Corona komme zurück. Pro Tag infizierten sich gerade bis zu 400.000 Menschen. Und er empfiehlt die vierte Impfung - auch Jüngeren.
Er kann einfach nicht aus seiner Haut. Gerade noch sagt Karl Lauterbach (SPD), Deutschland sei gut auf den Winter vorbereitet, weil es doch jetzt neue Impfstoffe und Medikamente gegen Corona gebe. Kurz klingt es am Freitag in der Bundespressekonferenz so, als würde der Gesundheitsminister den Warn-Modus verlassen. Doch dann sagt er:
Mehr noch. Die Dunkelziffer bei den Neuinfektionen sei immens. Pro Tag infizierten sich in Wirklichkeit gerade 300.000 bis 400.000 Menschen. Das Oktoberfest in München sei so, wie es gemacht wurde, eine schlechte Idee gewesen. Und die Länder müssten jetzt die Maskenpflicht in Innenräumen einführen. Lauterbachs Fazit: "Die Richtung, in die wir unterwegs sind, ist keine gute."
Intensivmediziner: "Andere Lage"
Mögen andere Länder die Isolationspflicht für Infizierte auch abgeschafft haben. Mögen Studien auch bestätigen, dass inzwischen etwa 95 Prozent aller Deutschen Antikörper gegen Corona und damit einen gewissen Schutz haben.
Karl Lauterbachs Geschäftsmodell ist an diesem Freitag auf der Bundespressekonferenz in Berlin einmal mehr die des Warners. "Ich muss nerven", hat er einmal gesagt.
Intensivmediziner Christian Karagiannidis widerspricht nicht grundsätzlich. Es stimme, dass die Zahl der Neuinfektionen wieder steige. Trotzdem sei das kein Grund zur Panik, weil die Coronainfektion bei vielen Intensivpatienten nicht mehr die Haupterkrankung sei:
Intensivmediziner Christian Karagiannidis sagt, die Lage auf den Intesivstationen sei anders als in den vorherigen zwei Wintern.
Stiko empfiehlt vierte Impfung nur Älteren
Lauterbach startet auch eine neue Impfkampagne. Knapp 33 Millionen Euro hat sie gekostet. Sie richtet sich vor allem an Ältere. 70 Prozent der über 60-Jährigen seien noch nicht ein viertes Mal geimpft. Dabei reduziere ein zweiter Booster die Sterblichkeit um 90 Prozent, sagt er. Und fügt hinzu:
Das ist eine Spitze gegen die Ständige Impfkommission, die Stiko. Sie empfiehlt die vierte Impfung nach wie vor nur Älteren oder besonders Gefährdeten. Beiläufig erwähnt der Minister, er wohne inzwischen auch den Stiko-Sitzungen bei. Die Stiko bleibe aber unabhängig, sagt er. Einmischen wolle er sich in die Empfehlungen der Kommission nicht.
Und tut es dann doch. "Es ist tausendmal besser, wenn ich da zuhöre", sagt er. Und zeigt dann Plakate mit Menschen, die fürs Impfen werben. "Ich schütze mich, damit ich alles gebacken kriege", sagt Christian. Er ist Bäcker und ganz bestimmt - jünger als 60.