Lauterbach-Appell an Länder: "Maskenpflicht in Innenräumen"

    Interview

    Corona wie Grippe betrachten?:Lauterbach: "Fallzahlen würden stark steigen"

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    Gesundheitsminister Lauterbach bekräftigt seine Forderung nach einer Maskenpflicht-Rückkehr in Innenräumen. Ein Verzicht ginge zu Lasten der Pflege und Versorgung, sagte er im ZDF.

    Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) strebt "die größte Krankenhausreform der letzten 20 Jahre" an - zur "Überwindung des Systems der Fallpauschalen" und damit Entlastung der Pflegekräfte.18.10.2022 | 6:26 min
    Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen pocht Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf eine Rückkehr zur Maskenpflicht in Innenräumen. Im ZDF Morgenmagazin sagte er:

    Ich glaube, dass es im Innenraum spätestens im Winter notwendig sein wird, dass wir Masken tragen.

    Karl Lauterbach, Bundesgesundheitsminister

    Ein Verzicht auf die Maskenpflicht ginge zu Lasten der Pflege und der Versorgung. Es drohe im Winter andernfalls eine Überlastung der Krankenhäuser.

    Corona wie normale Grippe betrachten?

    Zu der Frage, ob man Corona künftig wie eine normalen Grippe betrachten könne - also bei Symptomen im Bett bleiben und ohne Symptome arbeiten gehen - entgegnete Lauterbach: Dann würden die Fallzahlen sehr stark steigen.

    Wir haben jetzt schon hohe Fallzahlen, das wird auch im späten Herbst und Winter ein großes Problem sein und das geht alles zu Lasten von Pflegekräften. Aber auch zu Lasten derer, die schwer erkranken.

    Karl Lauterbach

    Der Anstieg der Corona-Infektionszahlen verstärkt die Debatte um eine mögliche Rückkehr der Maskenpflicht in Innenräumen. Die Verband der deutschen Krankenhäuser forderte am Wochenende eine schnelle Wiedereinführung der Maßnahme.17.10.2022 | 1:53 min

    Lauterbach: Studie nicht Anlass zum Nicht-Handeln

    Lauterbach warnte davor, die Zwischenergebnisse einer repräsentativen Immunstudie als Grund zum Nicht-Handeln zu nehmen. Demnach besitzen 95 Prozent der Bevölkerung bereits Antikörper gegen das Coronavirus - entweder durch Impfung oder durch Infektion.
    Laut Lauterbach erkranken trotz Antikörper viele an Corona, da diese "nicht vor neuen Varianten" schützen würden und gerade bei Älteren auch nicht vor schweren Verläufen. Für das weitere Vorgehen steht Lauterbach im "engen Austausch" mit dem Corona-Expertenrat.

    Der Expertenrat vertritt nicht die Position, 95 Prozent der Bevölkerung besitzen Antikörper, wir brauchen nichts mehr zu tun.

    Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach

    Im Sommer war der Mund-Nasenschutz ja so gut wie vergessen. Die steigenden Corona-Zahlen führen zu einem politischen Streit über die Maskenpflicht.17.10.2022 | 2:13 min

    Lauterbach: Größte Krankenhaus-Reform seit 20 Jahren

    Lauterbach sprach zudem über die geplante Krankenhausreform zur Entlastung des Pflegepersonals. Dies sei "die größte Krankenhausreform der vergangenen 20 Jahre", betonte er. Ziel dabei sei es, alle dafür geeigneten Behandlungen als Tagesbehandlung durchführen zu können. So würden Nachtdienste wegfallen und Pflegekräfte entlastet, betonte er. Im Ausland seie das so schon üblich.

    Wir haben ja nicht zu wenig Pflegekräfte gemessen an der Bevölkerung, wir setzen sie sehr wenig effizient ein.

    Karl Lauterbach, Bundesgesundheitsminister

    Volle Notaufnahmen, Fachkräftemangel und zusätzlich steigende Energiekosten – wie soll es nun weitergehen? Rund 96 Prozent der Kliniken können die aktuellen Kostensteigerungen nicht selbst finanzieren.12.09.2022 | 2:03 min

    Amtsärzte ebenfalls für erneute Maskenpflicht

    Beim Thema "Maskenpflicht in Innenräumen" erhält Lauterbach, der selbst Mediziner ist, Rückendeckung von den Amtsärzten. Sie sprachen sich am Dienstag für eine Rückkehr zur Maskenpflicht in Innenräumen aus. Der Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Johannes Nießen, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland:

    Wir brauchen jetzt eine Maskenpflicht in Innenräumen wie Supermärkten, Geschäften und öffentlichen Gebäuden.

    Johannes Nießen, Vorsitzender des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes

    Die Länder seien am Zug, die Maskenpflicht sofort umzusetzen. Sonst drohe eine Überlastung des Gesundheitssystems und damit auch "eine Überlastung der Bereiche mit patientennahem Kontakt wie Kliniken", sagte Nießen.
    Sollte die Sieben-Tages-Inzidenz über 1.000 pro 100.000 Einwohner klettern, müsse auch eine Maskenpflicht für Bars, Gastronomie und Restaurants in Betracht gezogen werden.

    Hohe Dunkelziffer bei Inzidenz vermutet

    "Dann haben wir nämlich in Wirklichkeit eine Inzidenz von 3.000", sagte der Verbandschef, der von einer hohen Dunkelziffer ausgeht. Viele Menschen gingen bei einem Corona-Verdacht nicht mehr zum Arzt, um einen PCR-Test zu machen, sondern machten nur noch einen Schnelltest. "Diese fließen aber nicht in die Statistik ein", sagte Nießen.
    Am Dienstag lag die Sieben-Tages-Inzidenz laut Robert-Koch-Institut bei 687,5. 209 weitere Menschen starben demnach binnen 24 Stunden im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion.

    Krankenhausgesellschaft: Kliniken stehen mit dem Rücken zur Wand

    Auch der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, hatte am Wochenende für eine rasche Einführung der Maskenpflicht in Innenräumen plädiert. Angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen stünden die Kliniken derzeit "mit dem Rücken zur Wand", sagte er in einem Interview. In den meisten Kliniken sei ein Normalbetrieb bereits "nicht mehr möglich".
    Nach aktueller Rechtslage müssen die Bundesländer jeweils für sich entscheiden, ob sie etwa die Maskenpflicht verschärfen. Grundlage dafür ist das aktuelle Infektionsschutzgesetz. Eine bundesweite Maskenpflicht gibt es derzeit nur noch in Fernzügen und -bussen, Kliniken, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen.

    Angepasste Booster gegen Corona
    :Kann man auch zu oft geimpft werden?

    Angesichts hoher Corona-Zahlen fragen sich auch jüngere Menschen, ob sie eine zweite, an Omikron angepasste Boosterimpfung brauchen. Kann es zu einer "Überimmunisierung" kommen?
    von Katja Belousova und Oliver Klein
    Archiv: Eine Assistentin zieht eine Impfdosis auf.
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    Quelle: ZDF, dpa

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