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Entlastungen für Geimpfte - Grundrecht oder Gerechtigkeit?

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Vollständig Geimpfte und Genesene könnten, wenn Bundestag und Bundesrat dem zustimmen, bald wieder mehr Rechte bekommen. Ob das gerecht ist?

Die geplante Rücknahme vieler Corona-Beschränkungen für vollständig Geimpfte und genesene Menschen hat die nächste Hürde genommen. Der Bundestag stimmte mit großer Mehrheit zu.

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Schon ab Samstag könnte für vollständig gegen Corona-Geimpfte und -Genesene ein Stück Normalität zurückkehren. Doch ist diese Bevorzugung gerecht? Kommt darauf an, sagt Sozialpsychologe Ulrich Wagner von der Universität Marburg.

Solange die Impfpriorisierung - vor allem in den Gruppen 1 und 2 - erhalten bleibt, wird mit der Impfung ein "Versprechen von Gerechtigkeit" eingelöst.
Ulrich Wagner, Sozialpsychologe

Doch es gibt bereits Überlegungen, diese Priorisierungsregelung spätestens im Juni aufzuheben. Wagner sieht das kritisch.

Archiv: Der Einzelhandel in der Saarbrücker Innenstadt und die Außengastronomie am St. Johanner Markt
Getesteten, aber auch vollständig Geimpften und Genesenen könnte bald wieder mehr erlaubt sein.
Quelle: imago

Um welche Freiheiten geht es?

Vorgesehen ist zunächst eine rechtliche Gleichstellung von vollständig Geimpften (also 14 Tage nach der letzten Spritze) und Genesenen mit negativ getesteten.

  • Sie dürften dann auch ohne vorherigen Test in Geschäfte, Zoos oder zum Friseur gehen.
  • Zudem sollen für sie aber auch die Kontaktbeschränkungen und Ausgangsbeschränkungen gelockert oder aufgehoben werden.
  • Nach Reisen müssten sie nicht in Quarantäne - es sei denn, sie reisen aus einem Virusvariantengebiet ein.
  • Die Pflicht zum Tragen einer Maske an bestimmten Orten sowie das Abstandsgebot im öffentlichen Raum sollen aber für alle weiter gelten, das hält Wagner für richtig. Es gehe darum, eine allgemeingültige Norm aufrecht zu erhalten, die auch kontrolliert werden könne.
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Entlastung für besonders Belastete - aber was ist mit anderen?

Dass bald viele Menschen in den ersten beiden Priorisierungsgruppen entlastet würden, sieht die Psychologin Eva-Lotta Brakemeier von der Uni Greifswald positiv. Viele dieser Menschen haben ein hohes Risiko für psychische Erkrankungen.

Doch auch im Rest der Bevölkerung hätten viele Menschen stark gelitten, vor allem auch Jugendliche im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. In diesen Gruppen könnten die vorgeschlagenen Lockerungsmaßnahmen als ungerecht wahrgenommen werden.

Auch Sozialpsychologe Wagner hält die Erleichterungen zunächst für wenig problematisch:

Die Menschen, die besonders viele Einschränkungen erleiden mussten oder sich einem besonderen Risiko ausgesetzt haben, werden bevorzugt.
Ulrich Wagner, Sozialpsychologe

Das werde als gerecht wahrgenommen. Werde die Impfpriorisierung jedoch aufgegeben oder sei nicht mehr erkennbar, nach welcher Maßgabe geimpft wird, dann entstehe ein Gefühl von Ungerechtigkeit.

Dass es für den Einzelnen schwer einschätzbar wird, welche Regeln einer Impfung zugrunde liegen, droht aus Sicht des Sozialpsychologen bereits bei der Impfung durch die Hausärzte, noch stärker mit der geplanten Impfung durch Betriebsärzte.

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Impfpass zur Kontrolle nötig

Wagner kritisiert auch, dass es den angekündigten digitalen Impfpass noch nicht gibt. Mit ihm sollen sich vollständig Geimpfte ausweisen können.

Wagner fragt sich, wie die Ordnungskräfte die neuen Regelungen ohne diesen Impfpass effektiv kontrollieren sollen. Es bestehe das Risiko, dass Geimpfte ohne entsprechenden Nachweis und Ungeimpfte, die die Einschränkungen generell ablehnen, nicht mehr unterschieden werden können. Auch das könnte der allgemeinen Akzeptanz der Corona-Schutzmaßnahmen schaden.

Psychische Störungen nehmen drastisch zu

Trotz dieser Risiken spricht auch viel für erste Erleichterungen zum jetzigen Zeitpunkt. Bereits im November 2020 warnte Eva-Lotta Brakemeier davor, dass psychische Störungen eine längere Inkubationszeit haben, es also länger dauert, bis das Problem erkannt wird.

Immer mehr Kinder und Jugendliche benötigen laut Arztreport der Barmer-Krankenkasse psychotherapeutische Hilfe. Vor allem ist der Bedarf an Psychotherapien in der Corona-Pandemie deutlich gestiegen.

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Die Expertin verwies auf Befragungen der Krankenkassen, wonach es bei Erwachsenen einen Zuwachs der Anfragen für eine psychotherapeutische Behandlung von 40 Prozent im Vergleich zu vor der Pandemie gegeben habe. Bei Kindern und Jugendlichen seien es sogar 60 Prozent.

Ernst Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, ist der Ansicht, dass man die Beschlüsse nicht pauschal als gut oder schlecht bezeichnen kann. "Ich glaube, dass es zu Schwierigkeiten kommen kann, wenn die Lockerungen auch Urlaubspläne betreffen. Wenn die Geimpften bezüglich Auslandsreisen anders behandelt werden", der Unterschied in den Möglichkeiten von Geimpften und Ungeimpften sollte nicht zu groß werden.

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