Sie sind hier:
Exklusiv

Koalition : Länder bemängeln schon früh Spahns Masken

Datum:

Die Masken sind sicher, beteuert Minister Spahn. Obwohl das Arbeitsministerium Zweifel hatte. Jetzt zeigt sich: Schon im Winter hatten auch Bundesländer die Qualität beanstandet.

Es geht um Bestechung bei Maskengeschäften. Symbolbild
Mangelnde Qualität? Die Koalition streitet über Schutzmasken
Quelle: Daniel Karmann/dpa/Archivbild

Anfang des Jahres, zur Hochzeit der Corona-Pandemie, fiel auf, dass mit der Qualität etwas nicht stimmen kann. Und zwar mit den Masken, die weltweit im Herbst auf dem leergefegten Markt zusammengekauft worden waren. "Aufgrund der Zweifel", schreibt das Sozialministerium Baden-Württemberg am 5. Februar, werden seit Mitte Januar die KN95- und FFP2-Masken "aus Bundes- und Landesbeschaffung" von der DEKRA überprüft. "Und zwar nicht nur kleine Bestände einzelner Hersteller, sondern das komplette Lagersortiment."

Das Ergebnis: Knapp die Hälfte der Modelle genügen nicht den Anforderungen. Von 27 Chargen wurden 13 beanstandet. Zehn der 13 hatte der Bund eingekauft. Das Problem: Die Durchlässigkeit der Masken war "deutlich oberhalb der Normwerte".

Auch Mängel in Rheinland-Pfalz und in Bayern

Wie viele Masken von schlechter Qualität an Pflegeheime sowie an Einrichtungen der Eingliederungs- und Wohnungshilfe bis dahin schon verteilt worden waren, "ist leider nicht mehr abschließend feststellbar", schrieb das Stuttgarter Ministerium in dem Brief, der dem ZDF vorliegt. Sie sollten neue Masken bekommen.

Baden-Württemberg ist kein Einzelfall. Auch Rheinland-Pfalz hatte auf ZDF-Anfrage ein Problem mit den vom Bund ausgelieferten Schutzausrüstungen, wie Masken, Einmalhandschuhe oder Schutzkittel. 16 Millionen Euro hatte der Bund dem Land dafür in Rechnung gestellt. Nur sechs Millionen Euro bezahlte Mainz dafür, weil nach Auskunft des Sozialministeriums der viel zu hohe Einkaufspreis weitergereicht worden war. Und weil:

Ein Großteil der gelieferten Ware als nicht verkehrsfähig eingestuft wurde.
Sozialministerium Rheinland-Pfalz

Bayern hatte Mitte Mai 2020 vom Bund 72.000 Masken des chinesischen Herstellers Yi-Cheng bekommen. "Diese wurden aber nach eigener Prüfung umgehend gesperrt und an den Bund zurückgeschickt", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums dem ZDF. Auch später gelieferte Masken desselben Herstellers seien vorsorglich gesperrt worden, weil es Ende Mai 2020 eine Warnung der EU gegeben habe. Bayern hat eine eigene Prüfstelle eingerichtet. So würden "sämtliche Warenanlieferungen und darüber hinaus sukzessive auch zuvor beschaffte Maskenbestände" vor der Auslieferung geprüft.

Thüringen zum Beispiel dagegen testet "die vom Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung gestellten Masken", so das Erfurter Gesundheitsministeriums, nicht.

Heil: Drei Versuche aus dem Spahn-Ministerium

Für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) könnten die schon frühen Beanstandungen der Bundesländer ein Problem werden. Denn er hatte die Masken, die nicht der EU-Norm, aber dem niedrigeren sogenannten CPI-Standard entsprochen hatten, immer als sicher bezeichnet. "Die Schutzmasken, um die es in der aktuellen Diskussion geht, sind intensiv geprüft worden, gemeinsam mit TÜV Nord und Dekra. Auch ohne EU-Zertifikat haben sie nachweislich alle Eigenschaften, die für den Infektionsschutz nötig sind", twitterte Spahn am Sonntag, nachdem der "Spiegel" darüber berichtet hatte.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Twitter nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Twitter übertragen. Über den Datenschutz dieses Social Media-Anbieters können Sie sich auf der Seite von Twitter informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutz-Einstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Mein ZDF“ jederzeit widerrufen.

Das verkürzte Prüfverfahren nach CPI-Standard ist zwar mittlerweile im Infektionsschutzgesetz festgeschrieben. Dem hatte auch die SPD im Kabinett zugestimmt. Nach Darstellung von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte er aber zuvor widersprochen, diese minderwertigen Masken weiter zu verteilen.

Ab Dezember hätten laut Heil diese Masken an Vorerkrankte, Menschen mit Behinderung und Obdachlose verteilt werden sollen:

Zu diesem Zeitpunkt gab es den Versuch des Bundesgesundheitsministeriums, uns zu überzeugen, dass man Masken, die nicht die Zertifizierung haben und aus unserer Sicht nicht absolut gesichert waren, an diese Gruppen zu verteilen.
Hubertus Heil

Dem habe man widersprochen. Zwischen Dezember und Februar habe es bereits gute Masken gegeben. Deswegen, so Heil, habe man nicht mehr auf Masken zurückgreifen müssen, "die irgendwann mal beschafft wurden". Dreimal habe es den Versuch des Ministeriums gegeben, sagt Heil, die Masken trotzdem zu verteilen.

150 Millionen CPI-Masken in der Reserve

Die noch nicht verteilten CPI-Masken lagern derzeit in der Nationalen Reserve, die bei einem Katastropheneinsatz wieder zum Einsatz kommen könnten. Nach Aussagen des Bundesgesundheitsministeriums sind es 150 Millionen Stück. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte, sie müssten vor dem Verfallsdatum vernichtet werden.

Der Streit um die Masken belastet das Koalitionsklima erheblich. Die Bundeskanzlerin und das CDU-Präsidium haben sich am Montag vor Spahn gestellt. Die SPD forderte den Rücktritt Spahns. Die CDU fordert eine Entschuldigung von der SPD, was diese ablehnte. Die CSU wiederum wirft der SPD vor, sie arbeite mit Lügen.

FFP2-Schutzmasken werden in einer Produktionsstätte von Sentias German Care am 26.01.2021 produziert

Geringere Corona-Schutzwirkung - Labore sehen Qualitätsmängel bei FFP-Masken 

Prüflabore haben in Deutschland bereits verteilte FFP-Masken untersucht - und bei vielen Mängel der Filterleistung festgestellt. Können Verbraucher dem FFP-Standard noch trauen?

von Nils Metzger

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.