Sie sind hier:

Covid-Medikamente und -Therapien - Wenn Forschungsgelder zu spät kommen

Datum:

Viel Geld floss in die Entwicklung und Produktion von Corona-Impfstoffen. Vergleichsweise wenig ging an Medikamentenhersteller. Dabei hätte auch das Leben retten können.

Während die Bundesregierung deutsche Corona-Impfstoffentwickler schnell und unbürokratisch mit Millionenbeträgen unterstützte, flossen in die Forschung für Medikamente gegen COVID-19 kaum Fördergelder.

Beitragslänge:
7 min
Datum:

Das Coronavirus hält die Welt seit mehr als einem Jahr fest im Griff. Auch wenn die Impfkampagnen in westlichen Ländern die Pandemie mittlerweile eindämmen, wird das Sars-CoV-2-Virus und die damit verbundene Krankheit Covid-19 noch viele Jahre in der Welt sein. Es wird also - saisonal oder durch Virusmutationen - immer wieder zu Erkrankungen kommen.

Der Lösungsansatz der deutschen Bundesregierung liegt klar beim Impfen: Fast eine Milliarde Euro flossen in die Impfstoffentwicklung und -produktion. Für die Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung von Covid-19-Patienten gab es dagegen nur einmal 45 Millionen Euro (2020) und einmal 50 Millionen Euro (2021). Beide Male für Medikamente im Anfangsstadium. Wenig Geld, wenn man bedenkt, dass eine klinische Studie für ein Medikament oder eine Therapie schon mehrere Millionen Euro kosten kann.

Eine Therapie für Covid-Patienten mit schweren Verläufen wurde in Brandenburg entwickelt. Doch es fehlte das Geld für eine klinische Studie. Fördergelder wurden nicht bewilligt. Wie das Verfahren funktioniert, können Sie hier nachlesen:

Geräte zur Filterung von Blut werden in vielen Kliniken zur Dialyse eingesetzt. Sie könnten auch bei schweren Covid-19-Verläufen helfen.

Behandlung durch Blutwäsche - Herzinfarkt-Therapie rettet Covid-Patienten  

Die Überlebenschancen von Covid-Patienten auf Intensivstationen sind schlecht. Eine Blutwäsche-Therapie könnte das ändern. Es fehlen jedoch Studien, damit Kliniken sie anwenden.

von J. Schneider, M. Strompen, E. Klotsikas

Fördergelder könnten Forschung und Produktion beschleunigen

Das Unternehmen Biotest aus der Nähe von Frankfurt am Main ist auf Antikörper-Präparate spezialisiert - und hat einen Corona-Wirkstoff entwickelt. 12 Millionen Euro Fördermittel wollte Biotest, um, parallel zur Forschung, eine Produktionsstätte aufzubauen.

Wir hätten damit Produktionsmaterial gekauft. Wir hätten Mitarbeiter eingestellt, und wir hätten [...] dieses Medikament auf Teufel komm raus hergestellt und ihn uns aufs Lager gelegt.
Dirk Neumueller, Biotest AG

Doch es hagelte Absagen. Dabei hätte das Antikörper-Präparat von Biotest bereits vielen Menschen das Leben retten können. In ersten klinischen Studien, die das Unternehmen auf Intensivstationen durchgeführt hat, starben nur noch halb so viele Menschen, bei denen das Immunsystem überreagierte.

Das Problem ist: Sollte das Medikament in den nächsten Monaten eine Zulassung erhalten, muss die Produktion erst hochgefahren werden. Bis es zum Einsatz kommen kann, vergeht weitere Zeit, die die Erkrankten oftmals nicht haben.

Der Bund will ein Förderprogramm auflegen

Das hat nun offenbar auch die Bundesregierung eingesehen. Auf einer Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch verkündeten Gesundheitsminister Spahn und Forschungsministerin Karliczek ein 300-Millionen-Förderprogramm für weit entwickelte Medikamente und zum Aufbau von Produktionsstätten.

Diese 300 Millionen sind natürlich extrem begrüßenswert. Wir hoffen auch, dass wir da jetzt eine Förderung erhalten. Es wäre schön gewesen, wenn es dieses 300 Millionen oder gar noch größere Pakete im März letzten Jahres gegeben hätte. Dann werden wir jetzt schon fertig und könnten bereits helfen.
Dirk Neumueller, Biotest AG

Warp-Speed in den USA

Nicht alle Regierungen sind so zögerlich, wie die Deutsche. Beispiel USA. Dort wurde die Operation Warp Speed zur Bekämpfung der Pandemie ausgerufen: Neun Milliarden Dollar standen für die Erforschung von Corona-Medikamenten bereit.

"Die Amerikaner haben eine völlig andere Herangehensweise an pharmakologische Entwicklung", erklärt Dr. Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Die erlauben sich viel mehr Rückschläge. Wenn von 50 Substanzen am Ende eine das Rennen macht, ist das für USA absolut okay.
Dr. Tobias Welte, Medizinischen Hochschule Hannover

Bundesregierung sieht Verantwortung bei den Unternehmen

Aus der Bundesregierung hört man wenig Schuldbewusstsein für die träge deutsche Förderpolitik. Es sei ein "Hochrisikoprozess" den man nur nach "seiner Reihenfolge organisieren" könne, meint Forschungsministerin Karliczek:

Man muss Tausende von Substanzen testen, um eine zu finden, die am Ende potenziell wirkt.
Anja Karliczek, Bundesforschungsministerin

Auch der Bundesgesundheitsminister sieht die Verantwortung für die verschlafene Medikamentenforschung nicht bei sich, sondern bei den Unternehmen. "Ich erlebe manchmal das gleiche, was ich bei Masken, was ich bei Tests, was ich auch in anderen Bereichen erlebt habe", erklärte Spahn.

Dass die, die öffentlich darauf hinweisen, dass sie nicht unterstützt werden, im Zweifel nicht diejenigen sind, die schon immer am weitesten sind. Aber dafür haben sie medial umso mehr Durchschlagskraft.
Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister

Einige deutsche Biotech-Unternehmen hatten sich zusammengeschlossen und forderten von der Politik gemeinsam mehr Unterstützung. Teilweise haben Sie die mittlerweile bekommen.

Der Weg war holprig. Es hätte schneller gehen können.
Dr. Rainer Lichtenberger, Atriva Therapeutics GmbH

Der neue Förderplan müsse jetzt erhalten bleiben, meint Dr. Rainer Lichtenberger von der Atriva Therapeutics GmbH. Sein Unternehmen entwickelt ebenfalls ein Corona-Medikament. Wichtig sei jetzt, dass man für die Zukunft "schnellere, unbürokratische und effizientere Strukturen zur Unterstützung der Firmen schaffe".

Für einige Firmen kommt die finanzielle Hilfe allerdings zu spät, sie haben ihre Forschung und Entwicklung an Covid-19-Medikamenten bereits eingestellt.

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

Lkw-Fahrermangel in Großbritannien

Lücken im Regal und Spritmangel - Engpässe: London lockt Lkw-Fahrer 

Tankstellen schließen, Regale sind leer: Großbritannien leidet unter Versorgungsengpässen - wegen Corona und Brexit fehlen Zehntausende Lastwagenfahrer. London will gegensteuern.

Videolänge
1 min
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.