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Hospitalisierungsrate : Warum das neue Corona-Maß problematisch ist

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Neue Grundlage für viele Corona-Maßnahmen ist die Hospitalisierungsrate. Allerdings gibt es bei dem Wert gleich mehrere Probleme, vom Meldeverzug bis zu den erhobenen Daten selbst.

Eine Mitarbeiterin der Pflege steht in einem Zimmer auf der Corona-Intensivstation des Universitätsklinikums Essen und behandelt einen Patienten am 23.09.2021 in Essen
Die Hospitalisierungsrate nimmt bei den neuen Corona-Maßnahmen eine große Rolle ein.
Quelle: dpa

Zentraler Bestandteil der neu beschlossenen Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern ist die sogenannte Hospitalisierungsrate. Erreicht der Wert in einem Bundesland bestimmte Schwellenwerte, werden die Maßnahmen verschärft. Liegt er fünf Tage darunter, wird wieder gelockert. Hier eine Übersicht:

  • Hospitalisierungsrate über 3: flächendeckende 2G-Regel bei Veranstaltungen und in Freizeit- und Kultureinrichtungen, beim Sport (innen), in der Innengastronomie; grundsätzlich 2G bei körpernahen Dienstleistungen und Beherbergungen
  • Hospitalisierungsrate über 6: 2G plus insbesondere in Diskotheken, Clubs, Bars
  • Hospitalisierungsrate über 9: weitergehende Maßnahmen in Absprache mit Landtagen

[Lesen Sie hier, was 2G, 2G plus und Co. genau bedeuten.]

Auf diese Hospitalisierungs-Daten beziehen sich die Corona-Maßnahmen

Die Hospitalisierungsrate gibt an, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen wegen einer Corona-Infektion in einem Krankenhaus aufgenommen wurden. Für die Corona-Maßnahmen sind die Daten der Bundesländer relevant. Übersteigt ein Bundesland beispielsweise den Hospitalisierungsindex von 6, gilt im gesamten Bundesland 2G für die oben angegebenen Bereiche.

Übrigens gilt bei der Hospitalisierungsrate laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) das Wohnortsprinzip. Die Rate steigt also in einem Bundesland nicht, wenn Corona-Patienten aus anderen Regionen dorthin verlegt werden. In Bayern ist die Kliniklage beispielsweise so dramatisch, dass Patienten in andere Bundesländer verlegt werden müssen:

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Die folgende Grafik zeigt, wie die Hospitalisierungsrate aktuell durch das Robert-Koch-Institut angegeben wird. Bei den Daten tritt bereits ein erstes Problem auf: Aus Sachsen konnten heute aus technischen Gründen keine Daten an das RKI übermittelt werden.

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Warum die Hospitalisierungsrate problematisch ist

Abgesehen von solchen Übermittlungslücken gibt es bei der Hospitalisierungsrate gleich mehrere weitere Probleme:

Unterschätzung: In die aktuelle Hospitalisierungsinzidenz fließen nur die eingewiesenen Patienten ein, die auch innerhalb der letzten sieben Tage positiv getestet wurden. Oft liegen aber mehr Tage zwischen Test und Einweisung. Diese Patienten fallen aus der aktuellen Inzidenz heraus. Und so wird die Lage in den Krankenhäusern kontinuierlich unterschätzt.

Meldeverzug: Das Robert-Koch-Institut erhält die Daten für den Index stark zeitverzögert. Hier geht es nicht um ein paar Tage - hier geht es um Wochen, die die Werte später eintreffen. Um den Meldeverzug auszugleichen, gibt das RKI in seinem Wochenbericht sogar eine eigene Schätzung an, wie viele Hospitalisierungen voraussichtlich noch dazukommen.

Die Berechnung kommt zu folgendem Schluss: Seit Mitte Oktober steige die tatsächliche Hospitalisierungsinzidenz kontinuierlich an. Die offizielle Hospitalisierungsrate geht seit dem 8. November allerdings aufgrund der bisher noch nicht gemeldeten Klinikeinweisungen sogar zurück. Das zeigt: Die Differenzen zwischen der Hochrechnung und den tatsächlichen Meldungen sind enorm. Die Schätzung des RKI wird für die Corona-Beschränkungen jedoch nicht herangezogen.

Fehlende Digitalisierung: Der Vorsitzende der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft, Gerald Gaß, berichtet im ZDF spezial, die Daten würden nach wie vor "auf Papier per Fax" übermittelt.

Bis zum heutigen Tag gibt es kein digitales Meldeverfahren, in dem die Krankenhäuser täglich über eine Software an die Gesundheitsämter melden.
Gerald Gaß, Vorsitzender der Krankenhaus-Gesellschaft

Dazu kommt, dass die Bundesländer ihre Hospitalisierungen unterschiedlich schnell melden. Daher lassen sich die Raten der Bundesländer schlecht miteinander vergleichen.

Politik gespalten bei Drei-Stufen-Plan

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) verteidigt das System der drei beschlossenen Inzidenzstufen von 3, 6 und 9 im ZDF-Morgenmagazin. "Der Drei-Stufen-Plan ist klar." Im Beschlusspapier von Bund und Ländern heißt es: "Die Intensität der Umsetzung berücksichtigt das regionale Infektionsgeschehen."

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) trägt zwar die Beschlüsse von Bund und Ländern mit, ruft aber im gleichen Zug die Bundesländer auf, schon vor dem Erreichen des jeweiligen Schwellenwertes Maßnahmen zu ergreifen. "Deswegen empfehle ich auch nicht, wenn man bei 2,89 ist, zu warten, bis es 3,01 ist", so Spahn. Es gehe darum, dass man eine Größenordnung habe. Im Zweifel solle man lieber früher als später handeln.

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