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Interview

Forscherin Priesemann im ZDF - Mit Notschutzschalter gegen die vierte Welle

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Notschutzschalter und andere weitreichende Maßnahmen: Physikerin Viola Priesemann spricht im ZDF über mögliche Wege aus der vierten Corona-Welle.

Wie ein Wissenschaftler unsere Corona-Zukunft berechnet und welche Maßnahmen Physikerin Viola Priesemann für wichtig hält, um die vierte Welle zu brechen.

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Die Physikerin und Corona-Modelliererin Viola Priesemann vom Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation erforscht, welche Strategien effektiv und effizient die Ausbreitung der Pandemie stoppen könnten. Dazu berät sie auch die Bundesregierung. Eine Expertengruppe um Priesemann hat heute ein Strategiepapier mit Maßnahmen vorgelegt, die den Weg aus der vierten Welle ebnen sollen.

ZDF: Frau Priesemann, welche Maßnahmen müssen jetzt ergriffen werden?

Viola Priesemann: [...] Das Erste, was wir sicherlich brauchen, ist eine rechtliche Grundlage, um auch starke Maßnahmen umsetzen zu können.

Dazu gehört ein Notschutzschalter, um so schnell wie möglich die Fallzahlen runterzubringen, falls zum Beispiel die Überlastung akut droht, falls wir konfrontiert sind mit einer neuen Variante wie Omikron.

Da ist nicht die Zeit, nochmal darüber zu diskutieren oder nachzudenken, was möglich ist oder nicht. Es ist ein bisschen wie bei der Feuerwehr: Auch wenn die ihr Großgerät vielleicht eine Weile nicht gebraucht hat, schafft man das deswegen nicht ab - im Gegenteil: Man übt und denkt immer wieder durch, wie man in einer solchen schwierigen Situation agieren möchte.

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ZDF: Dieser Notschutzschalter - was soll der alles können? Soll der auch Ausgangsbeschränkungen verhängen können oder Schulschließungen, die aktuell nicht möglich sind?

Priesemann: Alle diese Maßnahmen der Pandemie, von denen wir wissen, dass sie die Fallzahlen deutlich eingegrenzt haben. Nehmen wir den letzten Winter - da hat Frankreich sich zum Beispiel entschieden, die Schulen offen zu halten. Im Gegensatz dazu hatten sie ein relativ strenges Ausgangsverbot. Man durfte eine Stunde am Tag raus. Das ist natürlich total heftig. Das macht niemandem Spaß.

Aber auf der anderen Seite ist Deutschland den Weg gegangen, die Schulen zu schließen, aber dafür mehr Kontakte zu erlauben und auch keine Ausgangssperre zu haben. Beide Maßnahmen sind extrem effektiv. Sie a priori aus dem Werkzeugkasten herauszuwerfen, ist verantwortungslos.

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ZDF: Gibt es überhaupt eine Maßnahme, bei der Sie sagen können 'Auf die kann man verzichten'?

Priesemann: Wir wissen nicht, was an Viren noch kommen kann. Sei es innerhalb von Covid, sei es irgendein anderes neues Virus.

Es ist jetzt an der Zeit zu überlegen, wie man in Notfallsituationen schnell und effizient reagieren kann.

Die andere Frage ist: Was machen wir jetzt in der aktuellen Situation?

ZDF: Und macht das da Sinn weiterhin, vor allem regional zu schauen, wie stark die Bundesländer betroffen sind und dementsprechend auch die Maßnahmen anzupassen?

Priesemann: Ja, absolut. Es gibt diese Hospitalisierungsinzidenz. Da hat man die Grenzwerte 3, 6 und 9 eingeführt. Bayern und andere Bundesländer sind schon lange über diese 9 drüber.

Hätten wir früher agiert und das ernst genommen, so wie es in dem ursprünglichen Infektionsschutzgesetz auch stand, dann hätten die jetzt nicht die Überlastung der Kliniken. Das war abzusehen.

Andere Bundesländer sind noch unter diesem Grenzwert von neun, diesen höchsten Grenzwert. Dort könnte man den Lockdown oder eben sehr weitreichende Maßnahmen vermeiden, indem man jetzt ganz konsequent 2G plus plus, also auch mit Maske umsetzt, indem man seine Kontakte ein Stück weit einschränkt, das Homeoffice weitermacht. Und natürlich ganz wichtig: Weiter impfen und boostern, denn das ist eine wirklich nachhaltige Lösung für die aktuelle Welle.

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