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Mecklenburg-Vorpommern - Ende der Maskenpflicht in Schulen sinnvoll?

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Mecklenburg-Vorpommern hebt die Maskenpflicht in Schulen und Horten auf. Schülerinnen und Schüler freut das. Doch was sagen Expert*innen?

Nach den Ferien werden Tests und Masken in Mecklenburg-Vorpommern nur noch für zwei Wochen aus Sicherheitsgründen notwendig sein.

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Es ist ein Schritt zurück zur Normalität im Klassenraum: Seit Mittwoch müssen Kinder und Jugendliche in Mecklenburg-Vorpommern im Schulunterricht und im Hort keine Masken mehr zu tragen. Die Maskenpflicht gilt damit nur noch in den Gängen der Schulgebäude. Begründet wird der Schritt mit einer stabile Sieben-Tage-Inzidenz von unter zehn.

"Wir haben versprochen, wenn wir bessere Zahlen haben, wenn wir uns besser entwickeln, als prognostiziert, dann werden wir weitere Öffnungsschritte vorziehen", erklärte sich Ministerpräsidentin Manuela Schwesig im Schweriner Landtag. Das Versprechen hat Schwesig eingehalten.

"Es ist eine Erleichterung, sie nicht mehr tragen zu müssen - vor allem im Unterricht": So schildert eine Schülerin aus Rostock dem ZDF ihre Eindrücke vom Wegfall der Maskenpflicht. Doch was sagen Expert*innen?

"Gefahr, dass die Zahl der Infektionsereignisse wieder ansteigt"

"Wenn wir jetzt ohne Schutz und Abstand in voller Klassenstärke beschulen, und zeitgleich auch andere Bereiche des Lebens wieder mit weniger Einschränkungen versehen, dann steigt die Gefahr, dass die Zahl der Infektionsereignisse wieder ansteigt“, erklärt die Virologin Melanie Brinkmann vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung ZDFheute.

Schüler seien bisher praktisch zu hundert Prozent ohne Immunität gegen das Coronavirus, was besonders zum Herbst hin sehr kritisch sei, weil in der kalten Jahreszeit weniger gelüftet werden würde, so Brinkmann.

Die jetzige niedrige Inzidenz sollte also unbedingt gehalten werden, in Hinblick auf die fehlende Immunisierung der Kinder, in Hinblick auf die fehlende Immunisierung vieler Eltern, und im Hinblick auf die indische Variante.
Melanie Brinkmann, Virologin

Daher empfiehlt Brinkmann auch bei einer niedrigen Inzidenz von 10 die Maskenpflicht in Hort und Unterricht beizubehalten.

Wegfall der Maskenpflicht "zu früh"

Kritisch ist auch der Frankfurter Virologe Martin Stürmer. "Für mich kommt der Wegfall der Maskenpflicht an den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern zu früh", erklärt er.

Noch ist das Infektionsgeschehen nicht einheitlich niedrig, es sind zu wenige Menschen vollständig geimpft, es dürfen wieder Touristen ins Land und die Signalwirkung für andere Aktivitäten in Innenräumen ist kontraproduktiv.
Martin Stürmer, Virologe

Mit den Corona-Lockerungen in Mecklenburg-Vorpommern kommen wieder Gäste in Hotels, Bars und Restaurants, aber offenbar gibt es nicht genug Personal. Viele Mitarbeiter haben sich während des Shutdowns etwas Neues gesucht.

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Gérard Krause, Epidemiologe am Braunschweiger Helmholtz-Zentrum, hebt seinerseits den Nutzen von Masken hervor. Inzwischen wisse man, dass Kinder das Tragen von Masken gut tolerieren, während zunehmend deutlich werde, dass etwa Home Schooling beziehungsweise der Ausfall von Präsenzunterricht ernste, negative gesundheitliche und soziale Folgen habe.

"Ich schätze es so ein, dass eine Beibehaltung des Tragens von Masken so gut wie kein Risiko birgt und nur geringe Kosten hat, wohl aber potenziellen Nutzen in einer noch schwer abschätzbaren Phase der Pandemie", sagt Krause.

Wegfall der Maskenpflicht "absolut vertretbar"

Anders sieht es die Virologin Ulrike Protzer, die an der Technischen Universität München lehrt. Sie hält die Regelung in Mecklenburg-Vorpommern für sinnvoll.

"Bei einer Inzidenz unter zehn ist es absolut vertretbar, keine Masken mehr im Unterricht tragen zu müssen. Denn die Chance ist sehr gering, dass ein infiziertes Kind in der Klasse ist", erklärt sie ZDFheute.

Ist die Lehrkraft geimpft? Oder nicht?

Der Physiker Eberhard Bodenschatz von der Göttinger Max-Planck-Gesellschaft hat den Einsatz von Masken unter verschiedenen Bedingungen untersucht. Seine Empfehlung mit Blick auf die Maskenpflicht in Schulen: Wenn die Lehrkraft nicht geimpft ist oder sich von Covid-19 erholt hat, sollte sie eine Maske tragen.

Grund sind das Sprechen der Lehrkraft und die unvermeidbare Nähe zu den Schülern - hier könnten sowohl Tröpfchen wie auch Aerosole ausgestoßen werden, die die Schüler infizieren können.
Eberhard Bodenschatz, Physiker

Falls es vollständige Testungen gibt, sei es unter Umständen in Ordnung, wenn Kinder keine Masken tragen, so Bodenschatz. Besser sei es aber, wenn alle eine Maske tragen würden. Sei die Lehrkraft hingegen vollständig geimpft, könnte schon eher darüber nachgedacht werden, keine Masken mehr im Unterricht zu tragen. Das alles gelte aber nur unter zwei Voraussetzungen: dass der Klassenraum ordentlich gelüftet wird - und alle getestet sind. 

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