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Rasant steigende Corona-Zahlen - Malaysia steht zum dritten Mal still

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Malaysia fährt das Leben wieder herunter - obwohl der Premier verkündet hatte, dass ein neuer Lockdown für die Wirtschaft fatal wäre. Doch die Entwicklung lässt ihm keine Wahl.

Geschäftsviertel Bukit Bintang in Kuala Lumpur, Malaysia
Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur - das Land kämpft mit steigenden Infektionszahlen.
Quelle: epa

Auf der Saloma-Brücke, die über die Stadtautobahn E12 im Herzen von Kuala Lumpur führt, drängeln sich normalerweise die Büroangestellten auf dem Weg zur Arbeit. Und in der Regel stehen unter ihnen die Autos im Stau. Doch in diesen Tagen sieht man auf der sechsspurigen Schnellstraße nur sporadisch einen Mopedfahrer, der Essen ausliefert.

Strenge Regeln zur Corona-Eindämmung

Man könnte nun fatalistisch schreiben: Wieder einmal steht das Leben in der Hauptstadt Malaysias still. Denn bereits zum dritten Mal seit Ausbruch der Pandemie fährt das südostasiatische Land das öffentliche Leben herunter - und zwar unter dem Namen "movement control order" (ungefähr: "Befehl zur Bewegungssteuerung").

Seit dem 1. Juni sind für 14 Tage Schulen, Einkaufszentren und die allermeisten Betriebe geschlossen. Nur zwei Personen aus einem Haushalt dürfen zum Einkaufen das Haus verlassen - und das lediglich in einem Radius von zehn Kilometern. Kein Wunder also, dass der Verkehr bereits in den ersten Tagen um 70 Prozent zurückging. 55.000 Polizisten überwachen die Regeln, sie haben landesweit 800 Straßensperren eingerichtet.

Große Verluste für Wirtschaft durch Lockdown

Dass der erneute Stillstand fatale Folgen für die Wirtschaft haben könnte, dessen ist sich Premierminister Muhyiddin Yassin bewusst. In einem Interview im Mai sagte er:

Ein totaler Lockdown mit überall geschlossenen Bereichen würde die Sicherheit der Menschen garantieren, aber es gibt das Risiko, dass die Wirtschaft kollabiert.
Premierminister Muhyiddin Yassin

Und der Premier fügte hinzu, dass während des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr die Wirtschaft mit täglichen Verlusten von mehr als 579 Millionen Dollar (ca. 480 Mio. Euro) fast zusammengebrochen wäre.

Corona-Infektionszahlen stark gestiegen

Doch dieses Risiko nimmt der Regierungschef in Kauf, die nackten Zahlen lassen ihm auch keine Wahl: Anfang April verzeichnete Malaysia knapp 1.300 Fälle täglich, die bis Ende Mai sprunghaft auf 9.000 Fälle pro Tag angestiegen sind. Die Behörden meldeten 126 Tote im Zusammenhang mit Corona am vergangenen Mittwoch - ein Rekord. Insgesamt verzeichnete das Land bislang 3.100 Tote und 595.000 Fälle.

Dabei kam das Land mir seinen etwa 32 Millionen Einwohnern bis Oktober vergangenen Jahres relativ glimpflich durch die Pandemie. Damals waren es weniger als 13.000 Fälle insgesamt.

Auslöser für Corona-Welle - Varianten oder Ramadan?

Was sind die Gründe für den rasanten Anstieg? Experten nennen die verschiedenen Varianten des Virus und bemängeln das Krisenmanagement der Regierung. Ein Vorwurf, den Ismail Sabri Yaakob so nicht stehen lässt.

Der Vize-Premier und Minister für Nationale Sicherheit gibt die Schuld lieber weiter an seine Mitmenschen und verweist auf 200.000 Einheimische, die sich während des Fastenmonats Ramadan durch Polizeisperren geschummelt hätten - mit Hilfe von gefälschten Papieren oder vorgeschobenen Notsituationen. Der Politiker sagte:

Nach dem Ende des Ramadan hatten wir viele Covid-19-Herde und Tote.
Vize-Premier Ismail Sabri Yaakob

Impftempo lässt noch zu wünschen übrig

Schnelles Impfen könnte Malaysia aus der Misere helfen - doch daran hapert es. Bislang erhielten 3,1 Millionen Einwohner eine Impfung, davon zwei Millionen die erste Dosis - das sind sechs Prozent der Bevölkerung.

Wissenschaftsminister Khairy Jamaluddin verkündete, dass zurzeit 100.000 Impfungen am Tag verabreicht würden und die doppelte Menge für Juli geplant sei. Zwölf Millionen Impfdosen des chinesischen Herstellers Sinovac werden Ende Juli erwartet, 25 Millionen Biontech-Dosen im dritten Quartal. Bis dahin appelliert die Regierung an die Malaysier, sich an die Regeln zu halten.

Ein Internet-Video sorgte kürzlich für Aufregung im Land. Darauf zu sehen: Ein alter Mann, der von Angehörigen geküsst und umarmt wird, bevor er von Klinikpersonal in voller Schutzmontur mit einem Krankenwagen weggefahren wird. Er war zuvor positiv auf Corona getestet worden.

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