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Kritik an Corona-Beschlüssen : Lehr: Oster-Maßnahmen gehen nicht weit genug

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Der Pharmazie-Professor Thorsten Lehr kritisiert die Bund-Länder-Beschlüsse. Die Regeln an Ostern gehen dem Wissenschaftler nicht weit genug.

"Für mich gehen sie nicht weit genug." Mit diesem deutlichen Urteil kritisiert der Pharmazie-Professor Thorsten Lehr im Interview mit ZDFheute-live die Corona-Beschlüsse. Der Wissenschaftler bemängelt, dass die verschärften Regeln an Ostern nicht konsequent genug seien.

Lehr: Schließungen auch am Ostersamstag

Es wäre sinnvoll gewesen, so Lehr, die Geschäfte auch am Ostersamstag zu schließen. Das Osterfest könne sonst einen ähnlichen Effekt erzeugen, wie kurz vor Weihnachten, als die Geschäfte vor den Zwangsschließungen einen großen Andrang verzeichneten.

Außerdem bestehe an Ostern die Gefahr, dass die britische Virusmutante B.1.1.7 sich in Familien ausbreiten könnte, warnte der Wissenschaftler. Die Variante mache bereits jetzt 75 Prozent der Neuinfektionen aus, so Lehr weiter. Über Ostern sieht Lehr "eine große Gefahr, dass sich dann komplette Familien infizieren".

Forderung nach Homeoffice-Gesetz

Außerdem forderte er strengere Maßnahmen zur Durchsetzung von Homeoffice-Regelungen. "Ich würde mich schon freuen, wenn es da mehr gesetzliche Verpflichtungen geben würde", sagte Lehr.

Er wünscht sich, dass die Arbeitnehmer selbst entscheiden können, ob sie zur Arbeit fahren oder im Homeoffice bleiben. Dadurch könne zudem die Mobilität effektiv eingeschränkt werden, ergänzte er.

Kritik an fehlenden Studien

Lehr kritisierte zudem, dass der Effekt vieler Maßnahmen nicht ausreichend erforscht wurde. Es sei "sehr bedauerlich", dass bislang keine deutschlandweiten Studien durchgeführt wurden.

Nach einem Jahr Pandemie sind wir immer noch sehr ratlos, was viele dieser Maßnahmen angeht.
Thorsten Lehr

Dieses "Versäumnis" führe dazu, dass Öffnungen und Schließungen einem "großen Zufallsprinzip" gleichen, sagt Lehr. Insgesamt gebe es bei der Corona-Politik "ziemlich viele Baustellen".

Mangelndes Wissen bei Schnelltests

Auch bei den Schnelltests gebe es Probleme, meint Lehr. "Wir schmeißen die auf die Bevölkerung und bekommen überhaupt kein Feedback, wie viele positive und negative Tests wir haben". Deswegen können man bei den derzeitigen Inzidenzwerten nicht sagen, wie groß der Anteil der Schnelltests ist, erklärt er.

Wichtig sei außerdem, dass die Impfkapazitäten auch über den Sommer hinaus auf einem hohen Niveau gehalten werden. Lehr warnte, dass im Herbst durch neue Mutanten Nachimpfungen in der Bevölkerung nötig sein könnten.

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