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Impfpriorisierung aufgehoben : Einige Länder geben Astrazeneca für alle frei

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Nach Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gibt auch Bayern den Impfstoff von Astrazeneca für alle Altersgruppen frei. Das sorgt für Kopfschütteln in einigen anderen Bundesländern.

In Mecklenburg-Vorpommern können sich ab sofort alle Altersgruppen unabhängig von der Priorisierung mit dem Impfstoff von Astrazeneca impfen lassen. Bei Menschen unter 60 Jahren ist jedoch vor dem Impfen eine ausführliche Beratung durch den Impfarzt notwendig, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Dies bedeute, dass sowohl in den Impfzentren, durch mobile Teams oder in den Arztpraxen Astrazeneca unabhängig vom Alter oder der Impfreihenfolge verabreicht werden kann.

Sondererlaubnis des Arztes bei Impfung weiter nötig

Allerdings verwies das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage darauf, dass es natürlich bei der in der Impfverordnung vorgesehenen Sondererlaubnis des Arztes bleiben müsse. Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), dass es nur über 60 eine generelle Impfempfehlung gebe, gelte weiter.

Hintergrund sind Einzelfälle von Thrombosen nach Coronavirus-Impfungen vor allem bei jüngeren Frauen.

Die Freigabe in Mecklenburg-Vorpommern sei "ein Angebot, dass diejenigen, die keine oder wenige Vorbehalte gegen den Impfstoff haben, die Möglichkeit nutzen können, sich gegen das Coronavirus auch impfen zu lassen", sagt Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU). Ziel sei es, dass kein Impfstoff liegenbleibe.

Astrazeneca auch in Bayern und Sachsen frei

Sachsen hatte einen ähnlichen Weg mit Vorbehalten gegen Astrazeneca begründet. Wegen der hohen Mengen an erwartetem Biontech-Impfstoff gebe es Impfberechtigte, die lieber auf das Präparat des Mainzer Unternehmens warten wollten, obwohl sie bereits Anrecht auf eine Astrazeneca-Impfung hätten.

Aus dem bayerischen Gesundheitsministerium hieß es dagegen, man habe sehr gute Erfahrungen mit speziellen Aktionen von Impfzentren gemacht, in denen an bestimmten Tagen die Impfung mit Astrazeneca für alle über 60 oder für Einzelfälle unter 60 freigegeben worden sei.

Die Priorisierung bei Astrazeneca ist ab sofort aufgehoben, der Impfstoff kann in den Arztpraxen auch Personen unter 60 Jahren angeboten werden.
Klaus Holetschek (CSU), Gesundheitsminister

Niedersachsen und NRW bleiben bei Priorisierung

Die Gesundheitsministerien von Niedersachsen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen teilten auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters mit, dass sie keine Änderungen planten. Eine Sprecherin des niedersächsischen Ministeriums sagte:

In Niedersachsen gibt es noch zu viele aus den ersten beiden Prioritätsgruppen sowie Ü60-Jährige, die zu impfen sind.
Sprecherin, niedersächsisches Gesundheitsministerium

"Astrazeneca wird in Nordrhein-Westfalen derzeit nur an Personen über 60 Jahren verimpft", sagte ein Sprecher des Ministeriums in Düsseldorf. Ab Mai werde Nordrhein-Westfalen nur noch die Menge an Impfdosen von Astrazeneca erhalten, die für Zweitimpfungen für über 60-jährige benötige. Allerdings hatte NRW bereits die Impfung für alle Ü60 freigegeben gehabt.

Baden-Württemberg: Demnächst Impfaktionstage mit Astrazeneca

Auch Baden-Württemberg verweist darauf, dass die Impfpriorisierung erst dann fallen soll, wenn man sehr viel Impfstoff zur Verfügung habe. Das habe auch der erste Landes-Impfgipfel vergangenen Freitag noch einmal festgehalten. Zugleich wies ein Sprecher in Stuttgart Berichte über große Skepsis gegenüber dem Vakzin zurück. Viele Impfzentren böten in der nächsten Zeit Impfaktionstage mit Astrazeneca an, bei denen die aktuell Impfberechtigten über 60 Jahren geimpft werden.

Das Bundesgesundheitsministerium reagierte zurückhaltend auf die Ankündigung der Länder einer völligen Freigabe. "Es gibt eine Empfehlung der Stiko, auf deren Grundlage wir eine Impf-Verordnung formuliert haben", sagte ein Sprecher des Ministeriums. Er betonte:

Diese Verordnung lässt zwar Spielraum, ist aber bindend.
Sprecher Bundesgesundheitsministerium

Allerdings verwies er auch darauf, dass bereits in der Verordnung stehe, dass der Impfstoff bei unter 60-Jährigen "nach ärztlicher Aufklärung und bei individueller Risikoakzeptanz durch den Patienten" einsetzbar sei.

Kopfschütteln in Länderkreisen

In Länderkreisen sorgte die Ankündigung Sachsens vom Dienstag für Kopfschütteln, weil sich faktisch gar nichts ändere. "Auch Ärzte in Sachsen müssen sich natürlich weiter an die Impf-Verordnung halten", hieß es in Kreisen der Gesundheitsminister.

Ein Zettel, der an einem Geschäft klebt, weist auf den Mindestabstand von 1,5 Meter hin, der einzuhalten ist.

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