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Blick ausländischer Journalisten - "Harter Lockdown"? Korrespondenten spotten

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"Harter" oder gar "Mega"-Lockdown - so nennen viele deutsche Medien die neuen Corona-Beschlüsse. Ausländische Journalisten blicken eher belustigt auf diese Wahrnehmung.

In der Hoffnung, die Corona-Zahlen zu senken, haben Bund und Länder sich auf verschärfte Maßnahmen über die Osterfeiertage geeinigt. Der Shutdown wird bis zum 18. April verlängert.

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Aufwachen am Morgen nach der Ultra-Nachtsitzung - deren Ende man ausnahmsweise mal verschlafen hat (sorry). Also: Griff zum Handy, ZDFheute checken. Was haben sie wohl beschlossen?

Oha! Ein Shutdown über Ostern. Ein überraschender Mega-Lockdown, schreiben manche Redaktionen. "Hart", so heißt es in den Radionachrichten, auf Twitter, ja fast überall.

Hart, ernsthaft?

Verwunderung und Spott

Es ist ein Tweet meines Kollegen vom "Economist", der diese Wahrnehmung als erstes korrigiert. Tom Nuttall, Berlin-Korrespondent der Wirtschaftszeitung, macht sich über die deutsche Berichterstattung - ja, man kann es nicht anders sagen - lustig.

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"Sogar die Kontaktregeln sind laxer als noch vor ein paar Wochen", schreibt er auf Twitter. Und er ist mit seiner Verwunderung, ja seinem Spott nicht allein.

[Was letztlich bei den Beratungen entschieden wurde: die Corona-Beschlüsse im Überblick]

Lockdown à la française

Da ist der Berlin-Korrespondent der französischen Tageszeitung "Le Monde", Thomas Wieder, der die Bezeichnung "hart" kaum nachvollziehen kann. "Wenn wir in Frankreich von einem 'harten Lockdown' sprechen, denken wir an Ausgangssperren und Passierscheine, die von der Bevölkerung für jeden Gang vor der Tür ausgefüllt und unterschrieben werden müssen", sagt Wieder.

Und erinnert an den harten Lockdown à la française im Frühjahr 2020, als für die französische Bevölkerung folgende Regel galt: maximal einmal am Tag für eine Stunde raus, und sich maximal einen Kilometer von der Wohnung entfernen. In der Tat - davon war und ist Deutschland maximal weit entfernt.

Auch jetzt, über Ostern.

Nach dem Corona-Gipfel haben sich Bund und Länder auf schärfere Regeln für die Pandemie geeinigt. Professor Thorsten Lehr und ZDF-Korrespondentin Andrea Maurer ordnen ein.

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"Man will nur einen zusätzlichen Ruhetag machen - Gründonnerstag", schreibt mir der ebenso verwunderte Kollege Guy Chazan, der für die "Financial Times" aus Berlin berichtet. "All die Läden sind doch über Ostern sowieso zu!" Vielleicht seien ja alle nur so überrascht, weil davon nichts in den Beschlussvorlagen vorab stand?

Das einstige Vorbild tut sich schwer

Anruf bei Paolo Valentino - er ist Deutschland-Korrespondent der wichtigsten italienischen Zeitung, des "Corriere della Sera", und gerade auf Heimaturlaub in Rom. Auch er teilt die Ansicht seiner Kollegen. Aber das ist gar nicht, was ihn am meisten verwundert. Eher: die allgemeine Performance des Landes jetzt, in der zweiten und dritten Welle.

Wir hatten immer die Idee, dass in Deutschland alles läuft - dass die Züge pünktlich kommen, und dass das Land Weltmeister ist im Krisenmanagement.
Paolo Valentino, "Corriere della Sera"

Doch statt darüber zu schreiben, müsse er in jedem Artikel berichten, wie schwer sich ausgerechnet das einstige Vorbild mit dem Impfen tue. Und wie kompliziert der deutsche Föderalismus sei.

Bevor er auflegt, will Valentino aber noch eines loswerden: Schadenfreude - nein, das empfinde niemand. "Wir haben doch mindestens genauso große Probleme bei uns", sagt er. Nicht zufällig habe Italien doch mitten in der Pandemie eine neue Regierung bekommen. Und wirtschaftlich, ja, da gehe es Deutschland sowieso viel besser als allen anderen.

Alles andere als ausreichend

Und schließlich ist es auch der "Economist"-Korrespondent Nuttall, der darauf hinweist, dass Deutschland lange Vorreiter war in Sachen Pandemie-Bekämpfung - und nach einer Auswertung der Uni Oxford lange Zeit einen deutlich strengeren Kurs gefahren ist als andere europäische Staaten.

Ein versöhnliches Schlusswort? Nein. Denn was jetzt beschlossen worden sei, hält Nuttall auch für alles andere als ausreichend. Der eine zusätzlich geschlossene Tag werde gar nichts ändern. Er werde das Gefühl nicht los, sagt Nuttall, dass der Ministerpräsidentenkonferenz schlicht nichts mehr einfalle. Außer am Glücksrad zu drehen - und zu hoffen, dass sich die Situation dadurch irgendwie von allein löse.

Dem Autor auf Twitter folgen: @fneuhann

Angela Merkel bei der Ministerpräsidenten-Konferenz am 23.03.2021 in Berlin
Kommentar

Corona-Beschlüsse - Mutlos, kraftlos, einfach fertig 

Der Corona-Gipfel hat sich gezogen, als ob es um die nächste Regierung ginge. Spielchen inklusive. Was herausgekommen ist, ist mutlos. Es wird einer Pandemie nicht gerecht.

von Kristina Hofmann
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